Spielverlagerung

Kölner Totaldefensive

Kroos in Aktion: Köln läuft hinteherAm Freitagabend trat der 1. FC Köln bei den Bayern mit einer unerwarteten Fünferkette auf. Ihre destruktive Taktik ging beinahe auf, am Ende waren es individuelle und keine taktischen Fehler, die den Bayern den Sieg bescherten.

Die "Geißböcke" sind eines der Überraschungsteams der Saison. Solbakkens viel diskutiertes System führte die Domstädter in die obere Tabellenhälfte. Charakteristisch sind ihre zwei Viererketten, die sie weit vor dem eigenen Tor aufbauen. Durch die hohe Verteidigung und die geringen Abstände zwischen Abwehr und Mittelfeld verkleinern sie den Bereich, in dem der Gegner kombinieren kann. Bei Ballbesitz schalten sie blitzschnell um. Durch die Zentrale fahren sie ihre schnellen, flach gespielten Konter. Nur Schalke konnte mehr Tore nach schnellen Gegenstößen als die Kölner erzielen.

Probleme im Spiel nach vorne

Gegen die übermächtigen Bayern verzichtete Solbakken allerdings auf diese taktischen Prinzipien. Im Vergleich zu den letzten Auftritten baute sich die Mannschaft direkt vor dem eigenen Sechszehner mit einer Fünferkette auf. Somit begrenzten sie die Zuspielwege für die Bayern in die Spitze. Sereno, der bereits nach wenigen Minuten den verletzten Brecko auf der Rechtsverteidigerposition ersetzte, löste sich oft aus der Fünfer-Abwehr, um Ribéry vor ihm zu stellen. Der flexible Wechsel zwischen Vierer- und Fünferkette funktionierte gut, das zuletzt sehr starke Pärchen Ribéry-Lahm wurde durch das Herausrücken von Sereno voneinander isoliert. So fand die in dieser Saison so starke linke Bayern-Seite kaum statt.

Die Münchener taten sich mit der Kölner Totaldefensive schwer. Die linke Seite war spätestens nach Ribérys Gelb-Roter Karte aus dem Spiel, durch die Mitte gab es gegen drei Innenverteidiger und zwei zentrale Mittelfeldspieler kein Durchkommen. Die verbleibende rechte Seite arbeitete mit Robben und Rafinha gut, allerdings kamen zu wenig Flanken an. Im eigenen Sechzehner gewannen die Kölner einen Großteil der Kopfballduelle.

Die Probleme der Kölner Taktik zeigten sich im Spiel nach vorne: Da sie sich voll auf das Verteidigen beschränkten, fuhren sie kaum gute Konter. Ihre tiefe Aufstellung ließ zu viel Raum zwischen Mittelfeld und der Sturmspitze Podolski, den sie nur mit langen Bällen erreichen konnten. Van Buyten und Badstuber gewannen jedoch alle (!) Kopfballduelle.

Defensivkonzept ohne Akzente

Köln schien taktisch ganz klar auf ein 0:0 zu gehen. Ihre Defensivtaktik ging weitestgehend auf. Es ist bezeichnend, dass die Münchener ihre ersten zwei Tore nicht durch Kombinationen, sondern nach Fehlern der Kölner Abwehr erzielten. So wurden die Gegentreffer durch einen Konter nach schlechter Ballannahme Geromels (0:1 durch Gomez) und durch kollektives Verschlafen einer Ecke (0:2 durch Alaba) eingeleitet. Ohne diese individuellen Fehler wäre Solbakkens Plan womöglich sogar aufgegangen, die Bayern waren nach vorne kreativarm. Nach dem 0:2 musste Köln jedoch sich hinten öffnen, die Bayern nutzten die entstehenden Räume zum 0:3.

Ist die Fünferkette ein Modell für die Zukunft? Nicht unbedingt. Solbakken hat mit dieser Maßnahme auf Bayerns starke linke Seite und deren Ballbesitzdominanz reagiert. Eigene Akzente vermag eine solch tiefstehende Taktik nicht zu setzen. Dennoch wird sicher der ein oder andere Bundesliga-Underdog den Auftritt am Freitagabend mit Interesse verfolgt haben. Es ist nicht auszuschließen, dass weitere Teams mit dieser Spielweise in der Allianz Arena auftreten werden.

So lief das Spiel gegen Bayern

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