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Halb Messi, halb Bart Simpson

So explosiv und frech wie ein echtes Talent sein muss: Iker Muniain.

Selbst drei Monate später hat der Anhang von Manchester United das Ausscheiden aus der Champions League noch nicht ganz verdaut. Die Europa League bleibt für die Fans der "Verlierer Cup". Die 2:3-Niederlage der Hausherren im Achtelfinal-Hinspiel gegen Athletic Bilbao munterte sie erst recht nicht auf.

Doch was der Gast aus dem Baskenland bot, hätte jedem Freund ästhetischen Fußballs gefallen. Im Mittelpunkt stand dabei Iker Muniain, der im Land des amtierenden Welt- und Europameisters den Vergleich mit dem aktuell besten Spieler der Welt eindrucksvoll rechtfertigte.

Spieler: Iker Muniain

Geburtsdatum: 19. Dezember 1992

Geburtsort: Pamplona, Spanien

Nationalität: Spanien

Größe: 1,69 m

Fuß: beidfüßig

Position: Stürmer

Derzeitiger Klub: Athletic Bilbao

Rückennummer: 19

Frühere Clubs: Athletic Bilbao Jugend

Es war ein Bild mit Symbolcharakter: David de Gea schüttelte ungläubig den Kopf, während Rafael wie ein geprügelter Hund davon trottete, den Blick starr auf den makellosen Rasen des Old Trafford gesenkt. Muniain hingegen drehte jubelnd in Richtung der 8000 mitgereisten Bilbao-Fans ab, um sich für das 3:1 des Underdogs gegen den großen Favoriten Manchester United feiern zu lassen.

Es war die 90. Minute zwischen den "Red Devils" und Bilbao, als Muniain per Abstauber den hochverdienten Treffer für die Spanier erzielte. Dabei ragte der 19-Jährige aus einer starken Mannschaftsleistung heraus und brachte seinen Gegenspieler Rafael nicht nur in dieser Situation in arge Verlegenheit.

Mit 14 erstmals bei den Profis

Dabei war der kleine Angreifer vor der Partie kein Unbekannter. Trotz seines jungen Alters bestreitet er seine bereits seine dritte Spielzeit für die erste Mannschaft der "Rojoblancos", bei denen er erstmals im Alter von 14 Jahren mittrainierte. Bereits in frühen Jahren zündete er den Karriere-Turbo und brach Rekorde. Er war der jüngste Spieler mit einem Pflichtspieleinsatz für Bilbao und traf so jung wie niemand zuvor in der Primera División: Exakt 16 Jahre, neun Monate und 16 Tage hatte der Angreifer auf dem Buckel, als er seinem Klub ein 2:2 gegen Valladolid rettete.

Im Spiel gegen ManUnited rief er genau das ab, was ihn so stark und zum Stammspieler im Baskenland machte. Mit seiner explosiven Antrittsschnelligkeit war er immer einen Tick vor seinem Gegenspieler am Ball und schnell den entscheidenden Meter entwischt. Neben dem völlig überforderten Rafael zwang er so auch Ji-Sung Park in die Defensive. Der Südkoreaner sollte eigentlich auf dem rechten Flügel die Offensive der Hausherren ankurbeln, war durch Muniain aber über weite Teile des Spiels in der eigenen Hälfte gebunden. Doch auch zwei Gegenspieler konnten den quirligen Linksaußen nicht stoppen.

Einmal am Ball, gab er ihn auch nicht so leicht wieder her. Leichtfüßig und unbekümmert trickste er sich immer wieder an mehreren United-Spielern vorbei und war auch durch hartes Einsteigen und Zupfer am Trikot nicht zu stoppen. Dass gegen ihn oftmals an der Grenze zur Legalität verteidigt wird, ist für den 1,69 Meter kleinen Wirbelwind sowieso Tagesgeschäft. Flink wie ein Wiesel und beidfüßig gefährlich ist er der Albtraum eines jeden Verteidigers.

Doch nicht nur diese Attribute erinnern an den dreimaligen Weltfußballer des Jahres, Lionel Messi. Ähnlich wie Barcelonas Zaubermaus ist Muniain trotz seiner geringen Körpergröße äußerst robust und behauptet sich auch in ruppigeren Zweikämpfen. Ob mit Ball am Fuß oder ohne, auf seine Schnelligkeit hat das keine Auswirkung. Kein Wunder also, dass er von der spanischen Presse bereits als "Mini-Messi" frenetisch gefeiert wird.

"Er hat das Zeug, ein Weltklassespieler zu werden"

Zumal er auch gedanklich blitzschnell ist und keinen Ball verloren gibt, wie er bei seinem Treffer gegen United bewies. Den Schuss von Óscar de Marco aus spitzem Winkel konnte de Gea nur zur Seite abklatschen, Rafael übersah den heraneilenden Muniain, der zum vierten Mal in dieser Europa-League-Saison einnetzte. "Bart Simpson", wie ihn Mitspieler wegen seiner Ähnlichkeit mit der frechen Cartoon-Figur nennen, krönte damit seine Weltklasse-Leistung gegen den englischen Rekord-Meister.

Wie lange Bilbao noch Spaß am Jung-Nationalspieler hat, ist fraglich. Zwar ist sein Arbeitspapier noch bis 2015 gültig und beinhaltet eine Mindestablöse von 36 Millionen Euro, doch Auftritte wie gegen Manchester machen die Topklubs aus Europa hellhörig. "Wenn Iker diesen Weg weitergeht, hat er das Zeug, ein Weltklassespieler zu werden", prophezeit Klub-Ikone Joseba Etxeberria.

- Von Christoph Volk -

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