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Der “Schei…-Torwart” von Mailand

Christian Abbiati - unter Beschuss aus den eigenen ReihenChristian Abbiati - unter Beschuss aus den eigenen Reihen

Nicht selten müssen Fußball-Profis mit herber Kritik umgehen können. Sei es von Medienseite oder von den eigenen Fans. Das, was Milans Torhüter Christian Abbiati am vergangenen Spieltag passiert ist, dürfte allerdings nicht nur ihm neu gewesen sein.

Neapel, San-Paolo-Stadion: Der AC Milan gastiert beim SSC Neapel und liegt nach vier Minuten mit 0:1 im Rückstand. Der Schweizer Gökhan Inler hatte aus rund 30 Metern abgezogen und unter gütiger Mithilfe von Abbiati getroffen.

Der "Rossoneri"-Torwart hatte einen Schritt in die falsche Ecke gemacht und konnte so den relativ zentralen Schuss nicht mehr abwehren. "Der Ball hatte eine komische Flugbahn", sagte Abbiati nach der Partie, "aber wenn ich so ein Tor kassiere, nehme ich es klar auf meine Kappe."

Ein Torwartfehler also — Abbiati ist nicht der erste, dem so etwas passiert. Dafür sorgte sein Fehler vielleicht für eine Premiere. Sekunden nach dem Tor wurde Milans Geschäftsführer Adriano Galliani von den TV-Kameras auf der Tribüne eingefangen, und just in dem Moment war von seinen Lippen eindeutig der Ausspruch "So ein Schei...-Torwart" abzulesen.

Ein Geschäftsführer wird dabei gefilmt, wie er den eigenen Torwart beschimpft — eine nicht gerade alltägliche Szene. Klar, dass die "Causa Abbiati" an den darauf folgenden Tagen zum Thema Nummer eins wurde. Galliani versicherte Abbiati am Tag nach der Partie sein Vertrauen. "Mit Christian ist alles geklärt. Ich bin in erster Linie ein Milan-Fan und wenn ich im Stadion bin, verhalte ich mich wie so einer", sagte Galliani. Solche Dinge seien in den Stadien immer passiert, sagte er weiter, "nur gab es früher keine Kameras, die alles einfingen".

Abbiati selbst wählte den vereinseigenen "Milan Channel", um sich zu dem Vorfall zu äußern. "Ich kenne Herrn Galliani nun seit 15 Jahren. Seitdem zeigt er mir ganz offen seine Gefühle, sei es positive als auch negative", sagte der Torhüter. "Für mich ist die Sache gegessen."

Für seine Mitspieler allerdings nicht — in doppelter Hinsicht. Zuerst widmete Doppeltorschütze Stephan El Shaarawy seine Treffer, die zum 2:2 geführt hatten, Abbiati: "Diese Tore sind für Christian, der uns in anderen Spielen gerettet hat." Dann ließen es sich die Teamkollegen aber nicht nehmen, ihn damit zu hänseln: In Milanello wird Abbiati anscheinend nur noch "der Schei... Torwart" genannt - wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Und Galliani? Der hat aus dem Vorfall gelernt. "In Zukunft", sagte er, "werde ich mir die Hand vor den Mund halten, wenn ich rede."

Christian Bernhard

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