Der Tour-Return

Die ärmste Sau von Melbourne

Die erste Woche der Australian Open ist bereits fast vorbei, und sie verging wie im gefühlten Zeitraffer. Oft hätte man sich gewünscht, an mehreren Orten gleichzeitig sein zu können. Bei einer kleinen Armada von 19 deutschen Profis hätte man das auch eigentlich ständig gemusst.

Leider passte das Superhelden-Cape aber nicht mehr in den Koffer. Macht nichts, denn nun ist das Extrem-Court-Hopping der ersten Tage ja auch erst einmal vorbei. Und eine Mohikanerin lässt sich auch locker ohne Superkräfte verfolgen. Und während es in den Umkleiden des Melbourne Parks deutlich überschaubarer und unwuseliger geworden ist, geht draußen die Party munter weiter. Willkommen beim Happy Slam.

Wikinger-Helme wieder im Trend

Über 650.000 Zuschauer strömten im letzten Jahr über die Anlage, der Rekord wird sicher wieder gebrochen. Schon morgens um 10:00 Uhr bevölkern die Tennis-Junkies gut gelaunt und bunt bemalt den Melbourne Park. Kaum eine Nation, die keinen persönlichen, leicht durchgeknallten Fanklub hinter sich herzieht. Wikinger-Helme liegen wieder im Trend, Flaggen als Wickelkleider auch und Tennisball-Mützen sowieso.

Kriegsbemalung gibt es hier frei Haus. Viele tummeln sich erst einmal am Garden Square vor der Videowand, um zu schauen, was drinnen in der Rod-Laver-Arena so los ist. Dann biegt man vielleicht zu den kleinen Außenplätzen ab, vorbei am Bespanner-Stand, wo im Akkord bis Turnierende 40 Kilometer Saite in die Schläger verknotet werden. Dann nimmt man unterwegs noch schnell zwei Kugeln Eis für $6,40 mit, von denen gut 100.000 verkauft werden, und der Tennisspaß kann beginnen. Natürlich immer schön mit Lichtschutzfaktor 50 plus eingecremt und reichlichem Wasservorrat bewaffnet. Hitze ist schließlich relativ und in Melbourne ist man selbst bei schattigen 20 Grad akut Sonnenbrand gefährdet. Ozonloch sei dank.

"Augencheck" vor dem Bier-Verkauf

Meistens ist es aber noch deutlich molliger, und da ist dann schnell richtige Abkühlung fällig. Wie gut, dass es inzwischen das "Grand Slam Oval" gibt, die Erwachsenen-Spielwiese fürs Partyvolk. Endlich wurde die riesige Fläche zwischen den beiden Hauptstadien mal sinnvoll genutzt. Wer sich hier vergnügen will, muss zwar erst einmal geduldig Schlange stehen, aber das kann zwischen anderen Verrückten ja auch ganz lustig sein.

Zur Belohnung gibt es dann Konzerte von Live-Bands, die auf unserem Teil des Planeten zwar kein Mensch kennt, die aber trotzdem Laune machen und natürlich Export-Bier bis zum Abwinken. Das heißt, es wurden im letzten Jahr zwar 80.000 Flaschen Heinecken verkauft, doch nun ist man im Oval streng geworden: Jeder, der sich am Bierstand anstellen will, muss erst mal den "Augencheck" bestehen.

Der Typ im Geldautomatenkostüm...

Also, Sonnenbrille ab und dem Sicherheitsmann tief in die Augen schauen. Sehen diese bereits nach destilliertem Delirium aus, fliegt man raus. Ansonsten darf der nächste Becher Gerstensaft geordert werden. Und wer ganz clever ist, der schickt eben jemand anderen zum Bierholen vor. Einen, der noch stocknüchtern ist. Auch wenn der schwer zu finden ist. Aber es ist ja der Happy Slam, also Party on bis der Arzt kommt.

Und während sich die Fans ausgiebig amüsieren, sorgen 4500 fleißige Helfer dafür, dass alles reibungslos läuft. Müll wegräumen, Platz anweisen, Sonnencreme verkaufen, Türen bewachen. Und als wir und noch fragen, wer hier wohl die ärmste Sau auf der Anlage ist, haben wir sie bereits entdeckt: Der Typ im Geldautomatenkostüm, bei 32 Grad im Schatten. Und viel Spaß noch beim Studium...

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