Rolf Kalb

Das Turnier der Champions

Das Kribbeln wird stärker. Die UK Championship ist nicht irgendein Turnier: Es ist eines der bedeutendsten Turniere im Snooker-Kalender. Es ist vor allem aber eines der Turniere mit der längsten Tradition. Seit 1977 wird die UK Championship ausgespielt; nur die Weltmeisterschaft hat eine längere Geschichte. Und es ist ein Turnier, das eigentlich immer Top-Sport garantiert. Mag sein, dass die Tradition dabei eine Rolle spielt oder aber auch die langen Distanzen; höchstwahrscheinlich kommt alles zusammen. Nicht umsonst hat es schon in der Qualifikation zwei Maximum-Breaks durch Andy Hicks (der sich noch nicht einmal qualifiziert hat) und Jack Lisowski gegeben.

Natürlich kann man im Vorfeld auch wieder trefflich über die Titelchancen der einzelnen Spieler spekulieren. Kann Judd Trump erneut in York triumphieren? Schafft Mark Selby endlich mal wieder einen großen Wurf? Wie steht es um John Higgins, Shaun Murphy, Mark Allen oder die anderen, die sich berechtigte Chancen machen? Das ist aber am Ende eigentlich ja alles nur Kaffeesatz-Leserei. Lediglich ein Tipp erscheint nicht allzu gewagt: Der Sieger am 9. Dezember wird einer aus dem Kreis der großen Champions sein.

Nicht das Turnier für Überraschungssieger

Die UK Championship ist nämlich nicht gerade das Turnier für Überraschungssieger. Aber es gibt eine Reihe von Spielern, die die UK Championship geprägt haben, deren Karrieren aber ebenso durch die UK Championship geprägt worden ist. Einer davon ist Steve Davis. Der hat als junger, leicht rothaariger Schlacks bei der UK Championship 1980 seinen ersten Titel geholt (damals allerdings war die UK Championship noch kein Ranglisten-Turnier, weil sie nur offen für Spieler aus dem Vereinigten Königreich war). Von 1980 bis 1987 stand er sieben Mal im Finale und gewann sechs Mal den Titel. Damit ist er heute noch Rekord-Champion. Da passt es, dass er 2005 bei der UK Championship auch sein bisher letztes großes Finale erreicht hat.

Ein anderer großer Spieler, dessen Karriere ebenfalls eng mit der UK Championship verbunden ist, ist Stephen Hendry. Als der zum ersten Mal UK Champion wurde, da war das zwar nicht sein erster Titel (sondern sein fünfter), aber sein 16:12 über Steve Davis im Finale von 1989 markierte den endgültigen Wachwechsel. Wenige Monate später holte der Schotte auch prompt seinen ersten WM-Titel und übernahm die Führung in der Weltrangliste. Und auch für Hendry schloss sich der Kreis bei der UK Championship: Sein 6:10 im Endspiel 2006 war das letzte Finale seiner Karriere.

Auf und Ab bei Ronnie O'Sullivan

Höhen und Tiefen gleichermaßen markierte die UK Championship in der Karriere von Ronnie O'Sullivan. Sein Triumph 1993 mit 10:6 über Stephen Hendry war der erste Titel für den damals 17-Jährigen, der zu diesem Zeitpunkt erst in seiner zweiten Saison als Profi war. Damals übrigens hat er nach dem Erfolg seinem Vater im Gefängnis den Pokal präsentiert. Seinen vierten und bislang letzten Titel bei der UK Championship holte er 2007, als er Stephen Maguire im Endspiel mit 10:2 komplett auseinander nahm. Die andere Seite von Ronnie O'Sullivan hatte er im Jahr zuvor gezeigt, als er im Viertelfinale der UK Championship bei 1:4 gegen Stephen Hendry plötzlich das Match aufgab und die Arena verließ.

Die Reihe ließ sich noch lange fortsetzen. Die UK Championship ist halt nicht einfach nur ein normales Turnier. Da ist das Kribbeln im Vorfeld nur allzu verständlich. Ich freue mich auf die neun Tage.

Herzliche Grüße und viel Spaß,


Ihr / Euer Rolf Kalb

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