Sigi Heinrich

Ohrfeige statt “Traumgehälter”

Nobert Lammert Seite an Seite mit Löw und PlatiniNobert Lammert Seite an Seite mit Löw und Platini

Man macht sich ja doch irgendwie im Lauf vieler Jahre ein Bild von einem Politiker. Von wichtigen sowieso, zumindest was die Position betrifft. Norbert Lammert zum Beispiel. Ist Bundestagspräsident. Das ist durchaus ein hohes Amt.

Zur Erinnerung. Er kommt damit gleich nach dem Bundespräsidenten, zumindest laut Verfassung aber natürlich nicht kraft Wassersuppe, denn die ist mitunter ziemlich dünn. Er muss seine Parlamentarier halt disziplinieren und ich dachte  immer: Der Mann kann das. Wirkt integer, versteht sein Amt und beeindruckt durch eine natürliche Autorität.

Perfekt eigentlich für ein wichtiges und doch am Ende ziemlich blutleeres Amt. Aber Lammert ist natürlich auch Politiker und so hat er jetzt mal seinen Senf zur neuen Eintreibungsgebühr für das öffentlich-rechtliche Fernsehen gegeben, wobei er – höchst erstaunlich – dann irgendwann die Meinung kund tat, dass die Gehälter der Sportler zu hoch seien.

Sogar von "Gehaltsexzessen" war die Rede. Wenn ich das also alles richtig verstanden habe, dann ist da einer schwer neidisch vor allem auf die kickende Elite in diesem unserem Land, dessen Bewohner sich schon seit jeher schwer mit damit tun, dem Nachbarn das neue Auto auch wirklich von Herzen zu gönnen.

Und woraus nun zieht der Chef der Parlamentarier sein Urteil? Er denkt, weil die Sportrechte so teuer sind, steigen mithin die Gehälter, wobei sich die Sportrechte nur leisten kann, wer hohe Gebühren kassiert. Will also heißen, dass durch die hohen Einnahmen an Fernsehrechten die Vereine eben in der Lage sind, "Traumgehälter" (Lammert) zu bezahlen.

Aber sitzt er meines Wissens nicht in einem Gremium, dass eine gewisse Steuerfunktion besitzen sollte, was mit all diesen Gebühren (die nirgends in Europa derart hoch sind) geschehen kann? Bildungsauftrag, Informationsauftrag usw.

Dazu gehört auch der Sport, keine Frage. Was aus dem Ruder läuft, ist die Kluft zwischen Fußball und allen anderen Sportarten. Alle  lechzen nur nach den Filetscheiben, was marktwirtschaftlich wohl auch vernünftig erscheint. Aber die Vielfalt des Sportes müsste eigentlich auch in ihrer Präsentation gewährleistet sein. Das sollte auch das Ansinnen der Bundesregierung sein.

Dann nämlich würde die Schere etwas kleiner sein. Der ziemlich harsche Hinweis von Lammert auf die Traumgehälter der Sportler ist im Grunde eine Ohrfeige für die weitaus überwiegende Anzahl an sogenannten Amateursportlern. Ruderer, Fechter, Turner und viele mehr, ob in Sommer- oder Wintersportarten aktiv, kommen wirklich nur mehr schlecht als recht über die Runden.

Der Sport, das zeigt die plakative Aussage von Lammert, wird in der Bundesrepublik als Spielwiese für alle gesehen. Er ist dem Innenministerium zugeordnet und müsste doch längst ein eigenes Ministerum besitzen, das genügend Aufgaben meistern müsste. Von der Spitzensportförderung über den Breitensport zum Schulsport und zur allgemeinen Gesundheitsvorsorge durch Sport in den vielen Vereinen, die zudem eine nicht zu unterschätzende Säule in unserem Gesellschaftssystem bilden.

Aber wenn es um Sport geht, wollen alle mitreden und dann ja auch brav auf den Tribünen zu sitzen im nächsten Halbfinale um den Jungs mit den Traumgehältern die Daumen zu drücken. Bei freiem Eintritt natürlich und vielleicht sogar als Dienstreise ausgewiesen.

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