Sven Hannawald

Mehr Athletik statt geringerem Gewicht

Hallo liebe Skisprung-Freunde,

Alexander Stöckl verleiht Norwegern Flügeln

die Norweger haben sich auf der Partymeile Willingen mit dem Sieg im Teamspringen eindrucksvoll in der Weltspitze zurückgemeldet. Der Erfolg gibt meinem ehemaligen Konkurrenten Alexander Stöckl recht. Schließlich führt der österreichische Trainer erst seit Sommer 2011 das Regiment in der Truppe um Anders Bardal & Co.

Stöckl geht eine andere Richtung als sein Vorgänger Mika Kojonkoski. Das Fliegen haben die Norweger in all den Jahren nicht verlernt. Unter Stöckl kam nun das nötige Quäntchen Athletik hinzu. Nicht zuletzt aufgrund des effektiven Trainings im Kraftbereich kämpfen die Norweger inzwischen auch bei verkürztem Anlauf mit weit weniger Problemen als in der Vergangenheit.

Es ist phänomenal, wie Stöckl das Team binnen weniger Monate wieder auf Kurs gebracht hat. Das zeigt aber auch, dass die Norweger von Grund auf jede Menge Potenzial haben.

Ich denke, der Trend, mehr Athletik statt geringerem Gewicht, wird sich im Skispringen durchsetzen. Der Body-Mass-Index (BMI) liegt inzwischen bei 21. Auf die Waage muss der Athlet samt Anzug, Startnummer und Schuhen. Das Gewicht des Helmes und der Ski werden nicht in den BMI eingerechnet. Liegt der BMI eines Athleten unter 21, muss er zu kürzeren Skiern greifen. Das Gute an dieser Regel ist, dass Gewichtsreduzierung ab einem bestimmten Punkt nichts mehr bringt, weil die Taktik mit den kürzeren Latten irgendwann nicht mehr aufgeht.

Simon Ammann beispielsweise hat im Gegensatz zur vergangenen Saison zwei Kilogramm zugenommen. Nicht, dass er dicker geworden wäre, er hat ganz einfach Muskelmasse drauf gepackt. Der Internationale Skiverband (FIS) hat den BMI in den letzten Jahren sukzessive angehoben.

Maßgeblich daran beteiligt war Renndirektor Walter Hofer. Ziel des "Oberschiedsrichters" im Skispringen ist, sowohl groß gewachsenen als auch kleinen Sportlern die Möglichkeit zum Sieg geben.

Von außen betrachtet, würde ich in Sachen Skilänge deutlich weniger Spielraum lassen. In diesem Fall hätte aber beispielsweise Michael Uhrmann wenige Wettkämpfe bestritten. "Uri" musste nämlich von Haus aus immer sehr viel trinken, um das Gewicht der Skilänge anzupassen.

Klingenthal im Skisprung-Fieber

BMI hin, Skilänge her — ich freue mich ganz besonders auf das Springen in meiner alten Heimat Klingenthal, wo ich zwischen meinem 12. und 16. Lebensjahr die Sportschule besucht habe. Die Klingenthaler sind im wahrsten Sinne des Sportes "Skisprung geil". Es ist wirklich unglaublich, wie viele freiwillige Helfer beim Aufbau der neuen Sprunganlage geholfen haben.

Die Schanze ist schön zu springen und das Fluggefühl ist genial. Zudem erwarten die Veranstalter jede Menge Zuschauer, die für eine geniale Stimmung sorgen werden.

Euer Sven Hannawald

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