Michael Greis

Hoffen auf die Initialzündung

Liebe Biathlon-Fans,

nach der ersten Hälfte der Biathlon-WM kann man eine erste kleine Bilanz ziehen. Bisher war das natürlich bei Weitem nicht das, was man sich aus deutscher Sicht vorgestellt hat.

Miriam Gössner hat im Sprint ein ordentliches Ergebnis abgeliefert. Auch Andrea Henkels Leistung in der Verfolgung konnte sich sehen lassen. Aber bis auf Erik Lesser, der sich bislang sehr gut verkauft, konnten die anderen DSV-Athleten ihr Potenzial bei der WM noch nicht ausspielen. An die zuvor im Weltcup gezeigten Leistungen können Andreas Birnbacher & Co. einfach nicht anknüpfen. Dass das ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt so läuft, ist natürlich schade.

Für die anstehenden Wettbewerbe im Einzel, in der Staffel und im Massenstart heißt es jetzt: Mund abputzen und noch einmal neu ansetzen. Gerade der Einzelwettkampf hat einen ganz eigenen Charakter. Weil es vier Mal zum Schießen geht, ist Birnbacher da sicher in einer guten Ausgangsposition. Wichtig ist, dass man sich nicht von den Schwierigkeiten in der Loipe verunsichern lässt. Das war in den vergangenen Rennen sicher ein Problem.

Svendsen und Fourcade noch stärker als gedacht

Speziell Birnbacher hatte, wie ich gehört habe, im Verlauf der Rennen mit einem nachlassenden Ski zu kämpfen. Hinzukommt, dass die Form wohl nicht ganz so gut ist, wie man gehofft hat. Wenn man sich die Laufanalysen genauer anschaut, liegen die deutschen Jungs um Rang 20 bis 25 - nur Lesser kann sich in der Loipe etwas absetzen. Aber Erik hatte mit Emil Hegle Svendsen und Dmitri Malyschko auch immer wieder gute Taktgeber bei sich, während die anderen ihr eigenes Rennen laufen mussten.

Wenn man über das deutsche Team hinausschaut, fällt auf, dass sowohl Svendsen als auch Martin Fourcade eine unglaubliche Form haben. Es ist wirklich erstaunlich, wie sich beide läuferisch noch mal gesteigert haben. Speziell im Sprint konnten sie sich dadurch beide problemlos eine Strafrunde leisten. Dass das Duo so überlegen ist, hätte ich nicht gedacht, weil das Feld bei einer Weltmeisterschaft normalerweise immer einen Tick enger zusammenrückt. Bei den Damen ist es ähnlich. Da war Tora Berger zuletzt auch nicht so stark, aber jetzt ist sie in Topform.

Ole Einar Björndalen hat sich, ebenso wie Tarjei Boe, konsequent auf die WM vorbereitet. Und man hat gesehen, dass sich das auszahlt: Wenn Ole den einen Fehler im Sprint nicht geschossen hätte, wäre er Weltmeister geworden. Er hat im Vorfeld alles richtig gemacht und dafür bewundere ich ihn.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht!

Euer Michael Greis

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