Der Tour-Return

Erst Platzhirsch, jetzt Wildcard

Tommy Haas beim Davis-Cup-Team in BambergSein Smartphone legt Tommy Haas kaum noch aus der Hand. Auch jetzt nicht, als im Spiegelsaal der Bamberger Harmonie die Auslosung der Davis-Cup-Partie zwischen Deutschland und Argentinien stattfand. Haas blickte immer mal wieder auf das Display, als die ersten Fragen der Journalisten kamen. Sie waren nicht an ihn gerichtet. Tagelang hatte die Rückkehr des 33-Jährigen nach mehr als vier Jahren für Furore gesorgt, doch nun standen andere im Fokus. Der Teamchef, Patrik Kühnen, der erklärte, warum Philipp Petzschner neben Florian Mayer am Freitag das zweite Einzel spiele und nicht Haas. Und weswegen nach der Absage von Philipp Kohlschreiber der fünfte Mann, Cedrik-Marcel Stebe, zum vierten aufgerückt war.

"Ich bin so eine Art Wildcard", erklärte Haas genügsam und widmete sich dann wieder seinem Smartphone. Das Twittern hat es ihm neuerdings angetan und durch ihn war am Mittwoch überhaupt bekannt geworden, dass Kohlschreiber mit seinem Magen-Darm-Infekt gar nicht erst nach Bamberg anreisen würde. Laut Haas sei dieser "krank wie ein Hund". Vor zwei Wochen hatte Haas auch schon getwittert, da wollte er von seinen Fans wissen: "Davis Cup mit oder ohne Haas? Was meint ihr?" Denn Kühnen hatte Haas allein die Entscheidung überlassen, ob er gegen Argentinien dabei sein wolle. Der Spieler durfte sich quasi selbst für das Team nominieren. Aber Haas ließ sich viel Zeit, befragte erst seine Fans wie in einer der gerade angesagten Castingshows und wollte wissen, ob sie seine Rückkehr ins Nationalteam überhaupt interessieren würde. Natürlich tat es das, die Medien genauso. Schließlich verfügt Haas selbst im Herbst seiner Karriere immer noch über eine Strahlkraft, an der es der folgenden Generation ein wenig mangelt.

Besonders Mayer war stets vorgeworfen worden, er sei zu blass, einfach zu langweilig. Dabei hatte der 28-Jährige im letzten Jahr die Saison seines Lebens gespielt und es erstmals unter die Top 20 geschafft. Aber auch von seinem Sieg gegen Rafael Nadal hatte man hierzulande kaum Notiz genommen. Doch Mayer ist jetzt die Nummer eins im deutschen Team, nicht Haas. Der Leitwolf von einst akzeptiert die neue Hierarchie, betonte: "Flo hat sich das verdient, und ich bin froh, wieder dabei zu sein." Zum Einsatz kommt Haas am Samstag an der Seite von Petzschner, doch bei der Nebenrolle dürfte es wohl nicht bleiben, sollte im fünften Match am Sonntag erst die Entscheidung fallen. "Das Regelwerk lässt einen Wechsel zu", erklärte Kühnen vielsagend, der mit seiner Aufstellung generell jedoch ein gewisses Risiko eingeht. Sollte sich Petzschner am Freitag im Einzel verletzen, bliebe keine echte Alternative für das Doppel übrig. "Wir haben lange diskutiert, aber uns für diese Strategie entschieden", sagte Kühnen.

Wenn der Teamchef "wir" sagt, dann meint er auch Mayer. Denn so introvertiert er nach außen wirkt, so weiß er sich inzwischen intern durchzusetzen. Auch bei Themen, die gewöhnlich in der Entscheidungsgewalt Kühnens lagen. Nach dem Viertelfinal-Debakel von Stuttgart, als kaum heimische Zuschauer den Killesberg erklommen, stand für die Bayreuther Mayer und Petzschner fest: Wir spielen in Bamberg und zwar auf Sand. Argentiniens Topstar Juan Martin del Potro vergraulten sie damit sogleich und die berüchtigt angeheizte Fanstimmung in "Freak City" soll auch den Rest des argentinischen Teams einschüchtern. Mayer selbst ist ganz froh, dass Haas im Vorfeld die ganze Aufmerksamkeit auf sich zog und dass Petzschner am Freitag gegen Juan Monaco vorlegen wird, bevor er gegen David Nalbandian antreten muss. "Bei den letzten beiden Malen habe ich zuerst gespielt und jeweils in fünf Sätzen verloren", sagte Mayer, "vielleicht klappt es ja jetzt mal." Die Nerven spielen beim Hünen mit der unorthodoxen Technik immer eine Rolle, besonders im Davis Cup. Doch Mayer will sich seinen Dämonen stellen, mit Hilfe der Zuschauer: "Ich werde rausgehen und alles geben. Und dann helfen mir die Fans hoffentlich zum Sieg."

Viele Grüße ,

Eure Petra

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