Der Tour-Return

Chapeau, Ladies!

Das Fed-Cup-Duell der deustchen Damen wäre der Moment gewesen, nicht nur aus der Ferne gute Wünsche zu übermitteln - man hätte mit Anwesenheit demonstrieren müssen, dass es nicht nur leere Worte sind.

Am Freitagvormittag war mächtig viel los auf dem Bremer Marktplatz. Dunkle Limousinen fuhren vor, teils mit Blaulicht. Herren im Frack stiegen aus, dazu etliche Sicherheitsleute. Mehr als 200 Frackträger wurden es, DTB-Präsident Karl-Georg Altenburg war einer von ihnen.

Auch er war zu Gast bei der 469. Schaffermahlzeit, einer der ältesten Traditionen zwischen der Bremischen Schifffahrt und den Kaufleuten. Heute kommen vor allem Größen aus Wirtschaft und Politik zu diesem illustren Mahl, an dem man nur einmal teilnehmen darf.

Ein paar hundert Schaulustige hatten sich auf dem Marktplatz eingefunden, dazu etwa 500 Frauen - sie trugen ebenfalls Frack. Sie protestieren, denn Frauen sind von jeher von der Schaffermahlzeit ausgeschlossen. Obwohl sie längst Kapitäninnen sind oder in Chefetagen von Großkonzernen sitzen, hier sind sie konsequent unerwünscht. Die wichtigen Herren klüngeln beim Treffen der Elite lieber unter sich, netzwerken ohne das weibliche Geschlecht. Tradition von gestern eben.

Auch der DTB-Präsident soll die Männer-Gesellschaft sehr genossen haben, und Karl-Georg Altenburg hätte wohl kaum besser demonstrieren können, dass Frauen für ihn nicht unbedingt die erste Priorität haben - denn er nahm lieber am Brudermahl teil, als die deutschen Damen bei ihrer "Mission Wiederaufstieg" in Limoges zu unterstützen.

Natürlich lässt sich in der altehrwürdigen Oberen Halle des Bremer Rathauses zwischen Stockfisch und edlen Weinen sehr viel angenehmer die Nationalhymne schmettern, als in einer kleinen, umgebauten Basketballhalle in der französischen Provinz. Doch gerade dort wäre Flagge zeigen besonders wichtig gewesen. Gerade jetzt, nach dem 0:5 der Herren in Argentinien und dem turbulenten letzten Jahr, bei dem auch das Ansehen der Führungsspitze des DTB gelitten hatte.

Es wäre der Moment gewesen, nicht nur aus der Ferne gute Wünsche zu übermitteln - man hätte mit Anwesenheit demonstrieren müssen, dass es nicht nur leere Worte sind.

Die Mutter des Erfolgs

Die deutschen Ladies um Bundestrainerin Barbara Rittner aber reagierten, wie man es tun musste: mit Gleichmut und einem fabelhaften Auftritt gegen die Französinnen. Der erste Schritt zur Rückkehr in die Weltgruppe I ist somit geschafft. Eine Niederlage wäre der Gau gewesen, doch wo andere Teamchefs in vergleichbarer Situation um ihre Zukunft hätten zittern müssen, stand Rittner zu Recht nicht infrage.

In ihrer fast neunjährigen Amtszeit ist sie zur wertvollen Wegbereiterin des Erfolgs geworden: immer mit klarer Linie, deutlich in ihrer Ansprache, aber immer verbindend. Streitereien werden intern geregelt, nachtragend ist die Chefin nicht. Rittner ist die Mutter der Kompanie, schon von Jugend an scharen sich die Spielerinnen des Fed-Cup-Teams um sie. Sie ist Vertraute, Ratgeberin, Kritikerin. Manchmal scheint diese enge Rolle ein Drahtseilakt, doch bisher meistert ihn Rittner gut.

Dass sie von Anfang an auf Petkovic, Görges, Kerber, Lisicki und Co. gesetzt hat, zahlen diese Rittner nun treu mit ihren Zusagen für den Fed Cup zurück. Sogar jetzt, obwohl der Termin überhaupt nicht passte, der Sandbelag schon gar nicht und die Anreise nach Limoges lästig war - und die zweite Liga dazu wenig verlockend. Aber: alle wollten spielen. Sogar Görges trat an trotz Magen-Darm-Virus, keine Frage. Eine für alle eben. Der Teamgeist der deutschen Ladies ist gewachsen, nicht gestellt. Sie möchten den Fed Cup unbedingt mal gewinnen, und das zeigen sie deutlich.

Barthel im Abseits

Mona Barthel bildet da wohl eine Ausnahme, die einzige bisher. Und mit ihrem Solo manövrierte sich Barthel selbst ins Abseits. Das Team hängen zu lassen, als sich auch noch Kerber verletzte, hinterließ einen faden Beigeschmack. Wenn alle fit sind und dann mal wieder ein Heimspiel in der Weltgruppe ansteht, wird Rittner Barthel sicherlich nicht spielen lassen.

Nicht als Bestrafung für sie, sondern als Belohnung für diejenigen, die in der Not zur Stelle waren. Dass die deutsche Mannschaft in die Weltgruppe I gehört, steht außer Frage. Mittlerweile hat sie an Reife und Erfahrung gewonnen, und so wird sich die Geduld und das Vertrauen, das Rittner in ihre Truppe von jeher gesetzt hat, früher oder später auszahlen. Der DTB-Präsident wird dann sicher auch wieder auf der Tribüne sitzen. Aber in guten Zeiten zu klatschen, ist ja auch keine Kunst.

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