Patrick Mouratoglou

Höchste Zeit für Tsonga

Hallo Tennis-Freunde,

hat Jo-Wilfried Tsonga in der Saison 2013 zum letzten Mal die Chance, doch noch ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen? Eine berechtigte Frage, mit deren Beantwortung man allerdings sehr vorsichtig sein muss. Jo ist 27 Jahre alt und auch einer wie David Ferrer hat seine beste Saison im Alter von 30 Jahren gespielt. Ich selbst bin der festen Überzeugung , dass man sich in seiner Karriere kontinuierlich steigern kann. Im Fall von Tsonga muss man aber auch fragen: Hat er sein Spiel wirklich weiterentwickelt über die Jahre? So wie es Ferrer getan hat und im vergangenen Jahr prompt das Masters von Paris gewann.

Zunächst einmal muss Jo sein Spiel neu strukturieren, daran führt kein Weg vorbei, wenn er irgendwann regelmäßig die Top 5 der Welt schlagen will. Er sollte bald damit beginnen, denn es wird rund drei Jahre dauern, bis er ein entsprechendes Niveau erreichen kann. Vergessen wir nicht, dass er eineinhalb Jahre lang ohne Trainer auf der Tour unterwegs war. Wenn du dann auch noch an deinem Spiel arbeiten willst, wird es verdammt schwer. Von daher war es ein überfälliger Schritt, dass er sich entschieden hat, in dieser Saison mit dem australischen Coach Roger Rasheed zusammenzuarbeiten.

Den "Punch" nutzen

Und es gibt einiges, woran Tsonga arbeiten kann. Er kann mehr Druck in den zweiten Ball beim Return bringen und sich 100 Prozent auf das Offensivspiel einlassen - in dem Wissen, dass kaum ein anderer Profi einen dermaßen harten "Punch" hat, sowohl beim Service als auch auf der Vorhand. Er, der so einen guten Volley spielt, der die Größe mitbringt und enorm explosiv sein kann, bringt alle Fähigkeiten mit, vorne mitzuspielen. Nur, wenn er diese Qualitäten nicht langsam einsetzt, wird es zu spät sein.

Ich bin mir sicher, dass er zusammen mit Rasheed an seinem Spielsystem arbeitet und sie die Zeit effektiv nutzen. Das Duo muss ausführlich darüber diskutieren, wie man auf eine gemeinsame Wellenlänge kommt, um möglichst gut zusammenarbeiten zu können. Rasheed muss klar und autoritär auftreten, um glaubwürdig und überzeugend zu sein. Denn bei Jo haben sich viele Dinge fest verankert, das ist normal mit bald 28 Jahren - macht es aber schwer, neue Herangehensweisen zu etablieren. Wenn es Rasheed gelingt, Tsonga für seine Ansichten und Methoden zu gewinnen, kann er noch sehr viel erreichen. Die große Gefahr besteht darin, dass Jo aufgibt, wenn er nicht sofort Erfolge erzielt.

Viele Grüße,

Euer Patrick

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