Der Tour-Return

Die Zeit der Geschenke ist vorbei

Caroline Wozniacki und Angelique Kerber - Freundinnen, egal ob Siegerin oder Besiegte.Caroline Wozniacki und Angelique Kerber - Freundinnen, egal ob Siegerin oder Besiegte …

Im letzten Sommer, da wurde Angelique Kerber zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Caroline Wozniacki war 21 Jahre alt geworden, und sie veranstaltete dazu in ihrem Wohnort Monte Carlo eine riesige Party mit ihren Sponsoren, Geschäftspartnern und viel Tamtam. Echte Freunde wollte sie aber auch dabei haben, deshalb durfte Angelique Kerber nicht fehlen. Seit sie sich auf ihren ersten Juniorenturnieren begegneten, sind die beiden unzertrennlich. Sie sprechen polnisch miteinander, fahren schon mal gemeinsam in den Urlaub und reden über alles, über das dicke Freundinnen so reden. So übernachtete Kerber auch nicht im Hotel, sondern direkt bei Wozniacki und gab ihr dann auch schon vorab ihr Geburtstagsgeschenk. Für Persönliches war die etwas steife, offizielle Feier ohnehin nicht der rechte Ort.

Aber was schenkt man jemandem, der schon alles hat und der sich jeden materiellen Wunsch selbst erfüllen kann? Darüber grübelte auch Kerber nach und bastelte ihr schließlich eine Wanduhr mit einer Fotocollage von ihnen beiden. Angelique Kerber ist ein herzlicher und warmherziger Mensch, der gerne seine Freunde beschenkt. Doch auf dem Tennisplatz verteilt sie inzwischen keine Geschenke mehr. Nicht einmal an Wozniacki. Die stand ihr am Sonntag im Finale von Kopenhagen gegenüber, dem Heimturnier der Dänin, das diese zuvor zweimal gewann. Da muss man Freundschaft ausblenden und einfach seinen Job machen. Dass Kerber das konnte, untermauert einmal mehr, dass ihr der nächste Sprung in Richtung Weltspitze gelungen ist.

Fleiß, Talent und eine linke Hand

Vor zwei Jahren knackte Kerber erstmals die Top 50, im letzten Herbst stürmte sie ins Halbfinale der US Open und unter die Besten 30, doch seit Februar verlief für die 24-jährige Kielerin alles im noch schnelleren Zeitraffer. In Paris gewann sie ihren ersten WTA-Titel gehörte danach zu den Top 20 und spurtete gleich noch weiter bis ins Halbfinale von Indian Wells. Dort war der Respekt vor der neuen Weltranglistenersten Viktoria Asarenka noch ein wenig zu groß, aber Kerber merkte, dass sie mit der Besten mithalten kann. Überhaupt hat sie sehr viel gemerkt in den letzten Wochen: Vor allem, dass sich die harte physische Arbeit, die sie in der Schüttler-Waske-Akademie absolvierte, für ihr Spiel auszahlt. Und dass man auch aus Niederlagen mitunter sehr viel Positives herausziehen kann.

Früher war es Kerber immer sehr schwer gefallen, nicht gleich alles in Zweifel zu ziehen, wenn sie mal verloren hatte. Die Frustphasen dauerten an, die Gegnerinnen bedankten sich. Jetzt aber vertraut Kerber auf ihre Fähigkeiten und glaubt an sich. Es klingt oft banal, doch es ist tatsächlich vor allem der bedingungslose Glaube an sich, der die Weltspitze vom Rest unterscheidet. Und von der ist Kerber als Nummer 14 gar nicht mehr so weit entfernt. Warum sollte ihr es nicht gelingen? Ihre Freundin Caroline Wozniacki zählt ganz sicher nicht zu den außergewöhnlichsten Talenten, die die Tour-Bühne je erlebt hat. Und doch wurde sie die Nummer eins.

Kerber bringt alles mit, um noch weiter im Ranking aufzusteigen: Fleiß, Talent, Spaß, die richtige Einstellung, und sie ist zudem noch Linkshänderin. Und so bunt, wie sich die neue Generation der Topspielerinnen gerade zusammenmischt, hat mit Sicherheit auch Schwarz-Rot-Gold eine gute Chance zu glänzen.

Petra Philippsen

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