Der Tour-Return

“Mission Nr. 1″: Federer setzt auf Trick 17

Eine Klausel im ATP-Regelwerk könnte Federer helfen.Eine Klausel im ATP-Regelwerk könnte Federer helfen.

Das Turnier in Rotterdam war ganz und gar nicht nach Wunsch gelaufen. Ein Viertelfinalaus beim 500er-Turnier hatte Roger Federer eigentlich nicht eingeplant. Die letzte Woche nahm er sich frei, fuhr mit seiner Mutter für seine Stiftung nach Südafrika, aber das war ohnehin geplant. Denn Pausen sind in dieser Saison bei ihm mehr vorgesehen, als je zuvor.

Absolute Effektivität lautet Federers Motto: Bei jedem Turnier, bei dem der Schweizer antritt, will er auf den Punkt so perfekt vorbereitet sein, dass er immer um den Titel mitspielen kann. Dafür will er seinen Kalender 2013 radikal auf 14 Turniere reduzieren. So lautet sein Plan, denn der Weltranglistenzweite hat mit seinen 31 Jahren klare Ziele vor Augen: wieder die Nummer eins werden und seinen 17 Grand-Slam-Titeln weitere hinzufügen.

Erholen, trainieren - gewinnen?

Jene, die Federer im Kräftemessen mit der jungen Garde um Djokovic, Murray und Nadal längst abgeschrieben haben, halten sein ambitioniertes Ansinnen für ziemlich vermessen. Für die ganz großen Titel fehle Federer inzwischen das gewisse Quäntchen und mit der letzten Wimbledon-Trophäe solle er doch nun zufrieden sein, meinen sie. Vielleicht ist das so. Aber es wäre ja nicht das erste Mal, dass Federer seine Kritiker Lügen straft. Und vielleicht hat der Schweizer einfach eine sehr clevere Taktik in der Hinterhand. Denn so naiv ist Federer sicherlich nicht, zur Jagd auf Djokovic zu blasen, wo er doch weiß, dass der momentan mehr als 4000 Punkte Vorsprung im Ranking hat.

"Es ist realistisch", betont Federer und baut dabei auf zwei Dinge: Er muss fantastisch spielen. Klingt so simpel wie schwierig. Doch dass er es noch kann, hat er im letzten Jahr und auch phasenweise in Melbourne bewiesen. Ob die Gegner es weiter zulassen werden, wird man sehen. Das Zweite ist die Regeneration. Federer setzt auf längere Pausen und intensive Trainingsblöcke. Die hatte er immer schon eingestreut, nun will er sie seinem Alter geschuldet ausdehnen, um bei den Turnieren, die ihm noch wichtig sind, topfit zu sein. Indian Wells wird er spielen, Miami nicht. Danach will er sieben Wochen kein Turnier spielen bis zum Masters in Madrid im Mai. Wie das geht? Wie Federer ohne Strafen einfach ein paar verpflichtende 1000-Turniere auslässt? Das ist Trick 17.

Neues Energie-Management

Oder besser gesagt, diesen Trick hat sich Federer hart erarbeitet und hofft nun, dass sich der Lohn auszahlen wird. In den ATP-Regeln gibt es eine Klausel in Bezug auf die Pflicht-Turniere. Hat ein Spieler 600 Karriere-Matches erreicht, zwölf Jahre voll auf der ATP-Tour gespielt oder ist 31 Jahre alt, darf er für jedes dieser Kriterien auf ein Masters-Turnier verzichten ohne Strafe. Der Clou dabei: Da auf Federer alle drei Punkte zutreffen, ist für ihn kein 1000er-Turnier mehr Pflicht. Er kann also geschickt planen, seine Kräfte einteilen. Und vielleicht hat er dann auch am Ende eines zehrenden Grand Slams noch genügend Körner übrig für den großen Coup. "Ich glaube fest daran, dass ich noch weitere Slams in mir habe", sagt Federer, "ich denke ich kann gutes Tennis zeigen, wenn ich nicht so viel spiele."

Wie gut sein neues Energie-Management funktioniert, merkt Federer vielleicht schon in dieser Woche in Dubai. Dort könnte ein Schlagabtausch mit Djokovic warten. Scheuen tut Federer die Begegnung sicher nicht. Im neuen Buch "Jubeljahre" über die goldene Ära des Schweizer Tennis erzählt er, wie sehr er Drucksituationen liebt, und wie es ihm schon immer gefiel, für Sieg oder Niederlage selbst geradezustehen: "Ich bekam die Antwort, ob ich gut oder schlecht gewesen war, immer gerne cash ins Gesicht." So oder so, in den nächsten Monaten ist Zahltag.

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