Sigi Heinrich

Ski-WM der Superlative

Eine traumhafte Bühne: die PlanaiBloß nicht zurückschauen. Wäre grausig.

Zumindest aus Sicht des Gastgebers der alpinen Weltmeisterschaft in Schladming.  Denn damals, 1982, dominierte die Schweiz und alleine Erika Hess gewann so viele Medaillen wie die gesamte österreichische Mannschaft.

Das sind die Stachel im Fleisch der unangefochtenen Skination Nummer eins, die immer noch schmerzen. Aber diesmal hat man vorgesorgt. Haus im Ennstal, seinerzeit noch Austragungsort der Damenwettbewerbe, ist nur noch als Beherbungsort dabei. Alles findet auf der Planai statt, zumindest alles Sportliche und endet in einem Ski-Stadion, das die Verantwortlichen der Olympischen Spiele nächstes Jahr in Sotschi vor Neid erblassen lassen wird.

Aber mit alpinem Skischwung hat Russland eh nichts im Sinn, auch wenn hier schon wieder ein Blick zurück zeigen würde, dass es nicht aussichtslos sein müsste. Wladimir Makejew wurde 1982 Sechster in der Abfahrt, die Harti Weirather gewann.

Schluss mit Erinnerungen

Wir schauen nach vorne und erleben die ungeheure und verbindende Kraft einer Ski-Weltmeisterschaft. Wolfgang Ambros und Rainhard Fendrich haben ihre Zwistigkeiten  begraben. Die Welt kann aufatmen. Ein Kriegsherd weniger. Bloß via Presseaussendung, aber immerhin haben sie zugesagt, ihre bekanntesten Lieder zu präsentieren. "I am from Austria" und "Skifoan". Muss ich, glaube ich, nicht übersetzen.

Dann kommen noch die Superlative. Gouvernator, Terminator, Herminator. Arnold Schwarzenegger und Hermann Maier. Da wird einem ganz schwindlig, zumal noch der Original-Asterix, der kürzlich nach Russland depardierte, seine Aufwartung machen wird. Ich weiß jetzt nicht, ob Gerard Depardieu, figürlich gesehen natürlich nur, Werner Grissmann (ehemaliger Abfahrer Österreichs mit leichtem Hang zu Körperfülle) Konkurrenz machen will, aber es wird klar: Ein Ski-WM ist auch eine Adabei-Veranstaltung.

Sehen und gesehen werden. Der Einkehrschwung, auf der Planai die pure Verführung mit den vielen, wirklich schönen Skihütten, ist fester Bestandteil im Lehrbuch des modernen Skilaufs. Ja überhaupt. Skifoan. Mit zwoa Brettln. Zwei. Die ersten Rennen in Schladming finden zeitgleich mit der Internationalen Sportartikel-Messe in München statt (seit dem Parallelrutschen am Olympiaberg neuerdings auch eine Wintersport-Destination, wie das neudeutsch so heißt).

Und der Umkehrschwung ist gelungen

Snowboarden ist wieder auf dem Rückzug. Skifoan ist inn. So passt Schladming perfekt. Ein Timing vom Feinsten. Und erst das Wetter. Schaut mal wieder gut aus. Es hat geschneit, es soll noch weiter schneien. Ein Juchzer auf Frau Holle. Und doch spürt man in der Steiermark auch so etwas wie bedrohliche Nervosität.

Dort wo die Schweizer Fahnen hängen zum Beispiel. Es droht gar eine Nullnummer. Und nein, wir geben Didier Cuche jetzt nicht mehr her. Der Schweizer ist Experte bei Eurosport (zusammen mit Alberto Tomba) und der Schweizer Skipräsident Urs Lehmann wäre wohl heilfroh, wenn Cuche noch aktiv wäre.

Andere dürfen mit Recht von großen Taten träumen. Tina Maze etwa oder Lindsey Vonn und ihre Slalomkollegin Mikaela Schiffrin. Oder der Norweger Axel Lund Svindal. Und nicht zu vergessen: Das German Skiteam. Mit so vielen Chancen, wie schon lange nicht mehr.

Zweigleisig fahren

Maria-Höfl Riesch, Viktoria Rebensburg, Felix Neureuther, Fritz Dopfer. Wenn das alles gut geht, muss bei der Schlussfeier Frank Wörndl (Kommentator bei Eurosport, Slalom-Weltmeister, Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen in Calgary) mit seinem ersten Song auftreten, den er rechtzeitig vor der WM aufgenommen hat. Natürlich geht es da auch um Skifahren und es ist ein Ohrwurm.

Ich werde freilich in Nove Mesto na Moravje aufschlagen, denn zeitgleich mit der alpinen Ski-WM findet doch tatsächlich die Biathlon-Weltmeisterschaft statt, wobei ich fürchte, dass die erhofften Synergie-Effekte eher ins Gegenteil umschlagen werden.

Wie dem auch sei. Weil ich schon oft in Schladming war, habe ich vor einigen Jahren einen Original Steirer-Janker (Trachtenjacke mit gefühlten zwanzig Kilogramm Gewicht) erhalten, den ich auch nach Tschechien mitnehme. So kann ich zumindest gefühlsmässig zweigleisig fahren.

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