Thilo Komma-Pöllath

Nichts als die brutale Wahrheit!

Schmerzhafte WahrheitenLiebe Fußballfreunde,

früher wurden Thesen, die die Welt veränderten, an eine Kirchentür in Wittenberg geschlagen, heute stehen sie bei Eurosport im Netz. Das mag nicht jedem gefallen, ist aber so. Wer nicht bis zum Mai 2013 warten will, um endlich alle Wahrheiten der laufenden Saison zu kennen, dem empfehle ich die Lektüre der folgenden 18 Thesen. Anders als in der kirchlichen Dogmatik ist in der kickenden die Widerrede schmerzhaft willkommen.

Bayern an der Macht, Dortmund am Drücker

1 FC Bayern: Die Münchner sind am Ende des Jahres also wieder die größte Macht im deutschen Fußball. Es wird der erste Titel nach drei Jahren. Die Bayern sind ein bisschen wie Darth Vader: Die Macht ist mit Ihnen. Nur zweifeln sie, ob das auf ewig so bleiben wird, wie es in den Allgemeinen Betriebsbestimmungen der FC Bayern München AG festbetoniert wurde. Was heißt das schon, der Beste, wenn man den größten Rivalen nicht mehr besiegen kann. Dem FCB droht an der Machtspitze eine Sinnkrise.

2 Leverkusen: Super-Retortenklub 1. Mit ihrer Doppelspitze Lewandowski/Hyypiä ziemlich innovativ und erstaunlich erfolgreich. So etwas wie die Grünen des deutschen Bundesfußballs, wenn nicht ständig die Bayer-Schlote die Luft der Stadt verpesten würden. Lewandowski/Hyypiä sind zwei richtige gute, will sagen charismatische Typen, die dem Klub endlich Seele einhauchen. Aber ich fürchte mehr als Platz zwei ist bis 2028 einfach nicht drin. Vizekusen ist in der DNA des Vereins festgeschrieben. Die Frage ist: Warum will man immer nur Zweiter sein?

3 Dortmund: Wenn die Bayern Darth Vader sind, dann ist der BVB Wyatt Earp. Sie treffen einfach besser im direkten Duell. Die beste Adrenalin-Mannschaft des Jahres. Es muss sofort um was gehen, Auge um Auge, Zahn um Zahn. Egal ob DFB-Pokal oder Champions League. Lieber Manchester, Amsterdam oder Real auseinander nehmen als sich mit dem Liga-Gesindel herumschlagen. Wie oft sollen sie noch beweisen, dass ihre Spielkultur der der anderen weit überlegen ist? Muss man den Klopp-Kickern den Triumph in beiden Pokalwettbewerben zutrauen? Könnte passieren! Spätestens dann dürfte sich Darth Vader endgültig um seine Macht gebracht sehen und sich bei Müller-Wohlfahrt auf die Couch legen.

Frankfurt, Freiburg, Mainz: Die jungen Wilden möbeln die Liga auf

4 Frankfurt: Meine Lieblingsmannschaft der Hinrunde. Gutes Beispiel dafür, dass es von Vorteil ist, wenn eine Diva solide wird. Solide habe ich gesagt, nicht spießig. Nicht dass man ihr deswegen 2013 viel zutrauen muss. Die Eintracht ist gelebter Irrsinn. Ihr ist auch gut zuzutrauen, dass sie in der Rückrunde kein Spiel mehr gewinnt. Weil sie wieder einmal mehr über sich selber herfällt als über den Gegner. Liegt's am bayerisch-schwäbischen Zuchtmeister Veh, der weiß, wie man mit zickigen Weibsbildern umgeht? Mein Lieblingsoffensiver der Hinserie: Alex Meier. Nur Ibrahimovic ist noch größer!

5 Freiburg: Wo gibt es heute noch Typen, die sagen was sie denken? In der Bundesliga jedenfalls nicht. Stimmt natürlich nicht ganz. Christian Streich! Das größte ungehorsame Charakterereignis dieser imageglattgebügelten Liga seit, sagen wir, Paul Breitner für Mao schwärmte. Allein deshalb mein Trainer des Jahres. Und wenn sie nicht aufpassen auf Schalke oder in Gladbach, dann spielt Freiburg nächste Saison in Europa. Christian Streich im feinen Zwirn am Spielfeldrand - unvorstellbar? Geht nicht? Und genau deshalb mein ganz großer Neujahrs-Wunsch.

