Sigi Heinrich

2013: Sportjahr der Superlative

Schön langsam läuft es sich ein, das neue Jahr. Nicht ganz so gemächlich, wie gewünscht, weil es geht ja schon wieder Schlag auf Schlag. Felix Neureuther schwingt parallel zum ersten Weltcupsieg in dieser Saison, der Youngster Andreas Wellinger wird bei der Vierschanzentournee auf einmal bester Deutscher. Das ist doch ein Auftakt, der das Herz erwärmt.

Was sonst noch kommt? Die Fußball-Auswahl hat endlich mal gut lachen. Es steht kein großes Turnier bevor und somit wird es auch keine Niederlage im Halbfinale geben und der Traum vom Titel für die Supergeneration der flinken Ballartisten kann weiter aufrechterhalten werden.

Nächstes Jahr dann in Brasilien, aber dazu kommen wir natürlich noch, spätestens nach der Auslosung, an der nach Lage der Dinge Joachim Löw teilnehmen darf. Es sei denn, Schweden und Österreich erweisen sich noch als Spielverderber, was bitteschön durchaus möglich ist. Früher, als auch bei den Handballern das Leben noch lebenswert war, begann ein Jahr auch mal mit einem Titel.

Das ist Geschichte. Der Handball-Hype hat sich fast in Luft aufgelöst. Das Überstehen der Vorrunde wird jetzt als lohnenswertes Ziel ausgegeben. Das ist schon heftig wenig. Wer aber wird einspringen, um Deutschlands Sportehre zu retten? Die Schwimmer sind in London böse bade gegangen und dürfen im schönen Barcelona Wiedergutmachung betreiben. Die Leichtathleten verschlägt es nach Moskau. Auch zu Weltmeisterschaften mit immerhin ganz ordentlichen Aussichten im Wurf-und Sprungbereich.

Reich an Höhepunkten

Der Sportkalender ist jedenfalls voll bis unter die berühmte Hutschnur. Weltmeisterschaften gibt es alleine bis Ende Februar im Schnee für Biathleten, Skispringer, Alpine, Snowboarder und Freestyler. Und zwischendurch noch die gesamte Palette aller traditionellen Weltcuprennen. Da heißt es, ganz genau planen, um nichts zu versäumen. Und an dieser Stelle habe ich es besonders leicht, denn ich kann im Brustton der Überzeugung Werbung für unseren Arbeitgeber machen.

Eurosport überträgt auf allen Plattformen fast alles, was sich auf den vielen sportlichen Spielwiesen so tut. Meist direkt, meist richtig live und weil wir wissen, dass hin und wieder auch der Arbeitsprozess bedient werden muss, gibt es bei uns mehrfach Wiederholungen zu verschiedenen Sendezeiten. Ehrlich.

Das hat schon was und wenn ich nicht bei Eurosport arbeiten würde, ich wäre ein Fan der Vielseitigkeit der Übertragungen des einzigen paneuropäischen Senders. Unsere besondere Position ist auch unsere Stärke, manche sagen auch, es sei auch eine Schwäche von uns, weil wir nicht so sehr auf die nationale Karte setzen.

Setzen können, wohlgemerkt, denn wir Kommentatoren fühlen, denken und agieren eher europäisch ausgerichtet, wenngleich natürlich in deutscher Sprache. Uns liegen Sportler aus Ostösterreich, aus der Schweiz oder Italien (Südtirol) ebenso am Herzen wie Aktive mit einem deutschen Ausweis. Den Sehgewohnheiten des deutschen Publikums mag das mitunter befremdlich erscheinen. Ich verstehe das sehr wohl und kann das durchaus nachvollziehen, freue mich aber natürlich über jeden Fan, der auch mal bei uns vorbei schaut.

100 Jahre Tour de France

Und dazu gibt es auch andere gute Gründe, denn viele große Events gibt es nur bei uns. Die Australien Open im Tennis etwa oder auch die Tour de France, die ihr einhundert jähriges Jubiläum feiert, was im Grunde auch schon ein kleines Wunder darstellt, denn eigentlich hat die Tour mitsamt ihren Protagonisten längst allen Kredit verspielt.

Dass wir trotz aller Skandale und einem Dopingwahn, wie er nie vorstellbar war, der Tour die Treue gehalten haben, mag einigen missfallen haben, aber die vielen, die mit reinem Herzen dabei sind (ich hoffe, die gibt es noch), sollten nicht von den Armstrongs dieser Welt total in die Enge und in die Bedeutungslosigkeit getrieben werden. Deshalb verfolgen wir die Tour wie fast alle anderen Radrennen auch in diesem Jahr wieder mit allen Flachetappen, Sprintwertungen und Bergankünften.

Eigentlich hätte es ja ein sogenannter witziger, frotzelnder, frecher und sarkastischer Blog-Post werden sollen. Und ursprünglich wollte ich ja auch über den runden Tisch berichten in einem französischen Restaurant ganz in der Nähe der spanischen Grenze, zu dem sich eine erlesene Gruppe ehemaliger Radsportler treffen wollte. Zum Mittagessen soll es ein schönes Stück Steak geben mit nachgewiesener Herkunftsbezeichnung natürlich. Den Vorsitz des Meetings hat Alberto Contador, ein guter Freund des Besitzers der Kneipe. Ärztlicher Betreuer ist Eufemiano Fuentes, der auch gerne Cocktails mischt und die Öffentlichkeitsarbeit übernimmt Lance Armstrong.

Als erster Tagesordnungspunkt steht die Gründung einer Stiftung auf dem Programm. Floyd Landis will auch kommen, aber nicht zu nahe bei Armstrong sitzen. Auch Jan Ullrich ist angekündigt und Frank Schleck erwägt auch eine Teilnahme. Ist immer schön, Erfahrungen mit alten Kumpels auszutauschen.

Wir halten sie auf dem Laufenden, kümmern uns aber derweil um Biathlon und Langlauf, um Skispringen und Tennis. Und um so vieles mehr. Ist einfach schön so, und von denen, die ständig glauben, betrügen zu müssen, lassen wir uns den Spaß nicht verderben.

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