Der Tour-Return

Bella Italia in Paris!

Hallo aus Paris,

Allen Grund zur Freude: Sara Errani

Sara Errani musste lachen, obwohl ihr die Tränen übers Gesicht liefen. Die kleine Italienerin reckte die Fäuste, als bei der Siegerehrung auf dem Court Philippe Chatrier per Lautsprecher Maria Scharapowa als Finalistin, also als die Verliererin, angekündigt wurde. Ein kleiner Irrtum, leider nicht mehr. Es wäre ja auch zu schön gewesen für Errani. Denn tatsächlich war die Italienerin trotz ihres großen Kämpferherzens weit entfernt von ihrem ersten Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier.

Trotzdem ist Errani mit Sicherheit eine der großen Überraschungen dieser French Open, und eine erfrischende dazu. Dem breiten Publikum war sie bisher weitgehend unbekannt gewesen, auch wenn sie schon in Melbourne ins Viertelfinale vordrang. Aber vorher? Errani hatte immer ganz passabel gespielt und stand unter den Top 50, doch ihre Entwicklung stagnierte. Sie war eben eine von vielen auf der Damentour. Zum Saisonbeginn aber, da fiel so etwas wie ein neuer Startschuss für ihre Karriere. Auf einmal ging es steil bergauf. Was sich verändert hatte? "Zwei Zentimeter", erzählte Errani lachend. Das Schlägermodell hatte sie gewechselt, sich sogar für 30.000 Dollar aus ihrem alten Vertrag herausgekauft. Und nun spielt sie mit einem Racket, dessen Griff eben um diese wenigen Zentimeter länger ist. Doch die Wirkung ist umso größer. "Ich habe jetzt mehr Power", sagte sie, "manche haben längere Arme - ich brauche eben den längeren Schläger." Nur 1,64m ist sie groß, aber eine kompakte, quirlige Kämpferin mit Spielwitz.

Der Knoten ist geplatzt

Angelique Kerber hatte das im Viertelfinale zu spüren bekommen. Auf Sand war in dieser Saison niemand besser als Errani, drei Titel gewann sie und mit der Kraft wuchs auch endlich ihr Selbstvertrauen. Auf Rang 24 war sie bereits vorgeprescht, ab Montag ist sie erstmals die Nummer zehn der Welt. "Ich fühle mich gar nicht wie Top Ten", sagte sie und lachte schon wieder, "ich habe nie gedacht, dass ich starke Spielerinnen schlagen kann. Jetzt muss ich wohl umdenken." Das muss sie wohl. Mit Ana Ivanovic und Swetlana Kusnezowa hatte Errani zwei ehemalige Paris-Champions aus dem Weg geräumt, und ihr Sieg gegen Kerber war ihr erster gegen eine Spielerin der besten Zehn - nach zuvor 28 Niederlagen. Der Knoten scheint endgültig geplatzt.

Und fast hätte es sogar zum ganz großen Coup gereicht, wie bei Francesca Schiavone vor zwei Jahren in Roland Garros. Die hatte als erste Italienerin überhaupt einen Grand Slam gewonnen, und das mit fast 30 Jahren. Errani hat mit ihren 25 Jahren also noch ein bisschen Zeit für den nächsten Anlauf. Auch wenn sie selbst schon mal bremst und sagt: "Man sollte jetzt nicht erwarten, dass ich jede Woche irgendwo im Finale stehe..."

"Ich würde niemals wegziehen!"

Doch eine Siegertrophäe durfte sie dennoch aus Paris mitnehmen, denn an der Seite von Roberta Vinci gewann sie die Doppelkonkurrenz. Und die viele erfolgreiche Doppelspielerei der letzten Zeit ist an ihrem jüngsten Aufschwung wohl auch nicht ganz unschuldig.

Bei ihr zuhause wird ohnehin schon seit Tagen nur noch gefeiert, ganz Massa Lombardo steht Kopf. Denn auch im beschaulichen 8.000-Seelen-Nest in der Nähe von Bologna hatte wohl niemand vermutet, dass ihre kleine Sara beim größten Sandplatzturnier der Welt so furios mitmischen würde. Und nun sind alle mächtig stolz auf sie. Aber nicht nur deshalb schwärmt sie: "Ich würde dort niemals wegziehen!"

Au revoir aus Paris,

Eure Petra

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