Spielverlagerung

Zwei-Stürmer-Systeme sterben aus

Vom Aussterben bedroht?Vom Aussterben bedroht?

Es ist ein altes Muster: Wenn ein Team wenig Erfolg hat, fordern die Fans von ihrem Trainer den Einsatz eines zweiten Stürmers. Dadurch erhoffen sie sich eine offensivere Spielweise. Allerdings ist der Effekt genau gegenteilig: Zwei Spieler in der zentralen Sturmspitze werden fast ausschließlich von konterstarken Teams eingesetzt.

Der Grund hierfür liegt in der Kontrolle über das Mittelfeld: Sobald ein zweiter Stürmer aufgestellt wird, gibt eine Mannschaft hierfür einen Spieler im Mittefeld auf. Wenn ein Team jedoch auf hohen Ballbesitz und Spielkontrolle aus ist, brauchen sie diesen freien Mann im Zentrum, denn sonst fehlt eine Anspielmöglichkeit in der Spielfeldmitte.

FC Bayern macht es vor

Teams, die Ball und Gegner laufen lassen wollen, setzen daher auf eine möglichst hohe Anzahl an Mittelfeldspielern. Das 4-2-3-1 von Bayern München ermöglicht ihnen beispielsweise, den Ball zwischen Abwehr und Mittelfeld zu halten und so einen hohen Ballbesitzwert zu erreichen. Ein zweiter Stürmer wäre bei solch einer Strategie kontraproduktiv. Ein oft gesehenes Muster im Duell 4-2-3-1 gegen 4-4-2 ist deshalb, dass erstgenannte Mannschaft oft einen spielerischen Vorteil im Mittelfeld hat, da sie in dieser Zone im Vergleich zum Gegner einen freien Mann hat.

Der zweite Stürmer und damit die zweite Anspielstation in der Spitze wird heutzutage fast ausschließlich von reaktiven, sprich: konterstarken Teams genutzt. Diese versuchen nicht, über Ballkontrolle und Kurzpassspiel zu Torchancen zu kommen, sondern möglichst schnell in die Spitze zu spielen. Hier wird die zweite Anspielmöglichkeit in der Spitze gebraucht, gerade wenn ein Team auf lange Bälle setzt. Hannover 96 hatte letzte Saison beispielsweise mit einem 4-4-2 großen Erfolg, mit den schnellen Ya Konan und Abdellaoue hatte man vorne gleich zwei Abnehmer für die direkt gespielten Pässe.

Hannover 96 zieht nach

Doch auch bei den Teams, die zwei Stürmer einsetzen, zeigt sich ein Wandel: Die eben erwähnten Niedersachsen setzen diese Saison mit Schlaudraff einen höchst flexiblen Spielertypen in der Spitze ein. Er geht immer wieder auf die Flanken und fällt auch schon mal weit zurück. Auch Hanke als hängende Sturmspitze bei Gladbach ist mehr als der altmodische Torjäger, er übernimmt viel Laufarbeit und schafft unermüdlich Räume für seine Mitspieler.

Kaum ein Team leistet es sich heutzutage noch, mit zwei bulligen Stürmertypen in der Sturmspitze zu spielen. Selbst wenn das 4-4-2 eingesetzt wird, dann meistens nur mit einem weit hängenden Stürmer, sodass der Übergang zum 4-2-3-1 fließend wird. Die Fans müssen sich damit anfreunden, dass sich in Zeiten der Mittelfeldkontrolle die Zwei-Stürmer-Systeme dem Ende zuneigen. Der FC Barcelona ist dem Ganzen bereits wieder eine Stufe voraus: Sie spielen die meiste Zeit ohne echte Sturmspitze.

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