Sven Hannawald

Das wird es nie mehr geben!

Liebe Skisprung-Freunde,

was Gregor Schlierenzauer leistet, macht mich fast sprachlos. Ich habe absolute Hochachtung vor seinen Erfolgen! Gregor spult die Siege ab, als sei es das Normalste auf der Welt. Selbst wenn die Bedingungen schwer sind oder der Wettkampf sehr eng ist, wie am vergangenen Wochenende in Harrachov, bleibt Gregor extrem fokussiert. Er hat über die Jahre ein dermaßen souveränes Auftreten entwickelt, dass ihn äußere Einflüsse kaum mehr beeinflussen.

60 oder 70 Siege möglich

Dass er nun den Weltcup-Rekord von Matti Nykänen gebrochen hat, ist die logische Folge seiner Extraklasse. Ich rechne fest damit, dass er diese Bestmarke von 48 Weltcup-Erfolgen weiter ausbauen wird. Irgendwann werden bei Schlierenzauer 60 oder vielleicht sogar 70 Siege zu Buche stehen. Und ich gehe noch einen Schritt weiter: Da wird nie wieder ein Skispringer hinkommen, das wird es nicht mehr geben! Gregor hat schon zu Beginn seiner Karriere die Zeit genutzt, sich einen Vorsprung zu erarbeiten und neue Entwicklungen im Skispringen schneller als alle anderen umgesetzt.

Das ist übrigens auch der Grund, warum Gregor über so lange Zeit dominiert. Selbst Änderungen des Regelwerks konnten ihn nicht beeinträchtigen, und das war der Grundstein für seine Erfolge. Als etwa die Anzüge enger wurden, musste Gregor nur ein kleines Feintuning vornehmen - denn sein Flugsystem ist unglaublich stabil und ausgefeilt. Daher musste er bei der Vierschanzentournee auch keine Gedanken an diesen neuen "Stöckelschuh" der Norweger verschwenden.

Festplatte im Kopf löschen

Die Konkurrenz aus Deutschland, Norwegen oder Japan hatte in den vergangenen Jahren deutlich größere Probleme, mit den Änderungen im Regelwerk zurechtzukommen. Die mussten quasi ihre komplette Festplatte im Kopf löschen und neu beschreiben. Das lag daran, dass diese Nationen einen relativ aggressiven Sprungstil pflegen. Schon am Schanzentisch, wo diese Teams voll auf Richtung springen, wird das deutlich. Die Österreicher, und seit geraumer Zeit auch die Finnen, setzen dagegen auf einen Mix aus Höhe und Richtung. Ein entscheidender Vorteil.

Bei Gregor kommt außerdem noch seine Nervenstärke dazu. Als ein Anders Jacobsen zu Beginn der Tournee wie aus dem Nichts an der Konkurrenz vorbeiflog, hat ihn das nicht aus der Ruhe gebracht. Konzentriert hat Gregor die Tournee nach Hause gebracht. Und da muss man dann auch aus deutscher Sicht ein ganz ehrliches "Respekt Gregor!" über die Alpen schicken.

Euer Sven Hannawald

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