Oliver Kahn

Videobeweis und Maulkorb?

Liebe Yahoo! Eurosport-User,

in einer öffentlichen Erklärung ließ Schiedsrichter Babak Rafati über seinen Anwalt am Freitag verlauten: "Im persönlichen Empfinden von Herrn Rafati wurde vor allem ein wachsender Leistungsdruck für ihn als Schiedsrichter und der damit verbundene mediale Druck in Kombination mit der ständigen Angst, Fehler zu machen, zu einer immer größeren Belastung. Eine Belastung, die irgendwann selbst Alltagsprobleme unlösbar erscheinen ließ und der er sich am Ende nicht mehr gewachsen fühlte."

In diesem Zusammenhang meinen aktuell auch 70 Prozent der Fanorakel-User: "Der Druck ist zu hoch."

Schiedsrichter haben es in einer Zeit, in der technische Hilfsmittel immer ausgefeilter werden und jeder kleinste Fehler sofort aufgedeckt wird, sicherlich nicht einfach. Fehlentscheidungen werden in den Medien offen gelegt und angeprangert, die Schiedsrichter befinden sich in der Folge häufig in Erklärungsnöten. Deshalb stellt sich die Frage: Wie können Schiedsrichter effektiv unterstützt werden?

Videobeweis als naheliegende Lösung

Eine nahe liegende Lösung ist der Videobeweis, der sich in anderen Sportarten wie beispielsweise im Eishockey längst durchgesetzt hat und derzeit von 83 Prozent der Fanorakel-User befürwortet wird. Dazu zählen der Chip im Ball und Torkameras. Laut Fifa sind diese Systeme noch nicht ausgereift und funktionieren dementsprechend nicht fehlerfrei. Ganz klar: Selbst den hartnäckigsten Fußball-Romantikern sollte mittlerweile klar sein, dass am Einsatz vernünftiger technischer Hilfsmittel zur Unterstützung der Schiedsrichter kein Weg mehr vorbeiführt.

Längst überfällig ist auch die Beschäftigung und Ausbildung von Profischiedsrichtern in Deutschland, wie es etwa in England schon lange der Fall ist. Zur Ausbildung eines Profischiedsrichters sollte unter anderem die intensive Schulung von Fähigkeiten im Umgang mit Drucksituationen und Fehlern gehören.

Vorbild Handball?

Im Handball dürfen sich seit Saisonbeginn am Spiel beteiligte Personen erst 48 Stunden nach Abpfiff offiziell über die Leistungen der Unparteiischen äußern. Ein Modell, an dem sich zwar viele Fans reiben, das sich aber doch zu bewähren scheint und das auch dem Fußball bestimmt nicht schaden würde. So würden Schiedsrichter zumindest etwas aus der Schusslinie genommen.

Ein "Maulkorb" hilft ja nicht nur den Unparteiischen - es dient auch dem Selbstschutz der Spieler und Funktionäre, die nach dem Spiel ihren Emotionen freien Lauf lassen. Emotionen sind meist etwas Positives, nur sollten sie direkt nach dem Spiel nicht dem "Sündenbock" Schiedsrichter gelten. Denn eines ist klar: Absichtlich trifft kein Profi-Schiedsrichter eine falsche Entscheidung.

Euer

PS: Auf fanorakel.de haben wir ein großes Voting zu Schiedsrichtern und Regeländerungen gestartet. Beteiligt Euch daran, ich bin gespannt auf Eure Meinung!

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Oliver Kahn

Der 86-fache Nationaltorhüter gewann mit dem FC Bayern München acht deutsche Meisterschaften, sechsmal den DFB-Pokal und einmal die Champions League. Zudem wurde Oliver Kahn dreimal als „Welttorhüter des Jahres“ ausgezeichnet. Auch nach dem Karriereende 2008 blieb der „Titan“ aktiv. Neben seinem BWL-Studium, und mittlerweile drei Buchveröffentlichungen, gründete er eine Stiftung für benachteiligte Kinder. Und: Kahn rief das Meinungsportal fanorakel.de ins Leben. Die „Stimme der Fans“ steht auch im Mittelpunkt seiner wöchentlichen Kolumne für Yahoo! Eurosport.

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