Der Tour-Return

Schwappt die deutsche Welle nach NY?

So New York, es kann losgehen. Der Koffer ist eingecheckt, die Sonnencreme eingepackt, gleich neben dem Regenschirm, und der Wetterbericht fürs Wochenende wird einfach geflissentlich ignoriert. Hurrikan Irene sollte also hoffentlich einen Bogen um Manhattan machen und das Nachbeben aus Virginia bitteschön woanders grummeln. Schließlich warten die zwei heißesten Tenniswochen des Jahres auf uns — die US Open!

Sie sind laut, sie sind schmutzig, sie sind einfach nur geil. Anders kann man es nicht sagen. Man liebt sie oder man hasst sie, dazwischen gibt es nichts. Auch für die Spieler nicht. Wer den Trubel, die Lichter und die ganz große Show liebt, der ist in Flushing Meadows genau richtig. Und wer das schaffen will, der muss sich eben auch auf einem der vielen glanzlosen, unruhigen Nebenplätze durchsetzen, die, wie Thomas Muster es einmal ausdrückte, "gleich neben einer Müllkippe" liegen. Hier wird keine Rücksicht auf Namen und Ranglisten genommen. Hier zählen nur Amerikas Darlings und jene, die die beste Show bieten. Da sollten unsere Ladies doch dabei sein — schwappt die neue deutsche Welle auch nach Flushing?

Bühne frei für Petko und Co.!

Alle drei sind gesetzt, das sind schon mal beste Voraussetzungen. Andrea Petkovic hatte als Nummer elf der Welt zuletzt einen Lauf, spielte Halb- und Viertelfinals im Vorfeld und schlug hochkarätige Gegnerinnen, bis das leidige Knie dazwischen kam. Nun steht hinter ihrem großen Coup in New York ein noch größeres Fragezeichen. Hält es auf dem stumpfen Hartplatz bis in die zweite Woche? Spielerisch kann sie mit den Besten nicht nur mithalten, sie gehört inzwischen dazu. Überstürzen hilft da aber nicht weiter, die Erfahrung hat sie in Wimbledon gemacht. So schnell passiert ihr das sicher nicht wieder, aber auch mit einer Verletzung im Hinterkopf kann man verkrampfen. Hält das Knie kann Andrea Petkovic sicher in der zweiten Woche mitmischen.

Und bei Sabine Lisicki ist es nicht anders. Sie liebt den "American Style", als Bollettieri-Schülerin den Hartplatz und die große Bühne sowieso und hat in Wimbledon gezeigt, dass ihre ehrgeizigen Ziele berechtigt sind. Ihr Aufschlag ist eine Wucht, ihr Wille unbändig und wer sollte sie schon stoppen? Vielleicht nur ihr eigener Körper. Der war bisher oft anfällig, an New York hat sie schlechte Erinnerungen. Aber so, wie sie in den letzten Monaten ihr Comeback hingelegt hat, scheint das alles längst abgehakt. "Miss Bum Bum Biene" könnte auch in Flushing ein echter Hammer werden. Bei Julia Görges wollte es in New York bisher noch nicht so recht klappen, aber auch sie hat sich Schritt für Schritt verbessert. Ihre Fitness ist ihr Plus, sie ist mental stärker geworden, aber immer noch etwas anfällig. Für den ganz großen Coup wird es dieses Mal wohl noch nicht reichen, aber die dritte Runde sollte sie sich mindestens zutrauen.

Kampf gegen das Schattendasein

Die deutschen Herren fristen dagegen ein Schattendasein, besonders bei den Grand Slams haben sie in dieser Saison einiges gutzumachen. Florian Mayer ist gesetzt, und es wird auf die Auslosung ankommen, ob zumindest mal wieder eine dritte Runde drin ist. Der Anspruch muss es sein, mehr sogar, das würde Florian Mayer sicher auch zu größerer Anerkennung verhelfen. In der Vorbereitung konnte er allerdings kein Selbstvertrauen sammeln.

Philipp Kohlschreiber schlug zuletzt Roddick und Lopez, in New York könnten die dicken Brocken aber auf Anhieb warten. Mal wieder auf Trainersuche ist er mal wieder bei der Neuorientierung. Mit guten Ergebnissen würde er demonstrieren, dass er tatsächlich an den Zielen arbeitet, die er so lange ausgegeben hat. Ähnliches gilt für Philipp Petzschner, der sich in Hamburg nicht von seiner vorteilhaftesten Seite zeigte, und den letzten Slam des Jahres gut nutzen könnte, um mal wieder sein Talent sprechen zu lassen. Allerdings plagt er sich mit einer Mandelentzündung. Die Herren werden sich also ziemlich strecken müssen, damit sie auf der Bugwelle der Ladies mitreiten und nicht von ihr umgeworfen werden.

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