Spielverlagerung

4-2-3-1 war gestern

Ist Bayern-Trainer Jupp Heynckes wirklich ratlos?

Die Beschreibung von Formationen durch Zahlenreihen sind eine zwiespältige Sache: Einerseits erlauben sie, auf einfache Weise die räumliche Anordnung klar festzulegen. Andererseits vereinfachen solche Zahlengebilde die tatsächliche Anordnung auf dem Platz.

Kaum ein Team, das nominell in einem 4-2-3-1 aufgestellt ist, agiert dauerhaft in dieser Formation.

Ein Beispiel hierfür ist der BVB. Kommentatoren reden gerne vom "klassischen 4-2-3-1-System", wenn es um Klopps Team geht. Dabei ist diese Anordnung meist nur auf dem Papier vorhanden. Grund dafür ist die flexible Rolle von Kagawa: Bei gegnerischen Ballbesitz ist er oft neben Lewandowski zu finden. Dortmunds berühmt berüchtigtes Pressing findet so meist im 4-4-2 statt.

Bei eigenem Ballbesitz fällt Kagawa hingegen weit zurück, gegen Nürnberg am Wochenende war er sogar hinter den Sechsern zu finden. Hier ist die Anordnung im zentralen Mittelfeld eher einem 4-1-4-1 gleich. Auf dem Papier mag das 4-2-3-1 stimmen - auf dem Feld ist es Nonsens.

Der FC Barcelona und das fluide Spiel

Die Verwendung von verschiedenen Systemen in der Verteidigung und bei Ballbesitz ist dabei keine Erfindung von Jürgen Klopp. Fließende Übergänge zwischen einzelnen Spielsystemen sind elementar im modernen Fußball. Der FC Barcelona, das taktische Vorbild für viele Teams, macht es vor: Durch die ständigen Rochaden und Positionswechsel ist es unmöglich, ihnen eine feste Formation zuzuordnen. Mal agieren sie im 4-4-2, in der nächsten Situation im 3-5-2, oft gar ohne echten Mittelstürmer.

Durch die lose Anordnung zwingen die Barca-Akteure ihre Gegenspieler, deren Positionen zu verlassen, wodurch Lücken in der Defensivordnung freiwerden. In einer Zeit, in der taktisch disziplinierte Teams mit zwei Viererketten die Defensive abriegeln, ist das Öffnen der Räume wichtiger denn je.

Bayern mit starrem System

Wenn eine Mannschaft hingegen nur eine Formation anwendet, kann ihr Offensivspiel sehr starr werden. Der FC Bayern wird in den letzten Wochen oft mit diesen Vorwürfen konfrontiert. Ihr 4-2-3-1, das offensiv wie defensiv mit wenigen Systemwechseln interpretiert wird, hat aktuell akute Probleme, die gegnerischen Viererketten zu öffnen.

Es ist kein Zufall, dass die drei Münchener Treffer der Rückrunde nach Standardsituationen fielen. Dem Gegner wird es einfach gemacht, die gegnerischen Verteidiger zu doppeln, Bewegung und Rochaden im Offensivsystem sind Mangelware. So werden die Angriffe des Rekordmeisters ausrechenbar.

Mehr flexible Systeme, weniger starres Spiel

Der Trend geht daher weg vom starren Spielsystem hin zum flexibleren Spiel. Selbst die Mannschaften, die eher auf die klassische Variante zurückgreifen, setzen nicht auf das 4-2-3-1. Viele Teams, gerade Konterteams, setzen auf die Vorteile des 4-4-2 (zweite Anspielstation in der Spitze bei schnellen Gegenstößen).

Teams mit sattelfester Defensive, wie der 1. FC Nürnberg, kommen aus einem 4-1-4-1 und schließen die Spielfeldmitte mit drei zentralen Mittelfeldspielern.

Jahrelang reichte als taktische Analyse ein "Team XY spielt das übliche 4-2-3-1".
Doch die aktuellen Beispiele zeigen, dass man in Zukunft genauer hinschauen muss, wenn man die Spielweise eines Teams entschlüsseln will.

Gomez auf den Flügel?

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