Sigi Heinrich

Von Busfahrern, “Hanni” und Daum

Mannschaftsbus Borussia DortmundDie Münchner Bayern sind in Doha. Recht haben sie. Sauwetter hierzulande. Felix Magath ist vermutlich noch in irgendeinem riesigen Einkaufszentrum in der Hoffnung, dass ihm noch das eine andere Nachweihnachtsschnäppchen über den Weg läuft (50 Prozent beträgt jetzt der Nachlass für den ganzen Christkindlplunder).  Die weißblauen Löwen in der zweiten Liga bereiten sich auf den Aufstieg vor und weil sich die aufopferungsvollen Augsburger noch fangen, der Club sowieso eine Serie startet (erst Leverkusen, dann Lebkuchen, so wird motiviert heutzutage) wird die Bundesliga bald die höchste bayerische Spielklasse werden (Greuther Fürth kommt auch noch, so wie jedes Jahr). Das ist gut, das mindert die Fahrkosten erheblich.

Franken und Schwaben sind Münchens Ausläufer

Vermutlich hätte Edmund Stoiber im Transrapidwahn, der ihn im Ausklang seiner politischen Arbeit heftig befiel, jetzt eine Trasse über Augsburg nach Nürnberg und weiter nach Fürth vorgeschlagen. Dann wären praktisch Schwaben und Franken Ausläufer der oberbayrischen Weltstadt München. So geht das heutzutage in der globalen Welt. Von wegen in die Ferne schweifen (Trainingslager ausgenommen) wo das Gute doch so nach liegt, ja immer näher rückt. In Dortmund haben sie diesen Vorteil schließlich schon lange mit ihren kurzen Entfernungen, für die dann allerdings auch nicht die öffentlichen Verkehrsmitteln genommen werden.

Vermutlich weiß Mario Götze aber auch gar nicht, wie man so eine Fahrkarte abstempelt, was in Ordnung ist. Er fährt wie alle Bundesligisten im Vereinsbus in den Vereinsfarben vor, wobei die Borussia da scheinbar ein Problem hat. Ich will ja nicht bösartig sein. Aber die Münchner Bayern — Vorbild auch da -  haben ihren Bus ein gefühltes Jahrhundert lang von Rudi Egerer steuern lassen. Der Rudi war mindestens so wichtig wie die vielen Trainer und Spieler, die er in seiner Eigenschaft als Chauffeur erlebt hat. Und später hatten die Münchner, fortschrittlich wie sie halt sind, sogar mal eine Chauffeuse (ein schönes Wort, fast ausgestorben). Die konnte den Bus auch sauber einparken, was den Dortmunder Fahrern augenscheinlich selten gelingt. Kratzer hier, Delle dort. Ich meine drei Buslenker in der letzen Zeit: Das ist  ein Hammerverschleiß  auf dieser wichtigen Position. Das hat Klopp noch nicht im Griff. Das stimmt die Zuordnung hinten und vorne nicht. Mit einer derart anfälligen Taktik wird er nicht Deutscher Meister werden.

Es ist einfach heutzutage so: Man muss alles können. Frag nach bei den Technikern der deutschen Biathleten. Von wegen bloß Fluor und Schliff und Wachs. Ohne LKW-Führerschein darfst Du heutzutage keine Ski mehr testen, denn schließlich muss der Wachs-Truck (ein neuer Name ist also entstanden) von Oberhof (Thüringen, Mitte Deutschlands)  nach Nove Mesto na Moravje (Tschechei)  und dann weiter nach Antholz (Südtirol, Norden Italiens) gefahren werden. Mindestens. Und parken sie dieses Monstrum mal vernünftig ein. Zum Glück kommt keiner der Wachsler (wie man sie so liebevoll nennt) aus Dortmund. Das wäre ein Theater.

Tadel für Hannawald und Skibbe

Apropos Theater. Ich dachte  echt, ich bin im falschen Film, als der von uns bislang so geschätzte Sven Hannawald nach dem zweiten Sieg von Gregor Schlierenzauer doch tatsächlich klar und deutlich machte, dass er schon hoffe, dass vielleicht Kofler (auch ein Österreicher, immerhin) noch in Form kommt damit er der Einzige bleiben könne, der alle vier Springen der Tournee gewonnen hat. Kam Hannawald zu nahe an einen Sylvesterböller? Ich hätte erwartet, dass er zum Beispiel sagt: „Mensch, wird ja Zeit, dass mal wieder einer meinen Erfolg wiederholt. Ist ja immerhin zehn Jahre her. Da drück ich dem Ösi jetzt die Daumen." Ganz im Gegenteil. Daumen nach unten für Hannawald.

Und nachgetreten hat auch der von mir bislang so geschätzte Herr Skibbe. Er hat es sich neujahrsumnebelt nicht nehmen lassen, darauf hinzuweisen, dass seiner Meinung nach die Frankfurter Eintracht mit ihm als Trainer nicht abgestiegen wären. Ein Seitenhieb noch schnell auf den Kollegen Christoph Daum, der erstaunlicherweise ziemlich unbeschadet das Frankfurter Desaster überstanden hat und dann kurzfristig mal als österreichischer Bundestrainer gehandelt wurde. Das hat leider nicht geklappt. Der Unterhaltungswert wäre unschlagbar gewesen (Vermutlich wäre eine neue Doku-Soap — heißt das so? — entstanden).  Unsere Nachbarn sind halt doch schlauer als wir manchmal glauben. Sie fallen doch nicht auf jeden selbsternannten Motivationskünstler herein (Nicht an die Vergangenheit denken!)  Stattdessen soll ein braver Schweizer für neuen Schwung mit dem Ball sorgen. Das hätte ich auch nie für möglich gehalten. Ehrlich. Dass ein Schweizer Österreichern beibringt, wie man sich taktisch auf einem Fußballfeld verhält. Na ja. Erinnerungen halt. Schweiz hat bei der Weltmeisterschaft Spanien, den späteren Champion, besiegt. Aber jetzt geht es erst einmal in wintersportlichen Disziplinen gegeneinander und was die Vierschanzen-Tournee betrifft: Ich hoffe auf Gregor Schlierenzauer. Das wäre wirklich genial. Ich wünsche ihm und den künftigen Busfahrern in Dortmund viel Glück und allen noch ein Gutes Neues Jahr.

Herzlichst,

Euer Sigi Heinrich

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