Thilo Komma-Pöllath

Darum sind die Bayern wieder Spitze

Liebe Fußballfreunde,

so kurz vor Weihnachten habe ich beschlossen, endlich meinen tief verwurzelten Bayern-Hass aufzugeben.

Das wird einen Großteil meiner werten Kommentatoren freuen, die mir diesen seit langem unterstellen.

Angesichts des aktuellen Tabellenbildes macht es ja auch gar keinen Sinn mehr, den größten Fußballverein, den dieses Landes je gesehen hat, weiter zu verunglimpfen.

Die totale Lubhudelei also, jetzt hier zum Mitschreiben (nie gedacht, dass ich den folgenden Satz mal sagen würde): Die Bayern sind die Besten! Und selbst wenn sie mal nicht die Besten sind, sind sie natürlich trotzdem die Besten: rückblickend betrachtet, vorausschauend vermutet, als Erfindung, Mythos, Legende und Kicker-Poster irgendwie sowieso.

Und selbstredend: in dieser Saison wird niemand anderes Deutscher Meister als der grundsympathische FC Rummeniggehoeness.

These: Die Bayern sind einfach schneller

Was vielleicht noch nicht ausreichend diskutiert wurde, aber auffällig ist: Die Bayern sind aktuell besser als letzte Saison. Im Spiel gegen Dortmund fiel das besonders auf, obwohl das Ergebnis (1:1) ja eher unauffällig schien.

These: Die Bayern spielen schneller als im letzten Jahr, direkter, vertikaler. Im Spiel gegen Dortmund erarbeiteten sich die Münchner immer dann große Möglichkeiten, wenn sie das Systemspiel des BVB kopierten und noch ein paar PS drauflegten. Der schnelle Pass von Kroos in die Tiefe oder auf Außen, Müller über rechts, Ribéry/Alaba über links - das war stellenweise in seiner Klarheit stringenter als bei Dortmund. Und ganz sicher besser als derzeit bei Real, ManU,  Chelsea oder Juve.

Nur in der Mitte vor dem Tor steht ein Problem: Mandzukic wirkt trotz seiner Tore eher harmlos, Pizarro zu unernst und ob Gomez das Dauerbashing des abgelaufenen Jahres mental überstanden und mit noch mehr Toren beantworten kann, ist bis dato zumindest fraglich. Sind die Bayern also schon wieder wer? Raus aus der Mentalkrise nach den zweiten Plätzen der Vorjahre? Der Trend ist eindeutig: Ja, sind sie!

Die schnellen Bayern: Warum hat sich Heynckes so lange Zeit gelassen?

Also: Woher der Sinneswandel, dass Ballbesitz allein kein Wert für sich ist, wenn man nicht in Sekundenschnelle vor dem Strafraum des Gegners in den sechsten Gang schalten kann? Ist tatsächlich Spiel- und Systemerneurer Sammer dafür verantwortlich, dass die Bayern überraschend modern spielen (was ihnen eigentlich gar nicht liegt) und an guten Tagen die Systeme des BVB (vertikales Spiel) und von Barca (Ballbesitz) in ihrem Spiel zusammenführen?

Wohlgemerkt: noch nur an guten Tagen und davon muss es noch viele mehr geben, will man in den kommenden Jahren auch in der Champions League das ganz große Ding landen. Trotzdem gilt: Ich habe die Bayern an ihren guten Tagen lange nicht mehr so gut gesehen und ich frage mich, warum Heynckes sich damit so lange Zeit gelassen hat? Und wenn Heynckes den Schalter nicht umgelegt hat, dann muss man zumindest konzidieren, dass das Duo Heynckes/Sammer sich in den letzten Wochen zu einer sich gegenseitig befruchtenden Arbeitsgemeinschaft gefunden hat.

Leverkusen heute wie die Bayern von früher

Die Bayern also im neuen Gewand und dafür Bayer wie die Bayern, wie sie einmal waren. Die Vizekusener, also da, wo sie genuin hingehören: auf Platz 2. Das hätte ihnen vor der Saison keiner zugetraut, aber da kann man mal sehen, was möglich ist, wenn einem ein Michael Ballack nicht ständig auf den Füßen herumsteigt.

Nicht dass die Leverkusener durch die Bank großartige Spiele gezeigt hätten - eher das Gegenteil ist der Fall. Das 1:0 gegen Nürnberg zuletzt oder das 2:1 in Hoffenheim, das war alles nicht berauschend, wurde aber trotzdem gewonnen. Das läßt eine Siegermentalität erahnen, die früher die 1:0-Duselbayern ausgezeichnet hat aber ganz sich nicht den Bayer-Klub.

Und zwangsläufig stellt sich die Frage, ob die Doppelspitze Lewandowski/Hyypiä mehr ist als die oft gemutmaßte Verlegenheitslösung. Vielmehr eine echte Alternative von zwei Berserkern, die nichts mehr hassen als zu verlieren und deswegen das gewohnt schöne Spiel des Klubs in effizienten Konterfußball umgebaut haben. Um es mit Gonzalo Castro zu sagen: "Wir gewinnen jetzt die Schweinespiele!" Darauf hatten viele Jahre lang gerade die Bayern ein Patent.

Tempo-Bayern im Schongang zum Titel

Nicht dass wir uns falsch verstehen: Leverkusen wird in der Rückrunde keine große Rolle  spielen in Sachen Meisterschaft: Die Kopie ist selten besser als das Original. Und so gut wie die neuen Tempo-Bayern gerade drauf sind, schaukeln die die Meisterschaft auch im Schongang nach Hause.

"Efficent Dynamics" heißt das bei BMW, noch so ein schneller bayerischer Mythos.

Einen tollen Spieltag wünscht,

Thilo Komma-Pöllath

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