6 Mainz: Thomas Tuchel Superstar. Die Medien lieben ihn, die Klubchefs auch, es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieser Hochtalentierte der zweite Kloppo wird. Wobei: dessen Potential dürfte er dafür kaum erreichen. Aber wer weiß: der weise Heynckes, 67, hat vom Bayern-Theater vielleicht irgendwann die Nase voll und weil Kloppo den Münchnern seit langem eine Nase dreht, erfinden Hoeneß und Rummenigge die Liga, den Fußball und das Spiel kurzerhand wieder einmal neu: mit Tuchel als klinsmannsches Software-Update. Bis es soweit ist, spielt Tuchel mit Mainz dieses Jahr so wie letztes Jahr und das Jahr davor. Wie immer das war.

Wir wissen es doch schon lange: Schalke ist untrainierbar!

7 Schalke: Hat irgendjemand je behauptet, dass Schalke 04 auch nur irgendwie erfolgreich trainierbar ist? Wenn Frankfurt eine Diva ist, dann ist Schalke die Schlampe der Liga. Und wie erzieht man eine Schlampe? Wissen Sie nicht? Ich auch nicht! Ein Jammer! Denn mit Christian Fuchs haben sie einen der anständigsten Profis der gesamten Liga in ihren Reihen. Aber keine Sorge: Europa League geht immer.

8 Gladbach: Uns Deutschen wird ja gerne nachgesagt, dass wir frankophob seien. Die Merkel mag schließlich den Hollande auch nicht. Stimmt natürlich auch und doch: der putzige Lucien Favre wird sehr gemocht. Er spricht ja auch nur wie ein Froschschenkelfresser, er ist natürlich in allerbester Schweizer Diskretion: Schweizer. Und denen vertrauen wir immerhin unsere größten Blue Chips an: Ackermann/Deutsche Bank, Hitzfeld/Bayern München, Kurt Felix/Verstehen Sie Spass? - Favre kann in diesem Land noch alles werden. Sogar Deutscher Meister!

9 Stuttgart: Meine Lieblingswutrede der Hinserie. Dabei hat Bruno Labbadia auch das Wort "Arsch" in den Mund genommen. Respekt! Mutig! Wen und was er damit genau gemeint hat, ist immer noch ziemlich unklar. Mutmaßlich seine Kritiker, die Journalisten, wen sonst. Merke Bruno: Wutrede super, aber dann muss immer klar sein, wen die Wut treffen soll. Mein Tipp: Einen Wutredenschreiber anheuern. Am besten aber nicht den von Jogi Löw. Ansonsten sind die Stuttgarter eine Mannschaft, die spielt manchmal ganz ok und manchmal ziemlich grottig. Wer da Fan sein will, kann keine Hobbies haben.

Warum die Liga Düsseldorf braucht und Wolfsburg kein Mensch

10 Hamburg: Wenn es eine Stadt gibt in Deutschland, die ihren Fußballklub nicht verdient hat, dann Hamburg. Die Stadt ist Weltklasse. Und der HSV? Naja, in Sachen Mittelmäßigkeit ist der HSV schon auch wieder Spitze. Nur das Anspruchsverhalten ist eben ein anderes. Insofern passt der Sportverein ja auch wieder supi gut zu Hamburg: Der HSV ist die fleischgewordene Elbphilharmonie: immens teuer, immens egomanisch und wegen der vielen Pfiffe ist die Akkustik auch noch schlecht. Aber zumindest hat Hamburg die allerdollste Spielerfrau, Frau SvV., die vom unglücklichen Rasengeschehen immer ein wenig ablenkt. Sylvie vor President!

