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Die Rückkehr des Tigers

Antonio Conte feierte mit Juventus im Sommer die Meisterschaft.

Die Bilder ähnelten sich, Woche für Woche, Spieltag für Spieltag. Zuletzt hetzte er in Donezk hinter einer abgedunkelten Scheibe auf und ab, wie ein verwundeter Tiger.

Am Wochenende kehrt Juventus-Trainer Antonio Conte nach seiner Sperre wegen einer angeblich unterlassenen Anzeige von Spielmanipulation auf die Trainerbank zurück. In Palermo wird der 43-Jährige erstmals in dieser Saison an der Seitenlinie stehen.

Am Donnerstagnachmittag erschien Conte mit einem großen Lächeln im Gesicht beim Training der Turiner, bei seiner Ankunft am Trainingsgelände in Vinovo machte er den Fans das "Victory"-Zeichen mit Zeige- und Mittelfinger. Dieses galt sicherlich dem Erreichen des Champions-League-Achtelfinales, aber auch seiner anstehenden Rückkehr auf die Trainerbank.

"Antonio hat sehr darunter gelitten, nicht am Platz sein zu können. Er hat noch mehr Siegeshunger als vorher, ihm zu folgen ist eine Ehre für uns", hatte Innenverteidiger Leonardo Bonucci nach dem 1:0-Sieg in Donezk gesagt.

Trainerbank im Wohnzimmer

In den vergangenen Monaten hatte sich Conte auch aus der Öffentlichkeit zurückgehalten. Erst vor wenigen Wochen meldete er sich bei einem Chat mit Juve-Fans aus der ganzen Welt zu Wort. Dabei ließ er durchklingen, wie sehr ihm die Spiele fehlten. Nach einem Scherz ("Ich habe mir eine Trainerbank für zuhause machen lassen, auf der schaue ich am Abend fern") sagte er: "Mir fehlt der Kontakt mit dem Rasen sehr, mit meinen Spielern, den Gegnern und den Fans. Mit allen."

Auch ohne Conte an der Seitenlinie haben die Bianconeri an die erfolgreiche letzte Saison angeknüpft. Der Cheftrainer übernimmt seine Spieler auf Platz eins der Serie-A-Tabelle und als Champions-League-Achtefinalist.

Trotzdem habe er seinen Spielern "enorm" gefehlt, wie Spielmacher Andrea Pirlo kürzlich im Interview mit "Tuttosport" unterstrich. "Speziell in der Halbzeit", betonte Pirlo. "Seine Ansprache ist für uns alle sehr wichtig, er kann das Spiel mit seinen taktischen Anweisungen in eine andere Richtung lenken."

Warme Worte vom Erzrivalen

Davon sind nicht nur Contes Spieler, sondern auch seine Trainerkollegen überzeugt. "Er hat der Serie A gefehlt", sagte Palermo-Trainer Gianpiero Gasperini, seine Anwesenheit sei für die Spieler sehr wichtig.

Selbst Roma-Coach Zdenek Zeman, der seit Jahren ein angespanntes Verhältnis zu Juventus pflegt, hatte warme Worte für Conte übrig. Im Interview mit dem Staatsfernsehen "Rai 1" unterstrich der Tscheche, dass Juve mit Conte an der Seitenlinie noch stärker werde. "Sie haben es auch ohne ihn gut gemacht", sagte Zeman, "aber er kann mit seiner Emotionalität noch mehr aus der Mannschaft holen."

Der Tiger ist bereit.

Christian Bernhard

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