Sven Hannawald

“Boygroup” mit der Lizenz zum Siegen

Ein starkes Team: Andreas Wank, Richard Freitag, Maximilian Mechler, Severin Freund

Endlich geht es wieder los und ich freue mich auf eine Hammer-Saison. Die hervorragenden Leistungen unserer Ski-Adler im Sommer lassen auf einen verheißungsvollen Winter hoffen. Richard Freitag, Severin Freund und Andreas Wank sind gleich drei potenzielle Sieganwärter, die im Skisprung-Weltcup an den Start gehen.

Mit Wank konnte in diesem Jahr endlich wieder deutscher Springer den Sommer-Grand-Prix für sich entscheiden. Ich bin froh, dass es nach meinem Erfolg 1999 nun einem zweiten Springer des Deutschen Skiverbandes gelungen ist, sich in die Siegerliste einzutragen.

Als junger Springer muss man lernen, sein Ding durchzuziehen und Wettkämpfe ganz oben auf dem Siegertreppchen zu beenden, wenn man gut drauf ist. Wank hat mit seinen Erfolgen in Hinterzarten und Hakuba unter Beweis gestellt, dass er es kann, auch wenn nicht die gesamte Weltspitze am Start war.

Zündstoff neuer Anzug

Der neue Anzug, der noch enger ist, kommt Andreas ebenfalls entgegen. Im vergangenen Winter kam es mir oftmals so vor, als müsse der groß gewachsene Athlet, der viel Fläche bietet, extrem um seine Sprünge kämpfen. Dies scheint sich nun mit dem neuen Material erledigt zu haben.

Die Lösung mit den neuen Anzügen scheint mir alles in allem plausibel. Generell gilt: Je weiter der Anzug ist, desto mehr trägt er die Springer in der Flugphase. Der Vorteil am neuen Material ist, dass man sich mit den knallengen Anzügen nicht mehr vermessen kann und die Spielräume deutlich kleiner geworden sind. Regeländerungen haben in der Vergangenheit immer Diskussionstoff mit sich gebracht. Es gibt immer ein Für und Wider — dem einen schmeckt es, dem anderen nicht. Aber allen kann man es sowieso nie recht machen.

Freund wird vorne mitspringen

Auch von Severin Freund erwarte ich mir diesen Winter einiges. Besonders beeindruckt hat mich sein Triumph beim Abschlussspringen des Sommer-Grand-Prix in Klingental, trotz einer vorangegangen Operation und einer damit verbundenen Zwangspause. Severin scheint in einer bombastischen Form zu sein, sonst hätte er nicht quasi aus der hohlen Hand auf Platz eins springen können. Zudem bringt Freund in seinem dritten Jahr einen gewissen Erfahrungsschatz mit. Er weiß, wie sich Erfolg anfühlt, und ist es gewohnt, mit Druck umzugehen.

Bei Richard Freitag, der nach seinem Aufstieg in seine zweite Saison geht, sieht die Sache ein wenig anders aus. Egal in welcher Sportart, es ist immer schwierig für Shootingstars, an die ersten Erfolge aus dem Vorjahr anzuknüpfen. Ich möchte ihm keine Angst machen, aber ich denke, er wird schon einen kleinen Rucksack mit sich herumschleppen, mit dem er zurechtkommen muss. Ich drücke ihm jedenfalls die Daumen, dass er gut durchkommt.

Freund und Wank traue ich in der kommenden Saison durchaus zu, den Österreichern in dem einen oder anderen Wettkampf Paroli bieten zu können. Am schönsten wäre es natürlich, wenn beide bei der Vierschanzentournee ihr Potenzial unter Beweis stellen könnten. Am Anfang der Saison gilt es zwar, gut in den Winter reinkommen, aber für mich waren die Tournee und die Weltmeisterschaft immer die absoluten Höhepunkte des Winters.

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