Der Tour-Return

Diva auf dem Drahtesel

Serena Williams in AktionWir haben ja schon viel gesehen von Serena Williams. Da posiert sie schon mal in einem schrägen Superman-Schlafanzug, oder referiert inbrünstig stundenlang über das Pro und Contra künstlicher Fingernägel. Dann wieder attackiert sie wie eine wild gewordene Furie Linienrichterinnen, die nicht auf ihrer Linie sind, oder liefert zickige Pressekonferenzen mit nebulösem Geschwafel ohne konkreten Bezug auf irgendeine Frage. Bei ihr muss man auf alles gefasst sein, mit anderen Worten: Serena Williams ist eine Diva durch und durch.

An diesem Image hat sie mit Hingabe in den letzten Jahren gefeilt, vielleicht hat es sie sogar mehr Schweiß gekostet, als die Arbeit auf dem Tennisplatz. Abseits des Platzes aber hat Serena Williams bisher selten geschwitzt, das tun übrigens die wenigsten Tennisprofis. Es mag paradox klingen, aber die Mehrzahl der Spieler ist extrem lauffaul. Einen Meter zu Fuß gehen? Warum sollte man, schließlich bringt sie ja der Fahrservice in schicken, klimatisierten Limousinen überall hin. Wirklich überall. Selbst, wenn das Hotel nur 100 Meter von der Anlage entfernt liegt. Und vom Trainingsplatz zur Umkleide laufen? Das soll wohl ein Witz sein, selbstverständlich lässt man sich da mit einem Golfwägelchen kutschieren. Offiziell heißt es dann, sie möchten nur den Fanmassen geschickt aus dem Weg gehen, die ja so geballt auftretend gerne wie eine gemischte Raubtiergruppe daherkommen. Ja, diese Tennisstars haben es wirklich nicht leicht.

"Eines meiner schönsten Erlebnisse überhaupt"

Aber wer hätte gedacht, dass uns Serena Williams noch überraschen könnte? Dass sie die dritte Runde in Miami gegen Ayumi Morita locker gewann, war bestimmt nicht verblüffend - aber dass sie zum Match gegen die Japanerin auf dem Drahtesel anreiste, schon. Spät war Serena Williams an diesem Abend dran, viel zu spät. "Ich dachte, ich würde es nicht mehr pünktlich zu meinem Match schaffen", erklärte sie. Schuld war der schlimme Verkehr in Miami, wer hätte das in der Millionenmetropole auch ahnen können. Eine Stunde brauchte die Konkurrenz für den kurzen Weg zur Anlage, auch Serena Williams wohnte nur acht Minuten entfernt. Aber natürlich ohne Verkehr gemessen.

Guter Rat war also teuer, aber das Hotelpersonal für die Weltranglistenerste zumindest äußerst hilfreich. Serena Williams fragte in ihrer Not nach einem Golfwägelchen, das gab es nicht, aber sie boten ihr ein Motorrad an. "Ich fahre aber kein Motorrad", erwiderte die Diva. Da bot man ihr ein Fahrrad an. "Ich fahre sonst niemals Fahrrad, aber heute mache ich es", sprach sie und radelte los. Es ist nicht überliefert, wie viele Stoppschilder Serena Williams überfuhr oder ob sie dreist ein paar rüstige Rentner vom Gehweg wegklingelte. Fest steht nur, dass sie noch pünktlich zu ihrem Match erschien - und berauscht war von ihrem tollkühnen Drahteselabenteuer. "Mit dem Fahrrad herzufahren, war wohl eines meiner schönsten Erlebnisse überhaupt", jubelte sie. Unklar bleibt jedoch, wie sie ihre beiden Schlägertaschen zur Anlage karrte, wo ihr Drahtesel doch gar keinen Gepäckträger hatte. Vielleicht benutzte sie ja einen Fahrrad-Anhänger. Oder ihr Coach musste ihr die Taschen auf Inline-Skates noch hinterher schleppen. Wozu hat eine Diva schließlich ihre Entourage...

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