Sigi Heinrich

Bayern gebührt Europas Krone

Bayern träumt vom

Es ist keine gute Auslosung gewesen. Wirklich nicht. Denn jetzt, wo die vielen Statistiken bemüht werden, kommt zum Vorschein, dass es nie gut war, wenn der FC Bayern gegen Real Madrid zuerst zuhause in München antreten musste.

In drei von vier Fällen nämlich, in denen sie aus dem Wettbewerb ausgeschieden sind, zogen sie gegen das weiße Ballett den Kürzeren, wenn diese zuerst in der Landeshauptstadt antraten. Und noch ein Zahlenspiel.

Alle bisherigen sechs Niederlagen gegen die Madrilenen kamen in Spanien zustande. Das heißt also schlicht und einfach: Es muss schon im ersten Spiel dem Namen alle Ehre gemacht werden, den die Münchner auf der iberischen Halbinsel verpasst bekamen: Die schwarze Bestie. Klingt auf spanisch noch schöner. "Bestia negra".

Werden wir also ein bestialisch schönes Spiel sehen oder geht den Münchnern jetzt schon die Düse? Von großem Selbstvertrauen in die eigene Mannschaft zeugte der Auftritt gegen Mainz nicht. Die halbe Stammelf saß zunächst auf der Bank. Schonen hieß das Motto. Schonen für was? Für ein weiteres Fußballspiel ein paar Tage später?

Angsthasencharakter beim FCB

Hat Real nicht gemacht. Özil hat gegen Gijon gespielt bei einem übrigens souveränen 3:1 Sieg. Ronaldo auch. Er hat sogar sein 41. Tor in dieser Saison erzielt. Das nenne ich die wahre Vorbereitung. Die Münchner hätten sich doch gegen Mainz auch in Schwung spielen können, anstatt wieder mal ihren Holperfußball zu bieten, der das Eintrittsgeld wirklich nicht wert war.

Stattdessen also Schonung. Ist natürlich auch eine Herangehensweise, klingt aber nicht überzeugend. Haben die Herren Gomez, Ribéry oder Lahm nicht genug Luft für zwei gute Auftritte? Ich weiß natürlich, haben sie. Aber die Außenwirkung hatte Angsthasencharakter und zeigte vor allem, dass man sich in der Bundesliga ins Unvermeidliche gefügt hatte. War aber wohl realistisch.

Bayern gebührt Europas Krone

Es ist ja nicht einfach bloß ein Fußballspiel, die Begegnung zwischen Bayern und Real. Es ist ein Machtkampf um Europas Krone, bei dem ich grundsätzlich die Münchner übrigens sowieso vorne sehen. Sie sind die nämlich schon lange besser als alle anderen Halbfinalisten.

Wie stehen denn die Konkurrenten bitteschön da? Erbärmlich eigentlich. Chelsea wäre ohne die Zuwendungen von Abramovic nicht wettbewerbsfähig. Und Real sowie Barcelona sind alles andere als gesunde Vereine. Sie sind eigentlich bankrott wie die gesamte spanische Liga und wie vermutlich sogar der spanische Staat.

Die immensen Steuerschulden der Fußballclubs werden nie und nimmer zurückgezahlt werden. Und um die besten und mithin teuersten Spieler zu verpflichten, verscherbeln sowohl Real als auch Barcelona regelmäßig ihr Tafelsilber. Der FC Bayern München hat es mit gediegener schwäbischer Mentalität immer geschafft, auf gesunden Beinen zu stehen.

Man hat auch in der Säbener Straße durchaus schon mal überdurchschnittlich viele Euros in die Hand genommen, um sich vermeintlich zu verstärken. Einige Flops waren auch darunter - aber das ist normal und unvermeidbar. Aber nie haben die Münchner ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit außer Acht gelassen.

Wenn es einen Schlüssel gäbe zwischen Ausgaben, Einnahmen und Erfolgen: Der FC Bayern würde mit Riesenabstand diese Tabelle anführen, weit vor allen englischen, spanischen oder italienischen Vereinen.

Mourinho vor Rekord?

Aber leider: Das interessiert letztlich dann doch niemanden. "Geld schießt Tore" heißt es so schön. Ronaldo und Messi bestätigen dies im Augenblick auf nachdrückliche Art und Weise. Deshalb ist die Auseinandersetzung für die Münchner mit Real und hoffentlich dann mit Barcelona oder Chelsea so bedeutend. Sie wollen zeigen, dass es auch mir ihrer Art funktioniert, große Erfolge einzufahren. Mit klugem Geschäftsgebaren und ohne den Verein in eine Schuldenkrise zu stürzen.

Das ehrt die Münchner schon seit Jahren und machte sie zweifellos zu dem Vorzeigeverein Europas. Deshalb wäre es wirklich schön und das meine ich ehrlich so, wenn es ihnen gelingen könnte, in diesem Jahr zuhause den Topf mit den großen Henkeln zu gewinnen.

Dabei könnte dem FC Bayern vor allem einer in die Suppe spucken, der gar nicht mitspielt aber seit Jahren in Europa polarisiert wie kaum ein anderer. Jose Mourinho.

Gewänne er mit Real die Champions League, wäre er der Portugiese der erste Trainer, dem dies mit drei verschiedenen Vereinen gelungen wäre (FC Porto und Inter Mailand stehen schon auf seiner Liste).

Daumendrücken!

Allerdings hat Real Madrid genauso viel zu verlieren wie die Münchner. Zwar steht man in der Primera Divison noch immer vor Barcelona, aber internationale Meriten fehlen auch schon lange. Und so ist das auch ein Duell der Trainer, denn wenn jemand das Innenleben von Real Madrid kennt, dann Jupp Heynckes, der die Königlichen auch schon trainiert hat.

Machen wir es diesmal so. Ergreifen wir Partei. Drücken wir den Münchnern  kräftig die Daumen. Sie haben es verdient.

Herzlichst,

Euer Sigi Heinrich

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