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Der Pitbull aus Rennes

Yann M'Vila (Frankreich) hat bereits 17 Länderspiele absolviertHalb Europa will ihn haben, dabei ist Yann M'Vila gerade mal 21 Jahre alt. Und wenn der französische Nationaltrainer Laurent Blanc über seine Visionen für den Neuaufbau spricht, dann redet er nicht von einem Franck Ribéry, dann meint er nur Yann M'Vila. Der Fels im defensiven Mittelfeld von Stade Rennes hat es auch Blanc angetan, für ihn ist er das Herzstück seiner "nouvelle vague", der neuen Welle.

Und was für ein Juwel da in der Ligue 1 schlummert, hat man auch auf der Insel längst mitgekriegt. Im Sommer noch gerieten die englischen Premier-League-Klubs in einen regelrechten Wettstreit im Bieten um M'Vila. Arsene Wenger wollte ihn auch unbedingt haben, Arsenal London bot 23 Millionen Euro für ihn. Doch Rennes war das nicht genug. Halten werden ihn die Franzosen aber nicht können, dafür ist M'Vila einfach zu außergewöhnlich.

Spieler: Yann M'Vila

Geburtsdatum: 29. Juni 1990

Geburtsort: Amiens, Frankreich

Nationalität: Frankreich / Kongo

Größe: 1,70 Meter

Fuß: rechts

Position: defensives Mittelfeld

Derzeitiger Club: Stade Rennes

Nummer: 17

Wenn Frederic Antonetti, der Trainer von Stade Rennes, über Yann M'Vila spricht, dann sagt er: "Yann ist eine Mischung aus den großen, defensiven Mittelfeldspielern. Er hat das Spielverständnis eines Claude Makelele, den Arbeitseinsatz eines Patrick Vieira und seine Pässe haben die Qualität eines Yaya Toure. Er spielt wie einer, der schon zehn Jahre mehr Erfahrung hat."

Große Worte für einen so jungen Spieler, doch sie sind keineswegs übertrieben. Und was so bemerkenswert an ihm ist, ist seine Reife. M'Vila spielt so abgeklärt und selbstbewusst, wie einer, der in der Branche schon alles gesehen hat. Und nicht wie einer, der noch fast am Anfang steht. Vielleicht liegt es auch in seiner Herkunft begründet. Als Sohn kongolesischer Einwanderer wuchs er in der nordfranzösischen Stadt Amiens auf, in einer Großbausiedlung in einem problematischen Außenbezirk. "Es gab kaum Kinder in meiner Nachbarschaft, die nicht geklaut haben", erinnert sich M'Vila, "und ohne Fußball wäre ich genauso geworden. Ich habe Motorroller gestohlen und bin nach Mitternacht durch die Straßen gezogen, obwohl ich am nächsten Tag Schule hatte."

Im Fußball sah er eine Chance, als er mit 14 Jahren ins Sportinternat von Stade Rennes kam. Er wollte seine Familie aus "dem Elend" befreien, und vielleicht arbeitet M'Vila deshalb härter und verbissener als manch anderer. "Ich bin wie ein Pitbull", sagt M'Vila, "wenn du dem etwas gibst, dann schnapp er danach und lässt nicht mehr los. Und wenn ich etwas habe, lasse ich auch nicht mehr los." Das bekommen seine Gegenspieler regelmäßig zu spüren. Obwohl er für einen Verteidiger nicht sehr groß ist, ist seine physische Kraft umso beeindruckender. Er ist stark und dynamisch, voll geballter Energie. Dribbelei liegt ihm nicht, er spielt lieber einfach und kontrolliert, ohne alberne Tricks. Seine Übersicht verliert er nicht, vermag seine Gegenspieler unter Druck zu setzen und erledigt seine Defensivaufgaben mit bedingungsloser Hingabe. Seine Technik ist ausgefeilt, er schlägt akkurate Pässe, und weil seine Ballbeherrschung so gut ist, kann M'Vila auch das Spiel nach vorne öffnen und schießt ab und zu sogar selbst ein Tor. Kurz gesagt, er ist mit 21 Jahren bereits ein kompletter Spieler. Und einer, wie es sie nur selten gibt.

Kein Wunder also, dass sich die großen europäischen Klubs seine Dienste sichern wollen. "Yann hat das Potenzial, einer der besten Spieler der Welt zu werden. Er hat außergewöhnliche Fähigkeiten", ist sich auch sein Teamkollege Kader Mangane sicher. Italien, Spanien, England — M'Vila könnte überall spielen, doch im letzten Sommer verlängerte er seinen Vertrag mit dem aktuell Sechsten der Ligue 1 bis 2015. Rennes hatte hoch gepokert und wollte das Maximum für sein Juwel rausholen, und das verprellte einige Klubs zunächst. Und M'Vila selbst hatte das Gefühl, dass der Zeitpunkt so kurz vor der EM in Polen und der Ukraine nicht der günstigste für einen Wechsel sei. Er hatte immer noch das mahnende Beispiel von Karim Benzema vor Augen, der nach einem durchschnittlichen ersten Jahr bei Real Madrid aus dem französischen Kader für die WM 2010 gestrichen wurde.

Auch M'Vila wurde damals von Raymond Domenech noch aussortiert, doch bei dessen Nachfolger Blanc muss er ein ähnliches Schicksal sicher nicht fürchten. Für Blanc ist M'Vila die Schlüsselfigur seiner "nouvelle vague", der neuen Welle, mit der er Frankreich wieder zu alter Stärke führen will. Denn schon mit seinen ersten Auftritten im Trikot von "Les Bleus" brachte M'Vila seine Kritiker zum verstummen. Bereits in den U-Mannschaften war er Kapitän gewesen, hatte früh Verantwortung übernommen. Auch privat. Mit 18 Jahren wurde er erstmals Vater, ist bereits verheiratet mit mittlerweile zwei Kindern. Dass er im letzten Herbst von zwei Prostituierten beraubt wurde, mit denen er sich in einem Hotel in Montpellier vergnügt hatte, bricht zwar das Bild des so früh reifen jungen Mannes, doch das ist vielleicht ganz gut so. Denn anders wäre einem dieser Yann M'Vila wohl schon unheimlich.

Petra Philippsen

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