Sven Hannawald

Jacobsen auf meinen Spuren…

Hallo Skisprung-Fans,

ich wünsche euch allen ein gutes neues Jahr und hoffe, ihr seid so gut in 2013 gestartet wie Anders Jacobsen...

Es ist also wieder mal soweit, dass ich mir Gedanken machen muss, wie lange ich noch alleine dastehe mit meinen vier Siegen bei einer Tournee. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass es passieren kann. Mit etwas mehr Abstand sieht man die Dinge eben entspannter - auch wenn ich natürlich hoffe, dass mein Rekord noch ein wenig hält.

Anders hätte es verdient

Dabei gibt es durchaus Parallelen zwischen Jacobsen und mir. Wir hatten beide vor der Tournee nicht gerade mit Riesen-Leistungen auf uns aufmerksam gemacht, und in beiden Fällen gab es einen absoluten Top-Favoriten auf den Tourneesieg (bei mir war es Adam Malysz), den wir jeweils mit dem ersten Sieg in Oberstdorf ein bisschen aus dem Tritt gebracht haben.

Sollte Anders es schaffen, alle vier Springen zu gewinnen, hätte ich damit kein Problem. Wenn man sieht, wie hart er sich die Siege erarbeitet und welche Fehler er dabei korrigiert, hätte er es verdient.

Dabei hilft ihm, dass alle Springer ihm auf die Füße schauen. Seine Schuhe bereiten den anderen Teams Kopfzerbrechen - egal, ob sie am Ende tatsächlich einen Unterschied machen oder nicht. Aber es wird darüber nachgedacht, es wird gefragt, warum man selbst so etwas nicht hat. Das lenkt von der eigentlichen Aufgabe ab. Die Situation ist vergleichbar mit der von Simon Ammann, der bei Olympia 2010 in Vancouver plötzlich seine gekrümmten Bindungsstäbe auspackte (die ja wirklich einen positiven Effekt hatten) und zweimal Gold holte.

Duell bringt den Kick

Bei der Tournee reicht's für Simon nun ja sicher nicht mehr für einen Platz ganz vorne in der Gesamtwertung. Aber genau das macht die Tournee ja aus: Wir sehen Überraschungssieger in einem Jahr und Favoritenstürze im nächsten - in diesem Jahr haben wir beides. Damit ist es jetzt schon eine Tournee, an die man sich wohl noch länger erinnern wird.

Da ist es auch egal, wie der Sieger am Ende heißt. Ich wage noch keinen Tipp, versuche aber mal eine kleine Analyse: Wenn Gregor Schlierenzauer aktuell schon seine besten Sprünge abruft (was nur er weiß, ich aber nicht glaube), dann macht Jacobsen das Rennen. Ich denke aber, dass Gregor seinen Killerinstinkt noch aktivieren und sich durch den Motivationsschub bei den Heimspringen noch einmal steigern kann. In Garmisch hat ihm das direkte Duell mit Jacobsen gefehlt, der ja deutlich vor ihm gesprungen war. Wären die beiden näher zusammen gewesen, hätte Gregor das durchgezogen und gewonnen, weil er diese Situationen einfach liebt und den Kick braucht.

Freue mich für Martin

Die Kritik der Österreicher an den Wertungsrichtern kann ich im Übrigen voll nachvollziehen. Sie sind genauso ehrgeizig wie die anderen Teams. Dass Wolfgang Loitzl mit einer 15,5 bewertet wird und dadurch den zweiten Durchgang verpasst, ist sehr bitter. Und auch bei Gregor ging es Alexander Pointner da sicher nicht um die 0,9 Punkte in der Tourneewertung, sondern vor allem um den Weltcupsieg, den Gregor geholt hätte, wenn nur zwei Kampfrichter ihre Haltungsnote um 0,5 Punkte nach oben gesetzt hätten - da kann man schon mal sauer sein.

Keinen Grund für lange Gesichter gibt es für mich bei der deutschen Mannschaft. Gut, das Top-Ergebnis hat gefehlt, aber Severin Freund ist als Fünfter immer noch in Schlagdistanz zum Podest. Da ist noch viel möglich und man sollte ihn nicht abschreiben. Besonders, weil jetzt der Druck ein wenig abfällt, wenn es nach Österreich geht.

Für Martin Schmitt freut es mich, dass er die Tournee komplett  springen darf. Er hat sich seinen Platz im Team ganz ehrlich erarbeitet - und wenn man bedenkt, dass er als 12. der Gesamtwertung "nur" viertbester Deutscher ist, kann man sehen, dass es so schlecht um die Jungs nicht bestellt ist. Ich bin mir sicher, dass sie in Innsbruck und Bischofshofen noch einmal von sich Reden machen werden.

Viele Grüße,

Euer Sven

Zurück zur Übersicht

Quizaction - Testen Sie Ihr Sportwissen