Spielverlagerung

FC Bayern ohne kreatives Konzept

Gab keine Impulse: Bastian SchweinsteigerGab keine Impulse: Bastian SchweinsteigerBei der Auftaktniederlage gegen Gladbach offenbarte Bayern München einige grundlegende taktische Schwächen. Auch gegen Wolfsburg waren sie erneut kreativarm, am Ende siegten sie wenig überzeugend mit 2:0. Wo sind die Probleme im Münchener System?

Fehlende Leidenschaft und Aggressivität — es sind diese Schlagwörter, die einem Team nach einer Niederlage oft vorgeworfen werden. Auch beim FC Bayern waren diese Vorwürfe nach dem blutleeren Arbeitssieg gegen Wolfsburg nicht von der Hand zu weisen. Streckenweise spielte die Mannschaft erneut langsam und pomadig und legte in den entscheidenden Aktionen nicht die nötige Reaktionsschnelligkeit, geistige Frische und Kreativität an den Tag.

Schwache Flügelzange

Besonders die Flügelzange blieb blass. Robben hatte starke Probleme mit seinem Gegenspieler Rodriguez und konnte nur acht von dreizehn Duellen für sich entscheiden, während Rodriguez eine Zweikampfbilanz von über 70 % für sich verbuchte. Er litt auch darunter, dass Rafinha seine Position eher defensiv interpretierte und ihn kaum unterstützte.

fcb 2-0 wobAuf der anderen Seite hatte Wolfsburg eine interessante Verteidigungsstrategie gegen Ribéry gefunden. Der Franzose startet zwecks Aufnahme von Tempo oftmals auf Höhe der Mittellinie, wo er den Ball erhielt und das Dribbling aufnahm. Wolfsburg doppelte Ribéry nun standardmäßig durch die beiden Außenspieler Träsch und Hasebe, doch der restliche Teamblock blieb weiterhin eng und relativ zentral stehen.

Da Lahm hinter ihm blieb und nur Kroos eine Anspieloption darstellte, stellte Wolfsburg zwei Gegenspieler für Ribéry ab und ließ daneben und dahinter Raum, den er bei erfolgreichem Dribbling einfach gewinnen konnte. Dieser Raum wurde bewusst offen gelassen, um das riskante und oftmals unüberlegte Dribbling des Franzosen zu provozieren.

Denn selbst wenn er an seinen Gegenspielern vorbeikam, hatte er keine Anspielstation — der Passweg zu Kroos war zugestellt, es blieb nur der Rückpass auf Lahm. So stellte Wolfsburg den Angreifer kalt. Ähnlich sah die Verteidigungsstrategie auf der anderen Flanke aus, dort blieb Robben jedoch schon oft im Dribbling hängen.

Kaum Kombinationen

Ohne die beiden Flügelspieler fanden die Bayern nie zu einem flüssigen Kombinationsspiel. Gerade weil die beiden Superstars oftmals an der Grundlinie blieben, war das eigene Aufbauspiel viel zu breit, als dass der Rekordmeister hätte, zu einem Kurzpassspiel ansetzen können. Dass eine Standardsituation die Führung bringen musste, war Zeichen der mangelhaften Kreativität.

Letztlich blieb die große Wiedergutmachung aus, stattdessen schleppten sich die Münchener zu diesem Arbeitssieg. Gegen sicher verteidigende Mannschaften fehlt es derzeit weiterhin an der nötigen Kreativität und Spritzigkeit, um zu systematisch herausgespielten Torchancen zu kommen. Tief greifende Verbesserungen lassen sich aus diesem Spiel nicht erkennen. Natürlich sind Arbeitssiege absolut legitim und kommen auch immer wieder vor, doch mehr als durchwachsen sind die derzeitigen Leistungen nicht.

Wolfsburg kann mit dem eigenen Spiel zufrieden sein, welches man über 60 Minuten ziemlich sicher durchbrachte und nur durch einen Freistoß verlor. Sie zeigten vollen Einsatz im Angriff und hatte einige Chancen — kein Zauberfußball, aber schnörkellos und funktional.

Natürlich können sich Fußballpuristen darüber beschweren, dass die Wolfsburger sich fast vollständig aufs Verteidigen beschränkten. Allerdings trifft dies auf nahezu alle Teams zu, die auf Bayern München treffen, weshalb es deren Aufgabe ist, tief stehende Abwehrreihen zu knacken. Im Moment haben sie damit herbe Schwierigkeiten. Jupp Heynckes — Sie sind gefragt!

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