Der Tour-Return

Die Gefahr lauert links

Hallo Tennis-Freunde,

Die stärkste Waffe des Titelverteidigers: Petra Kvitova

der Medienrummel behagt Petra Kvitova immer noch nicht so recht, die englische Sprache auch nicht. Zu rasant war der Aufstieg der Weltranglistenzweiten im letzten Jahr verlaufen, sie hatte kaum Zeit, sich an die neue Aufmerksamkeit zu gewöhnen. Und so schaute die 21 Jahre alte Tschechin dann auch am Freitag im Stuttgarter Rathaus mit großen Augen in die Journalistenrunde. Und dabei ist sie es doch, vor der sich das deutsche Team von Barbara Rittner ein wenig fürchten muss.

"Wir können nur hoffen, dass sie nicht ihren besten Tag erwischt", sagte Rittner, "nur dann haben wir eine Chance gegen sie." Es ist ein frommer Wunsch, aber es fügt sich zumindest gut, dass Julia Görges erst im zweiten Einzel gegen Kvitova antreten muss, nachdem Sabine Lisicki gegen Iveta Benesova möglicherweise schon vorgelegt hat. Doch so wirklich rechnen die deutschen Damen nicht mit zwei Siegen gegen Kvitova. Denn derzeit spielt sie einfach in einer anderen Liga. Auch wenn sie schüchtern erklärte: "Es wird schwer für uns. Die Deutschen haben ein gutes Team."

Wie eine Sieg-Garantie

Auf dem Platz jedoch hat sie weniger Hemmungen: Linkshänderin, 1,83m groß, gewaltige Grundschläge und neuerdings mit Zug zum Netz - Kvitova ist der lebendige Albtraum jeder Gegnerin. Ihr Slice-Aufschlag mit links, der sich kaum extremer aus dem Feld drehen könnte, ist ihre Geheimwaffe. Für Martina Navratilova, die 18-malige Grand-Slam-Siegerin ist die Ausgangslage fürs Wochenende klar. "Ich kenne das deutsche Team, es sind gute Spielerinnen", sagte sie, "aber mit einer Spielerin wie Kvitova ist es wie eine hundertprozentige Sieg-Garantie für Tschechien."

Die 54 Jahre alte Navratilova hatte als gebürtige Tschechin den Durchbruch Kvitovas genau verfolgt, als sie vor einem Jahr noch auf Platz 34 der Rangliste stand und dann sensationell Wimbledonsiegerin wurde. Navratilova hatte neunmal auf dem Rasen im All England Club triumphiert, auch als Linkshänderin. Kvitova schaute schon als Kind zu ihr auf, war zu Tränen gerührt, dass sich Navratilova in der Royal Box das Endspiel angeschaut hatte. Sie war der Grund, dass Kvitova in jungen Jahren in einem kleinen Tennisclub im tschechischen Prostejov mit dem Spielen anfing. Erfolgreiche Profis wie Tomas Berdych oder Lucie Safarova trainieren immer noch dort. Das traditionelle Clubleben verschaffte Kvitova viel Spielpraxis, vielleicht mit ein Grund, warum ein Land mit nur zehn Millionen Einwohnern etliche erfolgreiche Spieler über die Jahrzehnte hinweg hervorbrachte.

Geballte Power aus Tschechien

Kvitova heißt nun die neue Hoffnung, und nur wenige zweifeln daran, dass der Triumph von Wimbledon ihr einziger großer Titel bleiben wird. Sie arbeitet konsequent an ihren Schwächen, obwohl die in ihrem Spiel nur schwer auszumachen sind. Eine war jedoch ihre mäßige Beinarbeit, die mit etwas zu viel Gewicht einherging. Doch sie arbeitete hart in der Winterpause, schon bei den Australian Open war ein deutlicher Unterschied sichtbar. Und auch wenn im Halbfinale Maria Scharapowa die Revanche gelang, so überzeugte Kvitova im Turnierverlauf. "Ihre Beinarbeit ist jetzt so viel besser geworden", lobte Navratilova, "sie ist extrem fit und ihre Einstellung einfach fantastisch. Sie ist die geballte Power."

Für die Zeit von Juli bis September im letzten Jahr galt das wohl nicht, denn da gewann Kvitova im Anschluss an Wimbledon nur zwei Matches. Alles kam zu schnell, hatte sie überrollt. Doch sie fing sich wieder und triumphierte beim Saisonabschluss in Istanbul und im Fed-Cup-Finale, das sie fast im Alleingang gewann. Trotz ihres Durchbruchs aber konnte Kvitova die kleinen Hänger noch nicht ganz abstellen, die sie während einer Partie oder in einem Turnier ereilen. "Petra ist ein Serien-Typ", sage Navratilova, "entweder spielt sie lange gut oder lange schlecht. Es ging bei ihr immer nur darum, die schlechte Serie kurz zu halten." Derzeit gelingt Petra Kvitova das ziemlich gut, der deutschen Mannschaft käme ein kleiner Hänger momentan jedoch sehr gelegen.

Viele Grüße aus dem "Ländle",

Eure Petra

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