Spielverlagerung

Der BVB hat sich weiterentwickelt

BVB-Trainer Jürgen Klopp integrierte Ilkay Gündogan systematisch ins Team.

Zum ersten Mal seit den 90er Jahren schafft Borussia Dortmund die Titelverteidigung. Die Dortmunder Meistermannschaft dieses Jahres ist nur schwer mit der des letzten zu vergleichen. Denn Jürgen Klopp hat sein System weiterentwickelt.

Dabei war der BVB nach wenigen Spieltagen weiter von der Titelverteidigung entfernt als viele dachten. Nachdem sie in der Vorsaison oftmals als Außenseiter auf ihr schnelles Konterspiel setzen konnten, wurde spätestens zum Ende der Rückrunde klar, dass der BVB es fortan mit defensiveren Gegnern zu tun bekommen wird. Auch zu Beginn dieser Saison stellten sich viele Gegner hinten rein, getreu dem Motto, bereits ein 0:0 sei gegen den amtierenden Meister ein großer Erfolg.

Veränderungen im Spielaufbau

Dortmund tat sich mit solchen Ausrichtungen besonders nach dem Weggang ihres Spielmachers Nuri Sahin schwer. Der nach Madrid gewechselte Türke hinterließ eine Lücke, die Klopp nicht 1:1 ersetzen wollte. Stattdessen baute er sein Mittelfeld um und setzte mit Gündogan auf einen genaueren, aber weniger risikoreich spielenden Passspieler.

Es brauchte einige Zeit, ehe die Qualitäten Sahins aufgefangen wurden. Sein riskantes Spiel in die Spitze wie auch seine Fähigkeit, ein Spiel lesen zu können, gingen dem BVB zu Saisonbeginn ab. Stattdessen fokussierten sie ein ballbesitzorientiertes, ruhigeres Spiel über die Außen. An den ersten Spieltagen hatten sie jedoch mit einer Vielzahl von Problemen zu kämpfen: Das Fehlen eines kopfballstarken Stürmers machte ihnen genauso zu schaffen wie die Abwesenheit eines starken Fernschützen. Gerade bei der 1:2-Niederlage am 5. Spieltag gegen die auf Konter lauernden Berliner fehlten diese Qualitäten.

Nach und nach verbesserte sich das Spiel der Borussen jedoch. Eine Rückkehr zum Spiel mit Sahin war nicht möglich - dafür entwickelte Klopp behutsam seine Spielidee weiter. Fortan rückte Innenverteidiger Hummels in den Fokus: Aus der Abwehr heraus ordnete und gestaltete er das Spiel. Am anderen Ende des Feldes war es Lewandowski, der zunehmend spielstärker und auch torgefährlicher wurde. In Zusammenarbeit mit den formstarken Götze und Kagawa führte der Pole den BVB zu seiner alten Kombinationsstärke im letzten Drittel zurück.

Defensiv weiterhin sattelfest

Spätestens in der Mitte der Hinrunde wurde deutlich, dass Klopp bei allen Problemen im Spielaufbau immer noch auf das starke Gerüst der ersten Meistersaison setzen konnte: Das laufintensive Gegenpressing, bei dem die Borussen nach einem Ballverlust direkt den Gegner unter Druck setzen, ist weiterhin ihr Markenzeichen. Der unbedingte Wille aller Spieler, auch gegen den Ball zu arbeiten, macht sich bezahlt. Zudem haben die Schwarz-Gelben eine der stärksten Defensivreihen der Liga und werden zum zweiten Mal hintereinander unter der 30-Gegentore-Marke bleiben.

In der Rückrunde fand auch Gündogan endlich in die Spur. Nachdem er zu Saisonbeginn Schwierigkeiten mit seiner neuen Rolle als Ballverteiler hatte, ist er mittlerweile der ideale Verbindungsspieler im Mittelfeld. Er unterstützt Hummels dabei, die Angriffe aus der eigenen in die gegnerische Hälfte zu verlagern. Es wird wieder einmal deutlich, dass Klopp zwar etwas länger braucht, ehe Neuzugänge sein System verstehen - sobald sie aber seine Spielidee verinnerlicht haben, sind sie fast immer eine Bereicherung für das Team.

Der Weg zur zweiten Meisterschaft war geprägt von anfänglichen Schwierigkeiten und einer stetigen Weiterentwicklung. Das schnelle Konterteam, das in der Hinrunde 2010 erstmals die Tabellenführung übernahm, ist nur noch im Ansatz zu erkennen.

Mittlerweile kann Klopps Team das Tempo  eines Spiels kontrollieren. Ob gegen einen mauernden Tabellenletzten oder gegen stürmende Bayern - Klopp hat in dieser Saison bewiesen, dass er auf alle taktischen Probleme eine Antwort hat.

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