Spielverlagerung

Mit der richtigen Taktik gegen Bayern

Dormund gegen Bayern in der AnalyseBorussia Dortmund gegen Bayern München, das Spiel der Superlative. Nicht nur aufgrund des vorentscheidenden Charakters für die Meisterschaft, sondern auch aufgrund der Spielstärke beider Teams wurde das Spiel sehnsüchtig erwartet. Der FC Bayern agierte im 4-2-3-1-System, Bastian Schweinsteiger blieb zunächst auf der Bank. Auch die Dortmunder setzten auf das gewohnte Mischsystem aus 4-2-3-1 und 4-4-1-1, das durch die Bewegungen Kagawas entstand: Bei eigenem Ballbesitz ließ er sich etwas weiter fallen (4-2-3-1), während er im Pressing sehr hoch direkt hinter oder teilweise gar neben Lewandowski agierte (4-4-1-1).

Dortmund mit starkem Pressing

Eben jenes Pressing war maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Münchener zu Spielbeginn effektiv am Spielaufbau gehindert wurden. Kagawa und Lewandowski sperrten die Innenverteidiger ab, indem sie die Passwege zu diesen schlossen. Die Bayern waren dadurch gezwungen, mit den Außenverteidigern und den Sechsern tiefer zu stehen — diese mussten in der eigenen Hälfte anspielbar sein, da die Innenverteidiger vom Spielaufbau abgeschnitten waren. Dies schuf jedoch wieder große Abstände zwischen Verteidigung und Angriff. Wenn beispielsweise der Ball nach vorne zu Robben oder Ribery kam, waren sie oft gegen die Dreifachdeckung auf Außen isoliert. Lahm, Kroos und Gustavo standen recht tief, einzig Alaba half Ribéry ab und an aus — zu wenig gegen die im Verbund verschiebenden Dortmunder.

Ein probates Mittel gegen dieses Dortmunder Bollwerk wären Spielverlagerungen gewesen. Bayern hatte mit Badstuber und Kroos zwei passstarke Spieler auf dem Platz, welche jedoch durch aggressives Forechecking der Dortmunder an Spielverlagerungen gehindert wurden. Von den Außenspielern kamen jedoch zu wenige Impulse. Von der Technik her müssten dies Robben und Ribéry zwar beherrschen, da sie jedoch dermaßen aggressiv gedeckt wurden, hatten sie nicht die nötige Zeit und den Platz, um solche anspruchsvollen Bälle zu spielen.

Spielstarker Lewandowski

Die Hausherren lösten den eigenen Spielaufbau im Vergleich cleverer. Schmelzer positionierte sich weit vorne. Es entstand ein leerer Raum hinter ihm, in den abwechselnd die Sechser Kehl und Gündogan stießen. Mit drei Mann in der Tiefe (zwei Innenverteidiger plus einen Sechser) konnten die Dortmunder sämtliche Pressingversuche der Bayern relativ leicht umspielen. Gegen Müller und Gomez, die aktiv gegen die Verteidiger gingen, hatten sie im Spielaufbau eine Überzahl. Aber auch Hummels, der oftmals aktiv aus der Verteidigung rückte und auf die Sechserposition ging, sorgte für ein spielerisches Plus der Schwarz-Gelben in Halbzeit eins.

Auch in der gegnerischen Hälfte zeigten sich die Dortmunder spielstark. Auffällig war, wie oft Großkreutz und Blaszczykowski den Weg in die Schnittstelle zwischen gegnerischem Außen- und Innenverteidiger suchten. Unterstützung bekamen sie dabei vom starken Lewandowski. Dieser präsentierte sich agil und ließ sich oft auf die Flügel fallen. Ein oft gesehenes Muster waren in der ersten Halbzeit Schnittstellenpässe von Gündogan, welche die Außenstürmer zu Lewandowski weiterleiteten. Den Bayern schadete hierbei, dass sie recht wenig Druck auf den ehemaligen Nürnberger Gündogan ausübten. Dortmund hingegen konnte die entstandenen Großchancen Chancen nicht nutzen.

Bayern dominant in Halbzeit zwei, aber ohne Tor

Nach der Pause zogen sich die Dortmunder ein wenig weiter zurück, wodurch die Bayern längere Ballbesitzphasen erreichen konnten. Doch noch immer kamen die Münchener nur selten ins letzte Drittel. Einzig Ribéry sorgte durch seine Dribblings in Richtung Zentrum für einige Überraschungsmomente, ansonsten war das Spiel des Rekordmeisters für die aktiv verschiebenden Dortmunder Viererketten leicht ausrechenbar.

In der Folge waren es die Wechsel, die neuen Schwung ins Spiel brachten. Jupp Heynckes brachte mit Schweinsteiger einen kreativen Mittelfeldspieler, was Kroos erlaubte, weiter nach vorne zu gehen. Die Idee war, mit dem Nationalspieler mehr Schüsse aus der zweiten Reihe sowie riskante Pässe in die Dortmunder Hälfte zu wagen. Trotz einiger intelligenter Pässe war es jedoch ein anderer Wechsel, der das Spiel drehte: Perisic übernahm die Position von Kagawa und brachte viel frischen Wind ins Spiel. Er schaffte eine zweite Anspielstation in der Spitze und hielt ebenso wie Lewandowski gut die Bälle. Seine Flanke holte die Ecke raus, die zum Siegtreffer führte.

In der spannenden Schlussphase wurden sämtliche taktischen Konzepte über den Haufen geworfen. Die Dortmunder wankten, müde nach dem hohen Aufwand, gegen stürmende Bayern. Robben hatte sogar noch die zweifache Chance, das Endergebnis anders zu gestalten — er versagte jedoch sowohl vom Elfmeterpunkt als auch von der Fünfmeterlinie. Am Ende war er der tragische Held in einem intensiv geführten Spiel, bei dem die Borussia sich taktisch besser auf ihren Gegner einstellte.

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