Spielverlagerung

Konterstarke Teams im Trend

Huub Stevens hat Schalke umfunktioniertHuub Stevens hat Schalke umfunktioniert

Nach ihren beiden eindrucksvollen Siegen am Wochenende sind Borussia Mönchengladbach und der FC Schalke 04 die Teams der Stunde. Ihr Höhenflug hängt auch mit ihrer Konterstärke zusammen. Nun müssen Lucien Favre und Huub Stevens den nächsten Schritt machen.

In der letzten Saison sorgte Hannover 96 für viel Aufsehen in der Bundesliga. Mit ihren schnellen Gegenstößen schnupperten sie gar an einem Champions-League Platz. Slomkas Elf scheint der Vorbote für die Taktik einiger Teams in der neuen Saison gewesen zu sein: In keiner der großen vier Ligen ist der Anteil an Kontertoren in dieser Saison so hoch wie in Deutschland.

Im Vergleich zur Premiere League fallen prozentual gesehen fast dreimal so viele Treffer nach schnellen Gegenstößen (4,28 Prozent zu 11,41 Prozent) - der schnelle Konter ist hierzulande definitiv im Trend.

Schalke unter Stevens konterstark

Gerade die zwei großen Überraschungsmannschaften der Saison überzeugen mit ihrem direkten Spiel in die Spitze: Nicht viele hätten Schalke die Wiederauferstehung nach der schwachen Vorsaison zugetraut. Der letztjährige Tabellen-14. Ist mittlerweile zu einem waschechten Meisterkandidaten aufgestiegen. Mit 41 erzielten Treffern hat Schalke die zweitbeste Offensive der Liga.

Aus diesem Grund wird Schalke unter Huub Stevens gerne fälschlicherweise als "offensives Team" bezeichnet. Tatsächlich hat kaum ein anderes Bundesligateam eine derart tiefstehende Verteidigung wie die Knappen.

Stevens hat das Team zu einer Kontermannschaft umfunktioniert, die am eigenen Sechzehner den Ball erobert und schnell das Spielfeld überbrückt. Dafür setzt er im Zentrum hauptsächlich auf zweikampfstarke Ballgewinner, was auch die Reaktivierung des unter Magath und Rangnick ausgemusterten Zerstörers Jones (aktuell gesperrt) erklärt. In den letzten zehn Spielen hatte Schalke durchschnittlich 46 Prozent Ballbesitz und befindet sich damit im unteren Drittel der Liga, in Gesellschaft mit Teams wie Augsburg und Hertha.

Ballbesitz ist kein Indikator für Erfolg oder attraktiven Fußball. Er zeigt aber, welche Strategie ein Team fährt: Schalke weiß unter dem Niederländer den schnellen Gegenstoß mehr zu schätzen als andauernde Ballstaffetten. Selbst gegen individuell schwächere Teams wie Berlin oder am Wochenende gegen Stuttgart wird der Ballbesitz dem Gegner überlassen. Offensivaktionen ergeben sich maßgeblich, wenn der Gegner aufgerückt ist und Räume hinterlässt. Durch teils atemberaubende "One-Touch"-Kombinationen gewann Schalke zuletzt fünf der letzten sechs Partien.

Gladbach sucht die Weiterentwicklung

Neben Schalke fährt besonders Borussia Mönchengladbach diese Saison starke Gegenstöße. Am besten ist das Team rund um Stoßstürmer Marco Reus, wenn sie mit ihren schnellen Vertikalpässen eine aufgerückte Defensive überrumpeln können. Das zeigen besonders die Spiele gegen die direkten Konkurrenten im Rennen um die Champions League. Aus den vier Partien gegen die individuell überlegenen Dortmund, Schalke und Bayern (zwei Mal) holten sie immerhin sieben Punkte. Gerade die beiden Partien gegen Bayern bezeugten die Defensiv- und Konterstärke der Favre-Elf.

Dennoch sollte man Gladbach keineswegs auf die schnellen Gegenstöße reduzieren. In den letzten Spielen vor der Winterpause zeigten sie, dass sie durchaus auch das Zepter in die Hand und das Spiel machen können. In 14 ihrer 18 Spielen hatten sie ein Ballbesitzplus.

Lucien Favre weiß, dass eine reine Kontertaktik nur über begrenzte Zeit funktionieren kann: Sobald ein Team mehr Erfolg hat, stellen sich die Gegner darauf ein und stehen tiefer. Die selbe Entwicklung macht Hannover 96 in dieser Saison durch, die ein passsicheres Spiel aufzogen. Auch bei Gladbach geht der Trend in diese Richtung.

Somit ist Konterstärke auch immer nur ein Übergang. Wer wirklich längere Zeit oben mitspielen möchte, muss auch gegen schwächere Teams in der Lage sein, ruhig aufzubauen und eine kompakte, tiefstehende Mannschaft zu überwinden. Für den Moment sind Schalke und Gladbach mit ihrer Taktik sehr erfolgreich. In den nächsten Monaten müssen sie den nächsten Schritt machen, um sich langfristig oben etablieren zu können.

Das Hinspiel Bayern-Gladbach in der Analyse

Mike Hanke im Porträt

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