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Wie einst Diego Maradona

PSG-Profi Javier PastoreEs war still geworden um Paris Saint-Germain. Sorgte der Klub in den Neunzigern noch in der Ligue 1 und der Champions League für Furore, konnte vor drei Jahren nur knapp der Abstieg verhindert werden. Seit Mai wird PSG nun von einer Investorengruppe aus Katar gesteuert und plant die Rückkehr auf die große europäische Bühne.

Ins Blickfeld der Fußballfans außerhalb von Frankreich kehrte man mit einem Knall zurück. Für 43 Millionen Euro verpflichtete der Klub mit dem Eiffelturm im Logo Javier Pastore aus Palermo.

Spieler: Javier Pastore
Geburtsdatum: 20. Juni 1989
Geburtsort: Córdoba
Nationalität: Argentinien
Größe: 1,87 m
Fuß: rechts
Position: Offensives Mittelfeld
Derzeitiger Club: FC Paris Saint-Germain (seit August 2011)
Nummer: 27
Frühere Clubs: Club Atlético Huracán, US Palermo

Zugegeben, die Bezeichnung "der neue Maradona" wird in Argentinien inflationär verwendet. Wer zwei Füße hat und gerade aus laufen kann, wird schnell mit dem Weltfußballer des vergangenen Jahrhunderts verglichen. Im Falle von Pastore sind die Vorschusslorbeeren aber durchaus zulässig.

In Córdoba geboren und aufgewachsen, feierte er sein Debüt in Argentiniens Primera División im Mai 2008 im Trikot von Atlético Huracán. In der darauf folgenden Saison avancierte Pastore zum Stammspieler und Leistungsträger. In 30 Spielen trug sich der Mittelfeldspieler acht Mal in die Torschützenliste ein, sechs Mal legte er einem Teamkollegen auf.

Die Leistungen des zu diesem Zeitpunkt 20-Jährigen weckten auch außerhalb Argentiniens Begehrlichkeiten. Die Spitzenklubs Manchester United und der AC Mailand hatten das Ausnahmetalent auf dem Zettel, aber US Palermo schlug zu und lotste das Talent für sieben Millionen Euro nach Sizilien.

Weltfußballer Messi adelt ihn

Dort rechtfertigte "El Flaco", der Schmale, wie sie ihn auf Grund seines Körperbaus nennen, immer wieder die Vergleiche mit Maradona und Brasiliens Spielmacher Kaká. Mit unglaublicher Kaltschnäuzigkeit marschierte der Spielmacher durch die gegnerischen Reihen und ließ seine Gegenspieler ins Leere laufen. Durch fast schon exzessiven Einsatz von Hakentricks, das Markenzeichen des Spielmachers, ließ er das Publikum staunen und die Gegner verzweifeln.

Seine zweite Saison im Süden Italiens beendete Pastore mit Palermo auf Rang acht, und verpasste somit das internationale Geschäft. Zu wenig, um den mittlerweile zum Nationalspieler aufgestiegenen 22-Jährigen zu halten. Weltfußballer Lionel Messi, sein Mitspieler in der "Albiceleste", adelte ihn im Sommer: "Von allen Spielern der Welt beeindruckt er mich am meisten."

Europas Top-Klubs waren scharenweise am Argentinier interessiert: Der FC Barcelona und Real Madrid wollten ihn nach Spanien, Manchester United und Chelsea London auf die Insel locken. Das Rennen machte schließlich Paris Saint-Germain. Sage und schreibe 43 Millionen Euro Ablösesumme machten Pastore zum teuersten Frankreich-Import der Geschichte.

Die europäischen Fußball-Fans spalteten sich zu diesem Zeitpunkt in zwei Lager. Die Einen konnten mit dem Namen Pastore nichts anfangen und wunderten sich über die horrende Ablöse für den Schlaks. Die Anderen wussten um seine Qualitäten und fragten sich, warum er Angebote der Top-Klubs zugunsten von Paris ausschlug.

Die Ablöse könnte für Pastore zum Bumerang werden. Noch größer als die 43 Millionen sind die Erwartungen und der gewaltige Druck, der nun auf den Schultern des "Schmalen" lastet. Seine Verpflichtung ist auch eine Kampfansage der ambitionierten Hauptstädter an den Rest Europas, dass mit dem PSG wieder zu rechnen ist.

Alle Hoffnung ruht auf ihm

Das Potenzial, sich in der französischen Ligue 1 durchzusetzen, bringt Pastore zweifelsfrei mit. Mit eleganten Dribblings im Stile Maradonas, dem Weltmeister von 1986, verzückt er regelmäßig das Publikum. Seine Torgefahr, bereits bei Huracán und Palermo herausragend, konnte er mit sechs Treffern in 13 Spielen bereits eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Pastore kann in Paris nur scheitern, wenn PSG scheitert. Mit keinem anderen Spieler sind die Hoffnungen der Fans, der Stadt und der Investoren auf Titel so eng verbunden wie mit ihm. Erfüllt sich diese Hoffnung wider Erwarten nicht, dürfte der Druck auf den Argentinier noch größer werden, sofern dies überhaupt möglich ist.

Sollte er die Mannschaft aber zur ersten Meisterschaft seit 1994 führen, würde man ihn sicherlich ebenso verehren wie Maradona in Neapel.

Christoph Volk

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