Der Tour-Return

Mit der Leidenschaft im Bein…

Tennis und Fußball - wie passt das eigentlich zusammen? Fußballtennis kennen wir, klar, und es gibt wohl kaum einen Tennisspieler, der das Kicken übers Netz nicht in sein tägliches Aufwärmtraining einbaut. Warum? Weil fast jeder Tennisspieler ein verkappter Fußballer ist und sich in früher Jugend irgendwann mal zwischen den beiden Leidenschaften für eine entscheiden musste. Dass sie Tennis den Vorzug gaben, heißt aber nicht, dass ihr Herz nicht immer noch für Fußball schlägt. Im Gegenteil. Viele sind, gelinde gesagt, völlig fußballverrückt. Oder gar beKLOPPt, man muss es so sagen. Nicht nur in den Tagen vor den beiden Champions-League-Halbfinals mit Bayern und Dortmund.

Platz eins in der nach oben offenen Verrücktheitsskala hält momentan eindeutig Philipp Petzschner, und das nicht bloß, weil er bekennender Fan von Arminia Bielefeld ist. Schließlich ist das allein schon Schicksal genug. Die Vereinsliebe ging jedoch so weit, dass er seine Tochter allen Ernstes "Arminia" nennen wollte. Zum Glück sprach die weibliche Erziehungsberechtigte im Hause Petzschner ein Machtwort und verhinderte Schlimmeres. Kinder haben es heutzutage ja auch so schon schwer genug.

Wenn Boris live von gestern twittert...

Aber wenn es um Fußball geht, dann vergessen Tennisspieler, dass sie auch professionelle Athleten sind und sind einfach nur Fans. Dann wandert die Leidenschaft vom Schläger ins Bein. Jeder Spieler hat seinen Lieblingsverein, und jeder weiß vom anderen, in welcher Klub-Bettwäsche er nächtigt. Auch bei den deutschen Profis, da sind viele stolz auf ihre Klub-Mitgliedskarten. Nicolas Kiefer hat sogar einen eigenen Spint in der Kabine seiner 96er. Vor und nach wichtigen Spielen wird dann untereinander gesmst, getwittert und geneckt. Manche können nicht anders und twittern ganze Partien als eine Art Live-Kommentar, für all jene, die tatsächlich nicht mitbekommen haben, dass die Bayern mal wieder irgendwo gegen irgendwen ein Tor geschossen haben. Nur Boris Becker merkt manchmal erst während seiner euphorischen Live-Tweets, dass er sich gerade eine alte Aufzeichnung anschaut.

Auch am Dienstag- und Mittwochabend wird der Zwitscherdraht wieder glühen und die Lager der Sympathisanten sind dabei klar abgegrenzt. Trotzdem werden sich die deutschen Mädels am Dienstagabend gemeinsam in Stuttgart vor dem Fernseher zusammenrotten und Angelique Kerber und Julia Görges - nachweislich aus Norddeutschland, aber dennoch seltsamerweise glühende Bayern-Anhänger - haben die anderen bereits dazu verdonnert, den FCB mitanzufeuern. Für Bundestrainerin Barbara Rittner als bekennende BVB- und Klopp-Anhängerin wird das wohl die Härte. Sie wird sich am Abend später dann sicher dankend revanchieren...

Nadal steht auf Dortmund - aber er liebt Real Madrid

Wem Rafael Nadal bei den Halbfinal-Krachern die Daumen drückt, ist nicht schwer zu erraten. Der Mallorquiner hat die Fußball-Liebe quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Sein Onkel Miguel Angel Nadal spielte in der spanischen Nationalmannschaft und auch beim FC Barcelona - nur wegen ihm streifte Rafael das schon von klein auf verhasste Barca-Trikot mal über. Sein Herz gehört aber treu Real Mallorca und besonders Real Madrid. Mit Ronaldo ist er auf du und du, nicht erst seit ihrem gemeinsamen Werbespot. Unter Superstars kennt man sich eben, auch Basel-Fan Roger Federer trifft sich schon mal auf einen Plausch mit Figo, Maradonna oder Beckham. Und Nadal hat nach dem EM-Sieg der Spanier in der Umkleide mit der Mannschaft gefeiert. So macht Fansein natürlich Spaß.

Nadals großer Traum ging im letzten Sommer leider nicht in Erfüllung: Ein Match gegen Federer auf dem Rasen seines geliebten Bernabeu-Stadions vor einer Rekordkulisse von 82.000 Fans. Aber das Knie machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Am Mittwoch soll dagegen nichts schief gehen, auch wenn Nadal ein Fan der Dortmunder Reus, Lewandowski und Götze ist - die spielen halt so schön schnell, wie er ja auch. Dennoch geht die Sympathie nicht so weit, dass er der Klopp-Truppe den Sieg gönnen würde. Mitnichten. Denn seine Geheimwaffen heißen Khedira und Özil. Und dann klappt es auch mit dem spanischen Finale. Es wäre ein kleiner Trost, wenn er schon nicht selber mitspielen darf. Denn wenn sie ehrlich sind, kribbelt die Leidenschaft doch längst in ihren Beinen...

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