Rolf Kalb

Masters: Die große Viertelfinal-Vorschau

Sechs der ersten achten Matches beim Masters endeten 6:5 oder 6:4. Das Masters also wird seinem Ruf gerecht. Auch in diesem Jahr ist im Alexandra Palace wieder spannender Snookersport garantiert. Und das ist ja schließlich (bei aller Klasse der Akteure) das Salz in der Suppe. Bei einem flüchtigen Blick über die Ergebnisse der ersten Runde schoss mir durch den Kopf, dass Überraschungen bisher ausgeblieben sind.

Aber dann fiel mir auf, dass das Quatsch ist. Was soll beim Masters überhaupt eine Überraschung sein? In den Top 16 der Weltrangliste kann jeder jeden schlagen. Da kann kein Ergebnis überraschen (oder zumindest kaum ein). Jetzt aber ist die erste Runde absolviert, alle Spieler haben ihre Visitenkarte abgegeben. Da ist es Zeit, mal einen Blick auf die Viertelfinals zu werfen:

Neil Robertson - Mark Allen
Die haben beide das Zeug, den Titel zu holen. Neil Robertson kann mit seinen langen Bällen, mit seinem Breakbuilding und vor allem auch mit seiner Matchhärte jeden Gegner zur Verzweiflung bringen. Was er gegen Ding Junhui nach dem 3:5-Rückstand gezeigt hat war nahe an der Perfektion. Von Mark Allen sagen alle, dass er reif für einen großen Titel ist, und das sehe ich genauso. Gegen Mark Davis wurde er vielleicht noch nicht voll gefordert (vor allem nach der Pause); da bleibt abzuwarten, wie er reagiert, wenn er unter Druck gerät. Allen hat zwar Robertson schon einmal beim Masters geschlagen, aber im vergangenen Jahr startete der Australier seinen Masters-Triumph mit einem Sieg über den Nordiren, und er hat auch eine positive Bilanz gegen Allen.
Mein Tipp: Wenn’s eng wird, dann gewinnt Robertson.

John Higgins - Shaun Murphy
Um Himmels willen – wie soll man da auf einen Sieger tippen? Beide haben ein exzellentes Matchplay, beide können in den entscheidenden Situationen ihre Bestleistung abrufen (hat man ja in der ersten Runde sehen können) und beide sind in dieser Saison erfolgreich. Im Vorjahr hat Shaun Murphy im Masters-Halbfinale gegen John Higgins gewonnen, dafür hat sich der Schotte beim Shanghai Masters durchgesetzt. Selbstvertrauen hat Higgins auch in der Vorwoche bei der Championship League tanken können, wo er auch Murphy geschlagen hat.
Mein Tipp: Leichte Vorteile für Murphy, weil der in dieser Saison konstanter spielt.

Mark Selby - Mark Williams
Das Duell der beiden Comeback-Könige. Da ist alles möglich. Beide haben über einige Frames pfui gespielt, beide aber waren bei ihrem Comeback hui. Für Mark Williams spricht die große Ruhe, die er immer hat; den Druck lässt er gar nicht erst an sich ran. Mark Selby aber beweist eine unglaubliche Stabilität, wenn es wirklich darauf ankommt. Und er steht ja auch nicht umsonst an der Spitze der Weltrangliste.
Mein Tipp: Mark Selby, denn der Mann ohne Nerven hat noch immer einen Vorteil gegenüber dem Mann mit starken Nerven.

Judd Trump - Graeme Dott
Da spricht eigentlich fast alles für Judd Trump. Spielerisch liegen die Vorteile klar auf seiner Seite. Wenn denn Graeme Dott nicht der Pocket Dynamo wäre. Unerschöpfliche Energie, nie erlahmender Kampfgeist und ein unbändiger Wille sind Pfunde, mit denen der Schotte wuchern kann. Sein Spiel dürfte Trump nicht so sehr liegen, und der hat ja auch gegen Barry Hawkins gezeigt, dass er durchaus verwundbar ist.
Mein Tipp: Der Wille von Dott reicht nicht aus – Trump setzt sich durch.
Wie auch immer die Matches ausgehen mögen (und ich kann durchaus fürchterlich daneben liegen) – an einem habe ich keine Zweifel: Auch im Viertelfinale werden die Spieler wieder dafür sorgen, dass wir vorne an der Kante unseres Sessels hängen.

Viel Spaß und beste Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb

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