Thilo Komma-Pöllath

Die langweiligste Saison aller Zeiten

Augen zu und durch (Arjen Robben)Liebe Fußball-Freunde,

die Bundesliga hält sich ja gerne für die beste und stärkste, weil ausgeglichenste Liga der Welt. In Deutschland sei es eben nicht so wie in der Premier League, der Serie A oder in Spanien, wo immer nur ManU oder Chelsea, Milan oder Juve, Barca oder Real Meister werden können. Die Bandbreite gleichstarker Mannschaften sei hierzulande viel größer als im Rest Fußballeuropas, sonst wären Wolfsburg oder noch früher Kaiserslautern gar nicht erst möglich gewesen. Und dazu sind wir auch noch wirtschaftlich seriöser. So das Eigenmarketing, das längst zur verkaufsfördernden Folklore mutiert ist.

Die Bundesliga ist so langweilig wie seit Jahren nicht mehr

In dieser Saison sieht das alles ein bisschen anders aus. Die Liga ist so langweilig wie seit Jahren nicht mehr. Die Meisterschaft ist seit der Winterpause entschieden, die Abstiegskandidaten stehen ebenfalls schon lange fest, lediglich die Frage nach den Europa League-Plätzen ist noch ernsthaft zu beantworten. Gäbe es in der Wochenmitte nicht ein bisschen Champions League-Abwechslung, könnte man die Spielzeit getrost in die Tonne kloppen. Wenn der TATORT seine Verdächtigen derart früh als Täter offenbaren würde, würde kein Mensch mehr gucken. Maria Furtwängler hin oder her. Der Spannungsbogen der Liga ist nahe null.

Zeit, um mit einer Mär aufzuräumen: Wir sind nicht besser als die anderen

Vielleicht ist es an dieser Stelle einmal Zeit mit einer alten Mär aufzuräumen: Wir sind nicht besser, wir sind auch nicht verlässlicher als andere Ligen. Ein Großteil der Klubs ist auch in Deutschland verschuldet. Allein Schalke 04 drücken immer noch Verbindlichkeiten von 170 Mio. Euro, Ligaweit wird von einer halben Milliarde gemunkelt. So genau weiß das keiner. Eine transparente Konzernbilanz legt kaum ein Klub vor, aus der auch Schulden abzulesen wären. Wirtschaftsprofessoren bemängeln eine "unzeitgemäße Bilanzierung", welche das DFL-Lizenzverfahren ad absurdum führe. Mit den Fingern auf andere zu zeigen funktioniert nur deshalb, weil es in Italien und Spanien noch schlimmer zu geht. Schlimm ist es aber auch bei uns.

Ist die stärkste Liga der Welt nur eine Mogelpackung?

Noch hat das Produkt Bundesliga keinen Schaden genommen. Die Stadien sind voll, die Spiele sind ausverkauft, Eintritts-, Merchandising-, Bier & Würstelpreise steigen. Auch dieses Idyll, wonach die Ticket-Preise in der Bundesliga die mit Abstand günstigsten sind, dürfte angesichts der Euro-Krise in Spanien und Italien und drückender Rezession in England bald erledigt haben (in Italien ist es schon jetzt nicht mehr so). Die Deutschen dagegen haben den Konsum um jeden Preis entdeckt: weil sie es als einzige in einer kriselnden (westlichen) Welt noch können. Marke um jeden Preis, auch wenn der Preis nicht hält, was er verspricht: da geht es Bundesliga nicht anders als H&M oder Media Markt. Noch verkauft sich die Liga gut, auch wenn das Produkt lange nicht mehr so schwachbrüstig daherkam. Das mag eine Spielzeit lang gut gehen, aber wenn Bayern immer mit 15 Punkten Vorsprung Meister wird, dann ist die beste und stärkste, weil ausgeglichenste Liga der Welt, eine ziemliche Mogelpackung.

Thilo Komma-Pöllath

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