Rolf Kalb

Trump: Dominanz und Spielfreude

"Das schmerzt, Judd", hatte ich vor einigen Wochen hier geschrieben. Das war nach der Niederlage von Judd Trump im Finale des Shanghai Masters (ausgerechnet gegen John Higgins); damals hatte er eine 7:2-Führung verspielt. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass er an dieser Niederlage gewachsen ist. Er wird auch zukünftig Spiele verlieren, aber er wird dann nicht mehr lange zurückblicken, sondern nach vorne schauen. Und das ist richtig so.

Bisher hatte Judd Trump alle wichtigen Matches gegen John Higgins verloren, insbesondere die drei Endspiele, die die beiden vor Sofia gegeneinander bestritten hatten. Die letzte dieser Niederlagen (in Gloucester) lag erst vier Tage zurück. Trotzdem strahlte er gestern Abend in Sofia so viel Selbstbewusstsein aus. Absolut dominant war er und hat John Higgins komplett auseinandergenommen. Ob die Rote, die Higgins im zweiten Frame verschossen hat, etwas am Ausgang geändert hätte? Es ist müßig, darüber zu spekulieren, aber ich glaube nicht. Vielleicht hätte er statt mit 4:0 nur mit 4:1 gewonnen. Was soll's.
Eine solche Dominanz, wie Trump sie gestern ausgestrahlt hat, braucht natürlich Selbstvertrauen. Das hat er. Aber es ist noch mehr, was ihn auszeichnet: seine unbändige Spielfreude. Die reißt auch die Beobachter mit. Man kann ihm nur wünschen, dass er diese Spielfreude nie verliert. Es macht einfach Spaß, ihm dabei zuzusehen.

Dass Judd Trump und John Higgins das Finale in Sofia bestritten haben war eine beinahe logische Sache. Die beiden sind einfach derzeit die dominierenden Akteure. Higgins hat das Shanghai Masters und das siebte PTC-Turnier gewonnen, Trump hat bei der International Championship und in Sofia triumphiert. Das kommt nicht von ungefähr. Derzeit sind das einfach die beiden Besten. Natürlich können auch andere Spieler Turniere gewinnen; Neil Robertson in Gdynia und Mark Allen in Antwerpen haben das bewiesen. Die Konstanz des Spitzenduos haben die aber nicht.

Natürlich ist ein solches Formhoch immer nur eine Momentaufnahme. Im Snooker entscheiden Kleinigkeiten; da kann auch schnell was schieflaufen. Dann natürlich beweist sich, wer ein wahrer Champion ist. Bei den beiden braucht man sich aber keine Sorgen zu machen.

Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb

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