Oliver Kahn

“Trial and Error” bei der Hertha

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Hertha-Manager Michael Preetz sucht nach der richtigen Lösung

Hertha BSC hat Otto Rehhagel verpflichtet und damit die Fußballwelt überrascht. Rehhagel ist mit seiner Erfahrung, seiner Autorität und seinen vielen Titeln eine Trainerinstanz in Deutschland. Die Idee, einen Übergangstrainer bis zum Sommer zu verpflichten, ist offenkundig dem Willen von Manager Preetz geschuldet, kurzfristig den Klassenerhalt zu sichern. Diese Idee bedeutet aber gleichzeitig, dass Preetz zur neuen Saison eine weitere, diesmal zukunftsfähige Trainerlösung benötigt. Nach vier Trainern in zweieinhalb Jahren lässt sich aktuell in Berlin keine kontinuierliche sportliche Linie erkennen. Hertha agiert nach dem "Trial and Error"-Prinzip - Versuch und Irrtum.

Kurzfristiges Erfolgsstreben als Ursache für überstürzte Trainerwechsel

Eine Statistik des "kicker" belegt einen Trend, der äußerst bedenklich stimmt: In der Saison 2001/02 waren die Bundesliga-Trainer im Durchschnitt 1156 Tage im Amt, in der aktuellen Saison nur noch 548 Tage. Die Ursache für diese Entwicklung liegt sicherlich nicht daran, dass die Trainer schlechter geworden wären. Im Gegenteil: Die Ausbildung der Trainer in Deutschland ist im internationalen Vergleich auf absolutem Top-Niveau.

Größtenteils liegt die Ursache in der weit verbreiteten Branchen-Mentalität, primär den kurzfristigen sportlichen Erfolg mit allen Mitteln zu maximieren. Stellt sich dieser nicht umgehend ein, reagieren die Verantwortlichen auf Druck der Fans und Medien häufig mit überstürzten Trainerwechseln. Hohe Kosten und eine hohe Fluktuation beim Personal sind die Folge.

Erfolgsfaktor: Idee des Trainers und Philosophie des Clubs müssen passen

Nachhaltiger Erfolg eines Vereins basiert vor allem auf der Schaffung langfristiger Kontinuität auf der Trainerposition, der einen sukzessiven Aufbau des Spielerkaders ermöglicht. Beste Beispiele sind Manchester United mit Sir Alex Ferguson, Barcelona mit Pep Guardiola, Arsenal London mit Arsène Wenger oder Werder Bremen mit Thomas Schaaf. Dies setzt jedoch professionelle Strukturen im Verein voraus, zu der auch eine Führung gehört, die nicht bei jeder Krise sofort nervös wird, sondern die fähig ist, ein sportliches Konzept dauerhaft zu etablieren.

Natürlich müssen auch die Trainer eine absolut präzise Vorstellung ihrer Spielidee haben, die sie der Mannschaft vermitteln wollen.  Fachliche und kommunikative Kompetenz, Authentizität, psychologisches Feingefühl und Begeisterungsfähigkeit sind unabdingbare Voraussetzungen, um mit einer Mannschaft erfolgreich zu arbeiten. Darüber hinaus sollten die Spielidee des Trainers zur jeweiligen Philosophie und Kultur des Clubs passen.

Wie beispielsweise bei Borussia Dortmund. Dort passen Trainer und Club bestens zueinander. Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor beim BVB ist der bedingungslose Zusammenhalt zwischen Trainer und Management. Auch das schlechte Abschneiden in der Champions-League hat seitens der Führung zu keinem Moment Zweifel an den Fähigkeiten von Jürgen Klopp aufkommen lassen. Dass Jürgen Klopp bei der Borussia gelandet ist, hat allerdings auch mit einem glücklichen Umstand zu tun: Er war im Sommer 2008 auf dem Markt. Bei aller Professionalität gehört das Quäntchen Glück bei der Trainerverpflichtung immer dazu.

Wird Otto Rehhagel Hertha retten? Auf fanorakel.de haben wir ein Dutzend Fragen zum überraschenden Comeback des 73-Jährigen vorbereitet. Klickt Euch rein!

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Oliver Kahn

Der 86-fache Nationaltorhüter gewann mit dem FC Bayern München acht deutsche Meisterschaften, sechsmal den DFB-Pokal und einmal die Champions League. Zudem wurde Oliver Kahn dreimal als „Welttorhüter des Jahres“ ausgezeichnet. Auch nach dem Karriereende 2008 blieb der „Titan“ aktiv. Neben seinem BWL-Studium, und mittlerweile drei Buchveröffentlichungen, gründete er eine Stiftung für benachteiligte Kinder. Und: Kahn rief das Meinungsportal fanorakel.de ins Leben. Die „Stimme der Fans“ steht auch im Mittelpunkt seiner wöchentlichen Kolumne für Yahoo! Eurosport.

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