Spielverlagerung

Wie die Bayern Schalke knackten!

Nicht zu halten: Franck Ribéry!

Unter Huub Stevens ist Schalke 04 als starkes Konterteam erfolgreich und bekannt: Damit schien das Team prädestiniert zu sein, die Bayern zu schlagen - doch die drehten den Spieß kurzerhand um und nutzen die Schwächen der Schalker mit intelligentem Spiel gnadenlos aus.

Der Kardinalfehler der Gelsenkirchener war, dass sie zu viele Räume zwischen den Linien ließen, in denen die Bayern spielen und die beiden in Unterzahl agierenden Schalker Mittelfeldspieler überluden. Jupp Heynckes dürfte diese schon oft zu beobachtenden Probleme in der Organisation und Raumabdeckung bei Schalke erkannt haben, was seine Mannen nach anfänglichen Problemen, als das Zustellen der bayerischen Sechser durch Huntelaar und Raúl sowie eine relativ mannorientierte Deckung im Mittelfeld noch gewirkt hatten, sehr gut ausnutzten.

Auch im Raum vor den Außenverteidigern gab es für die Münchener zu viel Platz, was nicht nur den Flügelspielern selbst schmeckte, sondern auch dem immer wieder nach links driftenden Alaba sowie den Außenverteidigern gefiel. Gerade beim 0:3 in Mönchengladbach hatte Schalke hier bereits immense Probleme und fing sich durch Spielzüge durch exakt diesen Raum Gegentore - Lahms wie aufgedreht wirkende Performance wurde auch durch den vielen Raum gepusht, den der Linksverteidiger mit mutigen Vorstößen blendend nutzte.

Bayerns Skalpell schneidet Schalke auf

Zusammengefasst: Wie schon in einigen anderen Spielen, ließ Schalke zu viel Raum zwischen den Linien sowie vor den Außenverteidigern und geriet im Zentrum gegen die Bayern zu schnell in Unterzahl. Ersteres ermöglichte für die vier Flügelspieler, Müller und Alaba viel Raum zum Kombinieren, Letzteres zwang Draxler und Farfan zur Unterstützung in die Mitte, wodurch sie aber wiederum auf den Flügeln fehlten.

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Dadurch, dass Schalke diese Flügel aber dennoch unbedingt verteidigt halten wollte, schaufelten sie sich schließlich ihr endgültiges Grab. Wanderte der Ball vom Flügel in die Mitte und schließlich wieder auf einen der beiden Flügelstürmer, rückte der Schalker Außenverteidiger sofort hoch auf und attackierte diesen, während dahinter einige Spieler aus dem Zentrum umgehend mit attackierten, die anderen Kollegen aber in der Mitte blieben oder eine Verlagerung absichern wollten.

Gerade zwischen Innen- und Außenverteidiger der Schalker öffneten sich auf diese Weise viel zu große Schnittstellen für die Bayern, die darauf reagierten, mit intelligenter Pärchen- und Dreiecksbildung auf beiden Flügeln die Gewichte dorthin verschoben und Schalkes Formation seitlich auseinanderrissen:

Auf der linken Seite wurde Ribéry immer wieder von Alaba (gelegentlich auch Müller) geholfen, so dass man schnelle und kurze Kombinationen aufziehen konnte. Meistens war es aber so, dass Alaba diagonal vor Ribéry in Richtung Tor zog und angespielt werden konnte oder mit ihm kreuzte, um den Raum hinter Höwedes zu nutzen.

Müller macht Dampf

Auf der anderen Seite bestand das Pärchen - jeweils unterstützt wurden die Duos auf beiden Seiten von ihren Außenverteidigern - aus Robben und Müller und erinnerte ungemein stark an die vergangenen beiden Jahren. Der Niederländer kam zur Mitte und wurde dabei durch einen Außenverteidiger, vor allem aber die Läufe Müllers unterstützt. Mit Spielintelligenz, Dynamik, Ausdauer und gutem Raumauge lief Müller die richtigen Räume zur richtigen Zeit an, brachte dem Spiel damit viele Optionen und kam nicht selten selbst in diesen Räumen frei.

Mehrfach attackierte er die Schnittstelle hinter den zwei oder drei Robben attackierenden Gegnern und bekam den Ball diagonal durchgesteckt, doch war sein Finish zu schwach. So brauchte es einen Konter nach einer Ecke und eine Einzelaktion Ribérys für die verdienten Tore. Das 2:0 beendete 30 sehr starke Minuten der Bayern, die nun Schalke machen ließen - S04 spielte sehr geduldig und versuchte es ohne lange Bälle, allerdings fehlten Kreativität und Verbindungen zu den Angreifern.

Das Fazit

Schalke machte zu viele Fehler: Die Mannschaftsteile standen zu weit auseinander und ließen Lücken in der Formation, man hatte im Zentrum eine Unterzahl, lenkte die bayerische Spieleröffnung nicht und konnte damit auch die Dominanz der linken Seite nicht brechen, war von den Läufen Lahms überrascht und verteidigte die Flügelstürmer und die taktischen Mittel auf den Außenbahnen schwach.

Die Bayern steigerten sich deutlich, doch die defensiven Lücken Schalkes beschönigten die Münchener Leistung in nicht abschätzbarer Weise. Einige Probleme sind immer noch da, vielmehr waren es Ribéry, Müller und Robben, die dem Bayern-Spiel diesen Ausdruck von Leichtigkeit beibringen konnten (während es nun gilt, Gomez wieder stärker einzubinden).

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