Sigi Heinrich

Ohne Plan ins Desaster

René Adler bei der 2:9-Pleite in MünchenZwischen den Zeilen gab es viel Aufschlussreiches zu erkennen nach dem Spiel des FC Bayern gegen den Hamburger SV. Lob für den Torwart. Für den HSV-Keeper wohlgemerkt. Er habe, so die überwiegende Einschätzung, ein zweistelliges Ergebnis verhindert. Heißt also im Umkehrschluss: Er hat gut gehalten, hat seine Sache gut gemacht. Wie es drinnen aussieht, wird vermutlich das Geheimnis von René Adler bleiben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer, der für 90 Minuten als Schiessbude der Nation in Erscheinung trat, eine ruhige Nacht verlebt hat, zumal das seine Position in der Nationalmannschaft ja kaum verbessern dürfte. 2:9. Das ist auch das Ergebnis im Duell der beiden besten deutschen Torhüter.

Neuer und der Strafraum

Adler bleibt die Nummer zwei. Ein klarer Sieg demnach auch noch so nebenbei für Manuel Neuer, der bei genauer Analyse aber auch ein paar kleine Schrammen abbekommen hat. Er verlässt bei Eckbällen nicht gerne seine Torlinie, klärt die Situation eines gegnerischen Kopfballes selten vor seiner Entstehung. Auch deshalb sind die Bayern im eigenen Strafraum bei Kopfbällen anfällig. Auch deshalb kassierten die Münchner zwei Gegentore. Aber in Spielen, in denen vorne die Reserve neunmal trifft, interessiert das nicht wirklich, auch wenn die Wirkung durchaus nicht zu verachten ist. Gerade vor dem Match gegen Juventus Turin wurden den Bayern bei ihrem historischen Sieg Schwachstellen aufgezeigt.

Derweil wissen die Hamburger vermutlich gar nicht, wo sie anfangen sollen bei der Analyse dieser Pleite. Bei Trainer Thorsten Fink wird dieses Match jedenfalls Spuren hinterlassen, denn die Aussage von Heiko Westermann ist unverhohlene Kritik und schwächt garantiert die Autorität von Fink, der in Hamburg noch immer nicht hundertprozentig angekommen ist. Zu sehr fehlt noch seine Handschrift, eine nachvollziehbare Linie, eine klare taktische Ausrichtung. Gerade das hat Westermann bemängelt. Er hat nicht deutlich gesagt, dass es keine Marschrichtung gab aber das war ja zu sehen. Die Hamburger wollten, so Westermann, versuchen mitzuspielen. Schön. Aber auch schön naiv. Ich gebe zu, dass ich das nicht nachvollziehen kann. Der HSV hat nur die Bundesliga. Fink hatte mithin alle Zeit der Welt, seine Mannschaft gegen die Bayern einzustellen. Er hätte auch alle personellen Alternativen einplanen können. Die des Gegners wohlgemerkt. Aber so wie seine Mannschaft auf den Plan trat, hatte sie keinen. Und das ist schon ziemlich fahrlässig. Und schon geht's los. Mit den Durchhalteparolen. Fink ist weiter unser Mann, lässt Sportdirektor und Vorstandsmitglied Frank Arnesen verlauten.

HSV braucht eine klare Analyse

Vorsichtig Herr Fink, das klingt nicht gut. Aber klar ist wohl auch: Nach einem solchen Debakel kann man nicht von heute auf morgen wieder zur Tagesordnung übergehen. Ein 2:9 ist einfach nicht normal und verschwindet nicht wie ein böser Traum. Das Ergebnis steht für immer in der Statistik. Es bleibt unvergessen. Es ist ein tiefschwarzer Punkt, auch in der Karriere des Thorsten Fink, der als Spieler einst 150 Bundesligaspiele für den FC Bayern absolvierte. Was ich vermisse, ist auch ein sein Eingeständnis, als Trainer an diesem Wochenende versagt zu haben. Aber vielleicht passiert das in der internen Aufbereitung. Es wäre dem HSV jedenfalls zu wünschen, dass jetzt Ross und Reiter genannt werden, denn sonst kann eine solche Schlappe auch eine fatale Langzeitwirkung haben.

Herzlichst

Euer Sigi Heinrich

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