Rolf Kalb

Klasse, die nicht jedem gefällt

Peter Ebdon nach seinem Triumph (Bild: Top147.com)Was für eine dramatische Entwicklung hat das Finale der China Open gestern genommen. Das Drama hat sich vielleicht langsam entwickelt, aber war am Ende um so furioser, zumal beide Akteure am Ende ihre Chancen hatten. Das war das typische Wechselbad, das zum Snooker gehört. Das Finala mag nicht allen gefallen haben, aber packend war es, und dem konnte man sich nicht entziehen. Ich finde, beide Spieler verdienen großen Respekt: Peter Ebdon und Stephen Maguire haben beide bewiesen, dass sie große Kämpfer sind und viel Charakter haben.

Peter Ebdon spaltet natürlich die Gemüter. Sein Spiel ist nicht jedermanns Geschmack. Es muss einem ja auch nicht gefallen, aber die Klasse, die er in dieser Woche in China wieder aufblitzen ließ, die kann man ihm nicht absprechen. Der Titel ist ihm schließlich nicht durch Zufall in den Schoß gefallen: Fünf Spieler aus den Top 16 der Weltrangliste hat er in Peking geschlagen. Einem Profisportler kann es nicht nur darum gehen, zu gefallen, sondern er muss auch den Erfolg suchen. Sonst verhungert er. Genau das macht Ebdon.
Stephen Maguire hat es mit Bezug auf die erste Session des Finales unumwunden zugegeben: „Peter hat mich komplett ausgespielt da. Er hat den Tisch dominiert, und wenn er das macht, dann kann ich nichts tun." Genau: Es ist an den Gegnern, zu verhindern, dass Peter Ebdon in einer solchen Weise den Tisch dominiert. Wenn sie das nicht schaffen, dann können sie sich auch nicht über eine Niederlage beschweren. Dementsprechend hat der Schotte auch Peter Ebdon gepriesen, statt mit der eigenen Niederlage zu hadern.

Hat mich ausgespielt
Aber auch Stephen Maguire verdient viel Lob für seine Leistung im Finale. Nach der für ihn enttäuschenden ersten Session wäre es leicht gewesen, sich frustriert mit der Niederlage abzufinden. Maguire hat das nicht gemacht; er hat zurückgeschlagen und hätte ja durchaus noch den Titel gewinnen können. Da hat er Moral gezeigt, Willen, Kampfgeist und vor allem viel Disziplin. Im neunten Frame schien der Frust mal kurz überhand zu nehmen, aber dann hat er kurz Dampf abgelassen (muss halt auch mal sein) und war danach umso präsenter. Das war eine sehr reife Vorstellung von ihm, und mit so einer Einstellung wird er nicht mehr lange auf seinen nächsten Titel warten müssen.
Andere Endspiele in dieser Saison hatten einen ganz anderen Charakter und waren vielleicht mitreißender (zum Beispiel das Feuerwerk bei der UK Championship). Aber seinen Reit hatte auch das in Peking, und es ist ja gut, dass nicht jeden Match gleich aussieht. Die Vielfalt gehört zum Reichtum des Snooker. Und jetzt geht es mit Volldampf in Richtung Weltmeisterschaft. Ich freue mich schon drauf.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb

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