11 Hannover: 96 kann sich nicht entscheiden, ob es großes Kino in Cinemascope sein will. Oder doch lieber Tatort in der niedersächsischen Einöde. Für soviel Unentschlossenheit haben sie auch den perfekten Trainer. Mirko Slomka wollte auch lieber zu den Bayern, bis er merkte, die wollen ihn gar nicht. Jetzt muss er Woche für Woche einen neuen Fall lösen, ja, genauso wie die ausgeflippte Furtwängler, die, laut Spiegel, alle möglichen Gerüchte über ihr Privatleben erdulden muss. Hier der neueste Gossip: BILD-Chef Kai Dieckmann hat Slomka auf die Mailbox gebrüllt, der Rubikon sei überschritten, er solle gefälligst die Finger von der Furtwängler lassen. Kein Wunder, dass der Trainer Slomka zuletzt nicht mehr zum Trainieren kam.

12 Bremen: Es gab Zeiten, da haben die Bremer über Jahre den schönsten Fußball gespielt. Weil sie dafür zu wenig gewonnen und bezahlt haben (ihren Spielern), war das kein dauerhaftes Erfolgsmodell. Inzwischen hat das auch Klaus Allofs begriffen. Deshalb mein Tipp: die dänische oder norwegische Liga-Lizenz beantragen. Mit dem bisherigen Budget werden sie dort sicher auf Jahre hinaus dänischer Meister. Oder grönländischer wenigstens. Sonst gewinnt Schaaf in diesem Leben keinen Titel mehr

13 Düsseldorf: Die Fortuna spielt so Fußball wie "die Hosen" Gitarre. Mehr haus- und handgemacht als für die "Hall of Fame". Egal. Für die Fans ist es genial. Wer Düsseldorf in der Liga hat, braucht dem FC von der anderen Rheinseite nicht hinterhertrauern. Und "Rumpelstilzchen" Norbert Meier ist sowieso eine echte Schau an gelebter Normalität. Am Ende wird es ein einstelliger Tabellenplatz, aber gaaanz sicher.

14 Nürnberg: Die "Glubberer" find ich gut. Das muss ich an dieser Stelle einmal sagen dürfen. Irgendwie können die nix besonders gut, aber sie haben das Herz am rechte Fleck und immer wenn es gegen die ganz Groß-Kopferten geht, dann spielen sie voller Lust am Trotz und Widerspruchsgeist. Der FCN gehört zu den Guten. Wahrscheinlich spenden die an Heiligabend ihre gesamte Weihnachtsgratifikation. Und wenn man die Hecking-Jungs am Berliner Alexanderplatz postieren würde, wäre das der sicherste Platz auf deutschem Boden. Ein Jammer, dass die Welt nie so gut wird, wie der "Glubb" schon ist.

15 Wolfsburg: Super-Retortenklub II. Von mir aus können die aus der Erstklassigkeit verschwinden. Von Piech oder Winterkorn aus sicher nicht. Wäre Ecclestone DFL-Boss, würde Wolfsburg ganz sicher Deutscher Meister bis zur nächsten Jahrhundertwende. Aber die Bundesliga ist ja (noch) kein rundenkreisender Geldwäschebetrieb. Schade eigentlich, denken sich gerade die Herren von der DFL. Mein Lieblingsmodegag der Hinrunde: Diegos Porno-Moustache. There's no business like showbusiness!

Murphys Law: Es steigen immer die Falschen ab!

16 Hoffenheim: Es gab eine Zeit, da fanden alle, die Hoeneß nicht leiden mochten, die Hoffenheimer Idee vom jungfräulichen, unverdorbenen Kick süß und sympathisch. Heute kann man sie auch zum Kotzen finden. Weil nichts davon stimmt. Nur Finanzier Hopp kann sich einfach nicht erklären warum. Hoffenheim gehört in die zweite Liga zur Selbstbesinnung.

17 Augsburg: Kann man ohne Sturm aber mit Leidenschaft in einer Profiliga überleben? Nein kann man nicht. Und doch: es wäre so schön, wenn es das noch gäbe!

18 Greuther Fürth: Die Menschen flüchten vom Land in die Stadt. Nur in Fürth finden sie immer noch elf Fußballspieler. Das reicht nun wirklich nicht. Warum steigen eigentlich immer die Falschen ab?

Ein frohes Fest und einen guten Rutsch wünscht,

Thilo Komma-Pöllath

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