Oliver Kahn

Sieg im Schlüsselspiel – kommt jetzt die Konstanz?

Franck Ribéry: Pure Freude nach dem 2:0-Sieg gegen SchalkeLiebe Yahoo! Eurosport-User,

der FC Bayern hat am Sonntag gegen den FC Schalke eine längst überfällige Reaktion gezeigt. Allerdings hatte es der FC Bayern auch mit einem Gegner zu tun, der ihnen das Leben nicht sonderlich schwer machte. Schalke versuchte anfangs dagegen zu halten und mitzuspielen. Zu Beginn ging dieses Konzept vor allem deshalb auf, weil es der FC Bayern trotz guter Chancen versäumte, ein frühes Tor zu machen.

Anders als in den letzten Wochen führte das Versäumnis einer frühen Führung nicht zu Nervosität und Verunsicherung bei den Gastgebern. Sie spielten konsequent weiter und verfielen nicht in statische Ballstafetten, sondern blieben weiterhin variabel und forcierten das vertikale Spiel nach vorne.

Ständige Rochaden als Wegbereiter zum Erfolg

Insbesondere die drei offensiven Mittelfeldspieler Ribéry, Robben und Müller rochierten ständig, dadurch kam richtig viel Bewegung ins Spiel. Ein Mittel vor allem für die Flügelspieler, um der ständigen Doppelung aus dem Weg zu gehen und für Überraschungsmomente zu sorgen. Und wenn Ribéry und Robben doch einmal von zwei oder drei Mann gestellt werden konnten, rieben sie sich nicht in Eins-gegen-Zwei-Duellen auf, sondern lösten sich zumeist schnell vom Ball, was zwangsweise Räume für die nachrückenden Spieler ergab.

Ribéry war es vorbehalten, den Bann kurz vor der Pause zu brechen. Die Führung war überfällig, keine Frage. Jedoch war der Zweikampf zwischen Luiz Gustavo und Marco Höger vor diesem Treffer sicherlich grenzwertig.

Nach dem Gegentreffer war Schalke noch weniger präsent und wirkte mutlos. Diese mutlose Herangehensweise vieler Gegner, die in der Allianz Arena gastieren, wundert mich im Übrigen etwas. Das wirkt immer so, als hätten die gegnerischen Teams sich mit einer Niederlage schon vorher abgefunden.

Zur Schalker Mutlosigkeit gesellte sich nach dem Rückstand zunehmend Müdigkeit. Wenn du ein schweres Spiel unter der Woche zu verkraften hattest wie die Knappen bei ihren 120 Minuten gegen Pilsen und dann zurückliegst, fällt jeder Schritt natürlich doppelt schwer. Das 2:0 in der 55. Minute war die logische Konsequenz Münchner Dominanz und die endgültige Entscheidung des Spitzenspiels. Bayern ließ dem Gegner in der Folge etwas mehr Ballbesitz, ohne ihn gefährlich nahe ans Tor kommen zu lassen.

Krise? Höchstens kleine Dellen

Diese Partie war für den FCB sicher ein Schlüsselspiel. Nach der schlecht verlaufenen Woche mit dem 0:0 in Freiburg und dem 0:1 in Basel wurde dem FC Bayern medial schon eine große Krise angedichtet. Das habe ich nicht so empfunden. Dellen holt sich jede Mannschaft im Laufe einer Saison, diese dürfen eben nicht zu tief werden. Und so tief sind sie speziell nach diesem Sieg beileibe nicht: In der Meisterschaft ist weiterhin alles drin, ein 0:1-Rückstand gegen Basel ist aufzuholen und auch der DFB-Pokaltitel ist, auch wenn man sich gegen starke Gladbacher erst einmal durchsetzen muss, noch möglich.

Wenn es den Münchnern gelingt, das Niveau aus dem Schalke-Spiel nachhaltig zu konservieren, können sie jederzeit explodieren und die ganz großen Ziele (das Triple) anpeilen.

Wende oder Strohfeuer — wie bewertet Ihr den 2:0 der Bayern gegen Schalke? Auf fanorakel.de haben wir ein gutes Dutzend Fragen zum Topspiel gestellt. Klickt Euch rein!

Euer

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Oliver Kahn

Der 86-fache Nationaltorhüter gewann mit dem FC Bayern München acht deutsche Meisterschaften, sechsmal den DFB-Pokal und einmal die Champions League. Zudem wurde Oliver Kahn dreimal als „Welttorhüter des Jahres“ ausgezeichnet. Auch nach dem Karriereende 2008 blieb der „Titan“ aktiv. Neben seinem BWL-Studium, und mittlerweile drei Buchveröffentlichungen, gründete er eine Stiftung für benachteiligte Kinder. Und: Kahn rief das Meinungsportal fanorakel.de ins Leben. Die „Stimme der Fans“ steht auch im Mittelpunkt seiner wöchentlichen Kolumne für Yahoo! Eurosport.

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