Mauertaktik

Wer ist eigentlich… Lukas Podolski

Lukas Podolski geht auf TorejagdLukas Podolski dominiert derzeit die Schlagzeilen. Ein unbedachtes Interview von Meistertrainer Kloppo in einem schwachen Moment reichten Lukas Podolski, um zum verbalen Rundumschlag auszuholen. Nebenbei rettet Prinz Peng seinen FC Kölle im Alleingang vor dem Abstiegskampf. Doch wer ist dieser Mann eigentlich? Mauertaktik hat alle Fakten, die man über den sympathischen Stürmer wissen muss, zusammengetragen.

Jugend

1985 ist ein besonderes Jahr. Die World Wrestling Federation veranstaltet die erste Wrestlemania und Modern Talking landen einen Nummer-1-Hit nach dem nächsten. Die Welt ist reif für Lukas Josef Podolski, der am 4. Juni von einem Klapperstorch über Gliwice ("Gleiwitz") abgeworfen wird, und sich dort sofort pudelwohl fühlt. Erste Anzeichen seiner Berufung erfährt er bereits im Kindergarten, als der kleine Frechdachs wegen seiner Schelmereien oft im Abseits steht. Ihm wird schnell klar: entweder Zirkusclown oder Fußballprofi.

1987 spitzt sich die politische Lage im alten Europa immer mehr zu. Glück für Familie Podolski: Der Papa ist deutscher Herkunft und die Familie kann nach Deutschland emigrieren. Nicht so glücklich: Die Reise geht nach Bergheim. Dort findet er zwar schnell Anschluss, dennoch gilt: Früh übt sich, was ein Rebell werden will. So rotzt der motivierte Stürmer seinem D-Jugend-Trainer beim FC Bergheim 07 nur ein schnoddriges "Geh kacken" hin, als dieser den Goalgetter nach einem lupenreinen Hattrick kurz vor Ende auswechselt, damit dieser von den mitgereisten Eltern bejubelt werden kann. Der Versuch, seinen Frust in einer Werbetonne zu entladen, misslingt gerade noch so (keine Werbetonne da). Der Vereinswechsel ist nur noch reine Formsache, mit dem 1.FC Köln findet er die Liebe seines noch jungen Fußballerherzens.

Adoleszenz

Auch auf menschlicher Ebene küsst den Kölner Prinzen das Glück. Poldi trifft Schweini. Es ist Liebe auf den ersten Pass, beide zaubern sich 2006 in die euphorisierten Herzen der Fans. Fußball-Deutschland hat sein neues Traumpaar. Podolski wird bei der Heim-WM sogar noch vor Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Gerald Asamoah von der Fifa zum besten Jungspieler des Turniers gewählt. Geht's noch weiter nach oben? Hm.

Nach überragender WM kann sich Podolski den Regel des Geschäftes nicht widersetzen und wechselt für ca. 10 Millionen Euro vom Rhein an die Isar. Der große FC Bayern hat zwar keine Verwendung für den talentierten Linksfuß, aber so schießt er wenigstens keine Tore für die Konkurrenz. Dieser ebenso perfide wie simple Plan wird erst 2009 ausgehebelt, als eine Polonaise mit knapp 3 Milliarden Menschen von Köln nach München tanzt und damit droht, erst wieder normal zu sein, wenn der verlorene Sohn mitgenommen werden darf. Ehrensache, dass mehr als 40.000 Fans zum Auftakttraining zur Saison 2009/2010 kommen, um den Prinz live und in Farbe zu sehen.

Echtes Leben

Die Anfangseuphorie verfliegt allzu schnell, der Alltag erhält Einzug und der ist in Köln meistens grau. Allein Bundestrainer Löw kann den Kölschen Jung regelmäßig zu Höchstleistungen motivieren. Doch in dieser Spielzeit ist alles anders. Dem Messias wird zwar vor Saisonbeginn das Kapitänsamt von Neutrainer Solbakken entzogen, doch anstatt sich in Selbstmitleid zu suhlen, übernimmt der Prinz das Zepter auf dem Platz und schießt in den ersten 15 Spielen sensationelle 14 Tore, er übernimmt Verantwortung und führt das Team. Da ist es kein Wunder, dass die Konkurrenz die Nerven verliert. Jeder auf seine Weise. Schalkes Manager Horst Heldt phantasiert sich öffentlich einen Wechsel des durchaus "interessanten" Spieler zum "zweitgrößten deutschen Verein" zusammen und der sonst so souveräne Kloppo stichelt derart gegen Poldi, dass sich sein Chef für ihn entschuldigt. Lukas Podolski indes reagiert auf den ganzen Trubel erstaunlich gelassen, für seine Verhältnisse fast witzig. Das ist dann auch die vielleicht beste Nachricht an dieser boulevardesken Posse: Ein Lukas Podolski in physischer und psychischer Bestform kann im EM-Jahr 2012 Gold wert sein. Im wahrsten Sinne.

--- Jürgen H. Nuta

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