Thilo Komma-Pöllath

Motzkis Weltbild

Liebe Fußballfreunde,

der FC Bayern sonnt sich ja schon seit geraumer Zeit gehörig im eigenen Antlitz. Wer sollte es ihnen verdenken, bei der Tabellensituation, die der eigenen Hybris endlich wieder genug Futter gibt. Keiner weit und breit, der ihnen irgendwie auch nur annähernd das Wasser reichen kann. Die Stimmung könnte also gelöster kaum sein, es sei denn, man hält sich für viel Geld einen, der einem mit seiner notorischen Nörgelei und Besserwisserei permanent auf die Nerven geht. Beim FC Bayern hat man dafür Matthias Sammer, Spitzname: Motzki.

Heynckes und Sammer - wie zwei unterschiedliche Socken!

Nach dem 2:0-Arbeitssieg in Stuttgart, der endgültig klar machte, dass die Münchner nicht gewillt sind durch leichtsinnige Ausrutscher überhaupt erst eine Diskussion an ihrer nationalen Vormachtstellung aufkommen zu lassen, moserte Sammer wieder an allem rum, was sich nicht wehren konnte: die Vorbereitung ("zu leicht"), die letzten Gegner (Fürth, Stuttgart), die unzufriedenen Edelreservisten Gomez und Robben ("Ich will überhaupt nichts hören").

Noch bestens in Erinnerung ist der Disput zwischen Sammer und Heynckes vom Oktober, als Sammer nach der Champions-League-Niederlage bei Bate Borissow die Mannschaft öffentlich kritisiert hatte ("Wir waren nicht gallig genug"), während der eigentlich sportlich Verantwortliche, nämlich Heynckes, sich von seinem Sportdirektor auf die Füße getreten sah ("Das ist Populismus"). Zuletzt war es, auf Geheiß vom großen Vorsitzenden KHR, deutlich ruhiger geworden. Doch eines ist seit Monaten offensichtlich: Heynckes und Sammer passen so gut zusammen wie zwei vertauschte Socken.

Kritik allenthalben

Hinter der Hand und immer dann, wenn alle Mikrofone abgeschaltet sind, regt sich offenbar der Widerstand aus dem Umfeld von Trainer und Spieler. Die Mannschaft sei genervt vom ewigen Herumnörgeler Sammer, heißt es aus Kreisen des Teams - und nicht nur dem Teil der Reservisten. Nie könne man ihm etwas recht machen, ob im Spiel oder am Tabellenstand. Selbst nach einem perfekten Spiel finde er immer noch etwas oder jemanden, den er kritisiere. Soweit die Gemengenlage Spieler - Sammer.

Mindestens ebenso groß ist aber wohl auch Heynckes' Unverständnis mit Blick auf seinen Sportdirektor, dem er vorwirft, die gute Stimmung zwischen Mannschaft und Trainer zu konterkarieren. Heynckes‘ Zögern, einer sofortigen Vertragsverlängerung um ein weiteres Jahr zuzustimmen, lag offenbar hauptsächlich an der Personalie Sammer, wird kolportiert. Als die Klubvorderen ihm, also Heynckes, klar machten, dass an Sammer in den kommenden Jahren beim FC Bayern kein Weg vorbeiführen würde, suchte man sich kurzerhand einen Trainer, dem sie derartige Sensibilitäten nicht zutrauen: Pep Guardiola. Wenn sie sich da mal nicht irren...

Pep und Motzki - Alpha-Tiere im FC Haifischbecken

Der schöne Pep und der mosernde Motzki - ungleicher könnte ein Führungsduo im internationalen Fußball kaum sein. Während Guardiola sich als Kumpane der Spieler begreift, einer der sie herzt und umarmt und so bessermachen und mitnehmen will nach ganz oben, hat der Ostdeutsche Sammer sein ihm eigenes Klassenbewusstsein entwickelt: mit dem Zeigefinger immer von oben herab.

Aber vielleicht versteht der Katalane Guardiola ja nicht immer alles, was der Sachse Sammer in seinem etwas gespreizten CEO-Duktus so von sich gibt. Ansonsten darf man gespannt sein auf das Aufeinanderprallen zweier Alpha-Männchen aus unterschiedlichsten Welten im Haifischbecken des FCB.

Eine schöne Fußball-Woche wünscht,

Thilo Komma-Pöllath

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