Sigi Heinrich

Robben entlässt Heynckes?

Der Spieler und sein Chef: Robben (l.) und Heynckes (r.)

Irgendwer muss ja was zu sagen haben. Die Richtung vorgeben, Ideen einbringen, diese umsetzen und nebenbei erfolgreich sein. Trainer gefragt. Aber immer und immer wieder scheint es extrem schwierig zu sein, die Übungsleiter zu finden, die auch zum jeweiligen Arbeitgeber passen. Bloß: Das weiß ja niemand gleich zu Beginn eines Vertragsverhältnisses.

Im Fall Robin Dutt in Leverkusen gab es möglicherweise schon von Beginn an gewisse Vorbehalte. Der Trainer kam aus Freiburg, wollte höher hinaus und scheiterte möglicherweise auch an der Tatsache, dass er im Breisgau keine Grazien betreuen musste wie Michael Ballack, dessen bloße Anwesenheit in Leverkusen seinen Trainer von Anfang an unter Druck setzte. Dass er es zudem nicht schaffte, seinen Spielern klar zu machen, dass es wichtigeres gibt als sich das Trikot von Messi nach dem Spiel gegen den FC Barcelona zu sichern, war wohl letztlich der entscheidende Punkt zur vorläufigen Arbeitslosigkeit.

Hingegen war wohl Marco Kurz in Kaiserslautern für ein Team, das von Emotionen und Einsatzbereitschaft lebt, genau der passende Mann, doch zu viele Niederlagen lösen in jedem Sport den Automatismus der Entlassung aus. Das bekam auch Kurz zu spüren. So wird das immer sein und ist eigentlich schon Alltag.

Zum zahnlosenTiger geworden

Anders verhält sich die Sache, wenn einer, der mal was zu sagen hatte, plötzlich feststellt, dass es niemanden mehr interessiert, wenn er was sagt. Das hat Jochen Behle festgestellt. Er war zehn Jahre Bundestrainer der deutschen Langläufer und hat nun gekündigt. Andererseits: Wäre er Fußballcoach gewesen, dann wäre er durchaus Gefahr gelaufen, dass ihn der Deutsche Skiverband (DSV) entlässt, denn die Erfolge sind zuletzt ausgeblieben. Aber es war im Fall Behle wohl auch die Diskussion über den künftigen Weg des Langlaufs, die ohne ihn geführt wurde. Er konnte nicht mehr aktiv eingreifen. Er ist ein zahnloser Tiger geworden.

Hat hingeschmissen: Langlauf-Legende Jochen Behle

Charly Waibel hat auch aufgehört. Die zweite Größe im DSV. Ihn hätte die alpinen Skifahrer gerne behalten, doch Waibel hat auch gespürt, dass sein Leben auf der Strecke bleibt in diesem Job. Waibel setzte Prioritäten. Die Familie war ihm wichtiger. Das ist absolut nachvollziehbar, wenngleich schade für die Alpinabteilung. Bei Robin Dutt oder Marco Kurz etwa ist die Nachrichtenlage natürlich intensiver. Bei Behle und Waibel musste eine kurze Notiz reichen. Guter Rat ist übrigens in diesem Fall nicht teuer. Die Fußball-Übungsleiter haben ja meist längerfristige Verträge und werden entschädigt oder müssen einfach weiter bezahlt werden.

Da kommt der Skiverband gut weg. Schwierig ist nur die Regelung der Nachfolge. Wieder gilt es, den richtigen Coach zu finden. Wie schwierig dass ist hat vor gar nicht so langer Zeit etwa der Deutsche Volleball-Verband (DVV) erfahren müssen. Als der wohl profilierteste Coach dieser Sportart hierzulande, Stelian Moculescu, aufhörte, verpflichteten die Volleyballer mit Raul Lozano einen der sicher besten Trainer der Welt und ging dabei garantiert an die finanzielle Schmerzgrenze. Doch der kleine Argentinier fand wohl auch aus sprachlichen Gründen nie den Zugang zu seinen Athleten. Er ist nach verpasster Olympiaqualifikation schon wieder Geschichte. Manchmal muss man auch zu seinem Glück gezwungen werden.

Der Sportler zahlt, der Sportler schafft an

So werden sie das wohl derzeit in Freiburg sehen, wo der Nachnachfolger von Robin Dutt mit Christian Streich der Mann ist, der als Nachwuchstrainer immer und immer wieder dem Bundesliga-Team Talente zuführte. Jetzt darf er endlich die Früchte seiner Arbeit ernten. Streich kennt den Club wie wenige. Er kennt jeden Spieler. Er kommt nicht von außen, sondern ist ein Insider. Das kann mitunter eine perfekte Wahl sein, auch wenn in den meisten Fällen der Prophet im eigenen Lande nichts gilt. Glücklicherweise gibt es Ausnahmen und ich habe den Eindruck: Es werden immer mehr.

Die Tischtennisfunktionäre haben Jörg Rosskopf mit dem Bundestrainerjob betraut. Er war selbst erfolgreich. Er kommt an. Er ist noch jung und doch erfahren genug. In anderen Sportarten ist alles ganz anders. Da sitzt schlicht der Sportler am längeren Hebel. Tennisspieler sind selbstständige Unternehmer. Von ihren persönlichen Einnahmen müssen sie auch ihre Trainer bezahlen. Bleibt hier der Erfolg aus, entlässt der Sportler den Coach. Auch bei den Eiskunstläufern, die wir ja unlängst noch einmal bei der Weltmeisterschaft in Nizza beobachtet haben, verhält sich die Sache ähnlich. Die Aktiven suchen sich den nach ihrer Meinung nach besten Trainingsplatz aus.

Egal wo immer sich die erfolgversprechenden Trainer und Choreographen auch aufhalten. Extreme Ortswechsel werden dabei in Kauf genommen. Und wenn es nicht klappt: Auf zu neuen Ufern. Der Sportler zahlt, er schafft an. Das ist nicht immer einfach. Für beide Seiten. Soviel Macht haben Fußballspieler natürlich nicht. Schließlich werden sie bezahlt und das meist fürstlich und auch der Trainer bekommt ja sein Salär vom Verein. Könnten die Kicker so reagieren wie die Tennisspieler oder Eiskunstläufer hätten wir morgen wohl folgende Schlagzeile: Arjen Robben entlässt Jupp Heynckes.

Herzlichst,

Euer Sigi Heinrich

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