Thilo Komma-Pöllath

Peinlicher Minderwertigkeitskomplex

Guardiola peppt die Bundesliga aufLiebe Fußballfreunde,

was war das für ein spektakulärer Rückrunden-Start! Gut, vom gespielten Fußball hat keiner geschrieben, geschweige denn gesprochen. Ergebnisse, Tabelle, Meisterschaft und Abstieg scheinen ab sofort Nebensache, seit die Bayern bekanntgegeben haben, wer sie ab Sommer trainieren wird: der spanische Zauberkünstler Pep Guardiola. Eine ganze Liga ist seitdem im Ausnahmezustand, die Aufgeregtheiten des hiesigen Fußballbetriebs haben noch einmal eine neue Dimension erreicht. Die Frage bleibt: warum eigentlich?

Der gute Jupp - wieder gedemütigt

Von Jupp Heynckes spricht ab sofort sowieso niemand mehr, auch wenn Uli Hoeneß noch überschwenglich formuliert, dass Heynckes "seine vielleicht beste Saison als Trainer" absolviere. Warum wird er dann ersetzt? Tatsache ist: Der gute Jupp wurde von den Bayern und seinem Duz-Freund Uli ein zweites Mal nach seiner Entlassung 1991 gedemütigt: der lancierte freiwillige Abschied war mitnichten einer, er passte aber besser zur Legende des ehrbaren Ritters, der die Bundesliga aus ihrem Dornröschen-Schlaf erweckt und die Bayern endgültig zum Ikonenklub kürt.

Die Bundesliga will Weltspitze sein und geriert sich wie ein Dorffest

Die Fußball-Bundesliga erinnert, mit Verlaub, ein wenig an den sogenannten Schauspieler Till Schweiger: der will auch immer Weltstar sein, aber wenn der FC Hollywood ihn mal besetzt ("Inglourious Basterds"), dann hat er keine einzige Zeile Text. Die Sehnsucht der Bundesliga, ein Markenprofil der Weltspitze zu generieren, etwa wie die englische Premier League oder die diversen amerikanischen Profiligen, ist so groß, dass die DFL selbst auf ihren jahrelang polierten Minderwertigkeitskomplex reinfällt, wenn sie ständig von "der stärksten Liga der Welt" fabuliert. Der Spiegel schrieb zum Pep-Transfer süffisant: "Erste Stellungnahmen von Vertretern der Bundesliga klangen stolz und nervös, als käme ein Hollywoodstar zu Besuch auf ihr Dorffest."

Die DFL auf den Spuren von Monty Pyton - Nonsens ja, leider ungewollt

Dabei geht es gar nicht um das faktische Gewicht der Bundesliga, das ist zweifelsohne vorhanden, was Vermarktung, Stadien, Klub-Potenziale und sportliche Erfolge angeht. Vielmehr irritiert die provinzielle Denke der Liga-Vorderen. Nur ein Beispiel: Als Luca Toni und Franck Ribéry vor Jahren bei den Bayern anheuerten, gab es hierzulande eine tatsächlich ernsthafte Diskussion darüber, ob die beiden jetzt echte Weltstars sind oder doch "nur" internationales Format besitzen. Das, was da ganz ernst gemeint zu lesen war, erinnerte in seiner ganzen Nonsens-Haftigkeit an Monty Python und "Fawlty Towers". Als wäre die Bundesliga nur dann Weltspitze, wenn sich auch Weltstars anheuern lassen würden. Und überhaupt: Was soll das sein, ein Weltstar? Rauball, Peters oder Bruchhagen sind mutmaßlich eher keine.

Die Verpflichtung Guardiolas ist ein wichtiges Zeichen für die Liga-Azubis

Und jetzt also der einzig echte wahre Weltstar des Fußballs neben Messi und Ronaldo, der tatsächlich die Bundesliga beehrt. Nominell der erste in 50 Jahren. Was nun endgültig als Beweis herhalten muss, dass die Bundesliga allen anderen Ligen den Rang ablaufen wird. Aber vielleicht ist DFL & Co. ja aufgefallen, dass Guardiola vor allem deshalb nach München kommt, weil der FC Bayern ein Ausbildungsbetrieb ist, der mehr und mehr seine Nachwuchsspieler in den Profi-Kader zu integrieren gedenkt. Das war nicht immer so, aber mit Sammer und Guardiola hat der Münchner Junioren-Kicker ab sofort zwei Fürsprecher, die mächtiger nicht sein könnten. Die Bundesliga ist klasse, weil sie im Gegensatz zur Scheich- und Oligarchen-verminten Konkurrenz ihre Fachkräfte noch selbst heranzieht. Das hat Guardiola erkannt. Allein deshalb ist er ein Star, ein Weltstar.

Eine spannende Rückrunde wünscht,

Ihr Thilo Komma-Pöllath

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