Rolf Kalb

Das hat Spaß gemacht, Luca!

Hallo Snooker-Fans,

auch wenn Luca Brecel sich gestern im Viertelfinale von der UK Championship verabschiedet hat: Seine Auftritte in York haben mir viel Spaß gemacht. Und das lag nicht nur daran, dass er einige Gegner geschlagen hat, die in der Rangliste weit vor ihm stehen. Das lag vor allem daran, wie er seine Matches gewonnen hat - und es lag auch an der Art und Weise, wie er sowohl mit Sieg als auch mit Niederlage umgegangen ist. Das war sehr reif.

Sein Talent ist unbestritten, ebenso die Tatsache, dass er nachhaltige Spuren im Snooker hinterlassen kann. In York hat er vielleicht nicht alles in Sachen Lochspiel und Breakbuilding gezeigt, was er kann, aber es war für ihn ja eine ungewohnte und nicht unbedingt einfache Situation. Sein taktisches Spiel war dagegen reifer als ich es bisher bei ihm beobachtet habe.

Nach oben, rasant nach oben!

Auch nach der Niederlage verfiel er weder in Euphorie ob des Erreichten, noch in Depression wegen der dramatischen Niederlage. Erstaunlich abgeklärt war sein Fazit. Das Viertelfinale gegen Shaun Murphy sei ein sehr gutes Match gewesen; deshalb sei er stolz darauf, daran beteiligt gewesen zu sein. Aus York könne er nur Positives mitnehmen, das ihm in Zukunft helfen würde. Das ist genau die richtige Einordnung. Dass er stolz darauf war, nicht mehr nur als Talent zu gelten, sondern sein Potenzial nun auch mal auf großer Bühne bewiesen zu haben, dazu hat er jedes Recht.

Aber hier liegt auch der Schlüssel. Luca sei ein typischer "Venue-Player", so die Einschätzung von Shaun Murphy. Das ist ein Spieler, der vor allem vor Publikum in der Endrunde zu glänzen weiß, der von der besonderen Atmosphäre beflügelt wird. Tony Drago war in seiner besten Zeit ein Paradebeispiel für diese Gattung. Aber um auf dieser Bühne glänzen zu können muss man sich halt auch für die Endrunde qualifizieren. Und das heißt, man muss auch im grauen Alltag der Qualifikationsrunden seine Leistung abrufen (Tony hatte und hat immer Probleme damit).

Wenn es Luca gelingt, seine Erfahrungen von York auch in diese prosaische Umgebung zu übertragen, dann kann es nur eine Richtung für seine Karriere geben: nach oben, rasant nach oben. Wenn! Aber ich denke, er bringt dazu beste Voraussetzungen mit.

Traumturnier für Davis

Zu den Halbfinals: Die erste Session zwischen Shaun Murphy und Ali Carter ist schon gespielt. Das 5:3 für den "Captain" ist noch keine Vorentscheidung. Der Schuss mehr Aggressivität bei Shaun Murphy scheint ihm gut zu tun. Sein Problem in der ersten Session war, dass er zu oft nicht genug aus seinen Chancen gemacht hat. Allerdings ist Carter ihm bisher im Safe-Spiel überlegen. Das könnte bei zwei ansonsten gleichwertigen Spielern den Ausschlag geben.

Mark Selby mit seiner Matchhärte und seinem granitharten Willen wird auch Mark Davis alles abverlangen. Selby gibt sich nie geschlagen und kann auch jedes Spiel mitgehen. Aber Mark Davis ist erfahren, und er hat nichts zu verlieren. Schon so ist das ein Traumturnier für ihn. Sachlich, konstant und ohne Schwächen geht er bisher durch die UK Championship. Auf ihm wird weniger Druck lasten als auf Selby. Das ist ein wichtiger mentaler Vorteil.

Wer auch immer am Sonntag gekrönt wird: Die UK Championship hat mal wieder bewiesen, dass sie ein besonderes Turnier ist. Es macht Spaß und ich freue mich auf die (leider nur noch wenigen) Sessions, die noch gespielt werden. Aber Entzug ist ja nicht zu befürchten: Schon in der nächsten Woche geht es mit der European Tour weiter.

Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb

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